Mi, 22. November 2017

Brennpunkt Calais

01.03.2016 10:06

Schwere Krawalle bei Räumung von „Dschungel“

Mit einem Polizei-Großaufgebot haben die französischen Behörden begonnen, einen Teil des gigantischen Flüchtlingslagers von Calais zu räumen. Arbeiter rissen am Montag im südlichen Teil des sogenannten Dschungels zahlreiche von den Flüchtlingen errichtete Hütten ab. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen, Aktivisten und der Polizei. Die nordfranzösische Hafenstadt am Ärmelkanal ist schon seit geraumer Zeit einer der Brennpunkte der Flüchtlingskrise in Europa.

Die Polizei war mit mehr als 30 Einsatzfahrzeugen vor Ort, um die Abrissarbeiten abzusichern, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Rund 20 Mitarbeiter einer Baufirma rissen die leeren Hütten und Zelte ab und entsorgten das Baumaterial in Containern.

Während die Räumung am Montagvormittag ohne größere Zwischenfälle verlief, gab es später Auseinandersetzungen mit der Bereitschaftspolizei: Flüchtlinge und Aktivisten der Organisation "No Border", die sich für die Abschaffung der Grenzen einsetzt, bewarfen die Ordnungskräfte mit Steinen, drei Polizisten wurden leicht verletzt.

Migranten und NGO-Vertreter setzten außerdem etwa 20 Hütten in Brand. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas, drei Aktivisten und ein minderjähriger Flüchtling wurden festgenommen. Am Abend gab es erneut vereinzelte Zusammenstöße, etwa 150 Flüchtlinge postierten sich außerdem an einer Zufahrtsstraße zum Hafen. Einige von ihnen warfen Steine auf Autos, andere waren mit Eisenstangen bewaffnet, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Hilfsorganisationen kritisierten die Teilräumung des Flüchtlingslagers. "Es ist unendlich traurig, diese Verschwendung der Arbeit der vergangenen Monate zu sehen", sagte Maya Konforti von der Organisation "Herberge der Flüchtlinge" mit Blick auf die abgerissenen Hütten. "Diese Menschen wollen nach Großbritannien. Sie werden hier nicht weggehen und ihre Lage wird jetzt noch prekärer, vor allem im Winter."

Die Präfektur des Departements Pas-de-Calais teilte mit, die Räumarbeiten würden "über die kommenden Wochen fortgesetzt". Das Verwaltungsgericht der Stadt Lille hatte vergangene Woche grünes Licht für die Räumung des südlichen Teils des Slum-ähnlichen Lagers gegeben, in dem miserable hygienische Bedingungen herrschten.

Die zuletzt dort lebenden Flüchtlinge - die Behörden sprechen von bis zu 1000, Hilfsorganisationen dagegen von rund 3500 - sollen größtenteils in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen gebracht werden. Viele Flüchtlinge wollen Calais aber nicht verlassen: Sie hoffen, von dort aus mit Fähren über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

Im gesamten Flüchtlingslager von Calais harren je nach Quelle 3700 bis 7000 Flüchtlinge aus. Das Lager ist den Behörden schon länger ein Dorn im Auge. Längerfristig will Frankreich alle Flüchtlinge in festen Unterkünften unterbringen.

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