Fr, 15. Dezember 2017

Graz: Diagonale

08.03.2016 15:38

"Maikäfer flieg" zur Festival-Eröffnung

Die letzten Tage des Krieges in Wien, die ersten der russischen Besatzung sind Thema von Mirjam Ungers Film "Maikäfer flieg", mit dem die Diagonale in der Helmut-List-Halle eröffnet wurde. Zugrunde liegen dem Streifen die Kindheitserinnerungen von Christine Nöstlinger - ein wenig zu ehrfurchtsvoll umgesetzt.

Der Krieg dauert schon so lange, dass sich die kleine Christl an gar keine andere Zeit erinnern kann. Und dann ändert sich mit dem Einmarsch der Russen plötzlich doch alles. Die ersten Tage der Besatzung bringen neue Ängste und Gefahren, aber auch neue Freunde.

Zu viel Ehrfurcht vor der Vorlage
Im Roman "Maikäfer, flieg!: Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich." hat Christine Nöstlinger ihre Kindheitserinnerungen sehr direkt und in gewohnt lakonischem Ton festgehalten. Diese feine Respektlosigkeit fehlt dem Film, zu ehrfurchtsvoll wird hier an das Thema und die Vorlage herangegangen, um echtes Mitleiden, Mitzittern und Mitfreuen zu ermöglichen.

Tolles Team, großartige Schauspieler
Dabei machen Unger und ihr Team eigentlich alles richtig: tolle Aufnahmen, akribische Recherchen, viele feine Details und großartige Schauspieler. Die kleine Zita Gaier fesselt mit ihrem intensiven Blick, macht die widerspenstige Christl zu einer überaus lebendigen Figur. Ihre resolute Mutter (Ursula Strauss), der verletzte und desertierte Vater (sehr beeindruckend: Gerald Votava), die am Krieg zerbrechenden Großeltern (berührend: Krista Stadler und Heinz Marecek) und allen voran Konstantin Khabensky als russischer Außenseiter Cohn zeichnen vielschichtige Charaktere. Nur ein wenig mehr vom aufmüpfigen Geist Christine Nöstlingers hätte aus diesem Film ein Meisterwerk machen können. So ist er eher ein brav erzähltes, aber dennoch sehenswertes Kriegs- und Nachkriegsdrama. Im Rahmen der Diagonale läuft der Film noch am Samstag, 12. März, um 11 Uhr im KIZ-Royal.

Eröffnungsfeier mit Bundespräsident
Als überaus launigen Moderator für die Eröffnungsfeier konnte man Christoph Grissemann gewinnen, der in gewohnter Manier Kalauer und Geistreiches aufeinanderprallen ließ. Mit einer kurzen Begrüßung und einer Grundsatzrede über Willkommenskultur und die Stellung der Frauen im Filmbusiness feierten die beiden Neo-Intendanten der Diagonale, Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber, in der Grazer List-Halle ihren heftig beklatschten Einstand. Sie überließen das Wort dann auch noch dem Bundespräsidenten Heinz Fischer anlässlich seiner letzten Diagonale in offizieller Funktion.

Großer Schauspielpreis an Erni Mangold
Danach stand die Trägerin des Großen Schauspielpreises der Diagonale im Mittelpunkt: Erni Mangold. Die 89-jährige Schauspielerin, die für ihre Verdienste um die heimische Filmkultur geehrt wurde, begeistert bis heute mit ihrem uneitlen Spiel und ihrem unprätentiösen Auftreten. Und so nahm sie denn auch nonchalant die von Anna Paul geschaffene Trophäe, einen mit Handke-Texten versehenen Kimono entgegen.

Party mit Gesangseinalgen
Nach der begeistert aufgenommenen Uraufführung von "Maikäfer flieg" stand dann noch Party Ende nie auf dem Programm. Die Musiker Ernst Molden und Walter Soyka sorgten für Stimmung und fast das gesamte Ensemble des Films bewies Sangeskünste. So soll eine Diagonale-Eröffnung sein!

Informationen und Karten bekommt man hier

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