Di, 12. Dezember 2017

"Quelle des Lernens"

08.03.2016 11:13

Mädchen- und Bubenspielzeug beeinflusst Kinder

Barbie-Puppen für Mädchen und Matchbox-Autos für Burschen: Das Spielzeug für ihre Kinder wählen die Österreicher nach wie vor oft nach Geschlechterklischees aus. "Spielen ist für Kinder die Hauptquelle des Lernens. Sie üben dabei bestimmte Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Wie sie dieses Repertoire ausbauen, hängt stark vom Spielzeugangebot ab", warnt die Bildungspsychologin Marlene Kollmayer.

Die Auffassungen, welche Spielzeuge eher für Mädchen oder eher für Burschen geeignet sind, gehen laut Einschätzung der Expertin sehr eng mit klassischen Geschlechterstereotypen einher. Puppenküchen, Barbies und Bastelsets zählten zu den "Mädchenspielzeugen", Fahrzeuge, Bauklötze oder Spielzeugwaffen seien tendenziell eine Burschenangelegenheit. "Beim Spielen mit Puppen trainieren Mädchen verbale Fähigkeiten und die emotionale Intelligenz, also wie man sich in andere hinein versetzt. Gleichzeitig sehen sie, dass Barbie immer schön angezogen sein muss", gab sie zu bedenken.

Buben trainieren räumliches Denken
Burschen hingegen üben durch typische "Bubenspiele" das räumliche Denken, Durchsetzungsvermögen, Wettbewerbsorientierung und das Ausbreiten im Raum. "Hier werden Rollen eingeübt, die später stark kritisiert werden. Denn wenn Männer von der Arbeit nach Hause kommen, erwartet man von ihnen, dass sie auch liebende Familienväter sind." Ist das Spielzeugangebot im Vorschulalter aber nur auf stereotype Produkte eingeschränkt, werden diese Fähigkeiten nicht trainiert. Laut Kollmayer kann das sogar zur Erklärung der Ergebnisse der PISA-Studie beitragen, in der Mädchen in allen Ländern tendenziell besser beim Lesen und Buben besser in Mathematik abschneiden.

Um Kindern zu helfen, alle ihre Potenziale auszuschöpfen, rät die Bildungsexpertin Eltern, ein möglichst breites Angebot an Spielzeug zur Verfügung zu stellen. Dabei soll sowohl klassisches "Mädchen-", als auch "Bubenspielzeug" vertreten sein. "Man muss als Elternteil auch darauf achten, wie man selbst darauf reagiert, wenn beispielsweise ein Bub mit einer Puppe spielt", betonte sie. Kinder seien sehr sensibel auf diese Reaktionen und würden auch ihren Eltern zuliebe mit geschlechterstereotypen Produkten spielen.

Möglichst viele Verhaltensweisen erproben
Das Bewusstsein von Eltern gegenüber dieser Thematik werde laut Kollmayer immer stärker. Doch gleichzeitig komme der gegenläufige Trend des "Geschlechtermarketings", bei dem ursprünglich geschlechtsneutrale Produkte in Buben- und Mädchenversionen angeboten werden, auf.

Um Eltern über diese Problematik aufzuklären, hat das Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien im Auftrag des Familienministeriums bereits Konzepte für die Elternarbeit in Kindergärten entwickelt, die in Pilotprojekten in Wien getestet wurden. "Das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, Kindern dabei zu helfen, möglichst viele Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu erproben", zeigte sich Kollmayer zuversichtlich.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden