So, 19. November 2017

Böller-Kicker

03.03.2016 09:49

Schicker vor Weltpremiere: Erster Prothesen-Profi!

Am 23. November 2014 schien für Andreas Schicker die Karriere im Profi-Fußball beendet. Beim unsachgemäßen Hantieren mit einem Feuerwerkskörper verletzte sich der damals 28-Jährige schwer. Sein linker Unterarm musste amputiert werden, auch die rechte Hand blieb nicht unversehrt. 15 Monate nach seinem "Blödsinn" steht Schicker vor seinem Comeback in der zweithöchsten Spielklasse.

Am Freitagabend trifft sein SC Wiener Neustadt in der Ersten Liga auswärts auf Austria Salzburg. Den Überraschungssieg der ersten Frühjahresrunde gegen den LASK sah Schicker von der Bank aus, gegen den Fixabsteiger könnte er eine Chance bekommen. Allein der Publicity wegen will Trainer Günter Kreissl Schicker nicht einwechseln. "Wir werden nichts erzwingen, um Schlagzeilen zu machen. Aber die Chance ist sehr groß", sagte Kreissl vor dem Spiel in Salzburg.

Neun Verletzte oder Erkrankte muss Wr. Neustadt dieser Tage beklagen. Schicker wartet auf seine Chance, Geduld ist gefragt. "Es soll einfach passen, wenn ich der Mannschaft helfen kann", betonte der Steirer. Die Möglichkeit, im Profi-Geschäft überhaupt noch einen Stellenwert spielen zu können, sei "ein Geschenk, das ich mir mit harter Arbeit erarbeitet habe. Es war lange ein Fragezeichen, ob es überhaupt möglich ist."

Schicker der erste Profi weltweit mit Prothese
Die Geschichte von Schicker sorgt auch international für Aufsehen. Das deutsche Fachmagazin "kicker" berichtete auf einer Doppelseite über seine Story, auch aus Italien fanden sich Journalisten in Wiener Neustadt ein. Bei einem Comeback wäre Schicker der erste Profi weltweit, der mit einer Prothese spielt. Diesen Bescheid habe er von der FIFA ausgestellt bekommen. Beim Weltfußballverband musste Schicker erst eine Spielgenehmigung einholen.

Dies gestaltete sich zu Beginn nicht ganz einfach. "Es war relativ schwer, in so einem Fall einen Ansprechpartner zu finden", berichtete der ehemalige Nachwuchs-Teamkicker. Einen Monat habe es gedauert, bis sich eine FIFA-Mitarbeiterin gefunden hatte. Dann ging es aber umso schneller. Nachdem ausgeräumt war, dass die ein Kilo schwere Sport-Prothese Gegenspieler verletzen könne, flatterte die Spielgenehmigung ins Haus. Dass er mit dem Armersatz spielen will, war für Schicker klar. Neben dem benötigten Schwung bei Luftduellen muss der gelernte Linksverteidiger immerhin auch Einwerfen können.

Zweikampf springender Punkt
Schicker arbeitete emsiger am Comeback. Der wichtigste Schritt dabei war die Rückkehr aufs Spielfeld in den Kampf Mann gegen Mann. "Der springende Punkt war: Wie schaut es im Zweikampf aus", meinte Schicker. Die Angst, bei einer Aktion unglücklich auf den Arm zu fallen, begleitete ihn. Er machte auch Sturztraining, heute hat er keine Angst mehr. "Ich denke überhaupt nicht mehr an die Prothese. Das ist nun einfach meine neue Hand." Die auch schon einmal mit Tattoo verziert ist. "Bestellt von Amazon. Die kann man auch wechseln, ein Vorteil."

Am 30. Oktober des Vorjahres stand Schicker wieder bewerbsmäßig auf dem Rasen. Jener Mann, der für die Austria in der Champions-League-Qualifikation einst vor 60.000 Zuschauern in Lissabons Estadio da Luz verteidigte, lief für Wiener Neustadts Amateure in der 2. Landesliga im beschaulichen Mistelbach ein. Sein Gegenspieler war ein Legionär, er merkte auch dank langen Ärmeln und Handschuhen nichts von der Prothese.

Für den in mehr als 160 Bundesliga-Spielen (Austria, Wr. Neustadt, Ried) erprobten Steirer war damit der erste Schritt getan. In der Vorbereitung legte Schicker zu. Aus dem Co-Trainer - das Amt hat er seit Sommer inne - wurde ein laut Kreissl "spielender Co-Trainer". Schicker selbst meint dazu: "Bis vor drei Wochen habe ich mich mehr als Trainer gesehen, jetzt mehr als Spieler."

Co-Trainer und Spieler
Teil des Betreuerstabs ist Schicker weiterhin. Er absolvierte erst Donnerstag eine Prüfung für die Trainer-B-Lizenz. Als Coach sieht er sich auch in Zukunft einmal. Die Gegenwart gehört freilich dem Geschehen auf dem Spielfeld. "Fußball für mich noch nicht abgeschlossen als Spieler", betont Schicker. Nun gelte es aber einmal, das Frühjahr abzuwarten. "Danach wird man weitersehen."

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