Sa, 18. November 2017

Kinder vorgeschoben

29.02.2016 16:11

Inszenierter Sturm auf Mazedoniens Grenzzaun

Hunderte Flüchtlinge haben am Montag in einer filmreifen Aktion die Bahntrasse, die Griechenland mit Mazedonien verbindet, sowie den dortigen Grenzzaun gestürmt. Eine Gruppe von rund 300 Personen aus dem Irak und Syrien überwand am Übergang Idomeni Polizeiabsperrungen und drang auf die Bahnstrecke vor. Dabei schoben die Menschen im Beisein zahlreicher Medienvertreter ihre verschreckten Kinder zum Zaun vor. Dann versuchten die Flüchtlinge, die Stacheldrahtabsperrungen niederzureißen. Die mazedonische Polizei setzte Tränengas ein.

Auslöser der Tumulte war ein Gerücht, wonach Mazedonien seine Grenze wieder für alle Migranten geöffnet habe. "Frei, frei, wir können rüber!", schrie ein Flüchtling im griechischen Fernsehen. Griechische Grenzpolizisten sagten jedoch der Deutschen Presse-Agentur, das Gerücht stimme nicht, die Grenze sei geschlossen.

Mazedonische Polizisten wiederum versuchten auf der anderen Seite, den Zaun zu stützen. Zugleich setzten sie laut Augenzeugen massiv Tränengas gegen Flüchtlinge ein, die Bahngleise blockierten. Etliche der Migranten klagten anschließend über Atemwegsbeschwerden, es habe auch Verletzte gegeben, hieß es. Am Nachmittag beruhigte sich die Lage dann wieder. Allerdings schleuderten junge Flüchtlinge Steine über den Zaun auf die mazedonische Polizei und beschimpften die Beamten.

Lage an der Grenze bei Idomeni dramatisch
Am Grenzübergang zwischen Griechenland und Mazedonien harren derzeit mehr als 7000 Migranten aus. Sie fordern schon seit Tagen ein Öffnen der Grenze. Die Verhältnisse sind äußerst schwierig, es fehlt an Nahrung, Unterkunft und medizinischer Hilfe. In der Nacht auf Montag hätten rund 300 Flüchtlinge nach Norden weiterreisen dürfen, seit Montagfrüh sei die Grenze aber wieder geschlossen, teilten die griechische Behörden mit.

Die protestierenden Flüchtlinge kündigten eine anhaltende Blockade der Eisenbahnstrecke mit ihren Zelten an, sollte Mazedonien nicht seine Grenze öffnen.

Montagfrüh warteten auf der mazedonischen Seite bei Gevgelija wiederum Dutzende Flüchtlinge, die nach Griechenland zurückkehren wollten, da ihnen die Weiterreise verweigert worden war. Im nordmazedonischen Tabanovci harren indes rund 600 Flüchtlinge aus Afghanistan an der Grenze zu Serbien aus, sie waren dort vor etwa zehn Tagen gestrandet.

Im südserbischen Presevo trafen in den letzten 24 Stunden 400 Neuankömmlinge ein, die den Weg in die westserbische Grenzstadt Sid fortsetzten. In den dortigen Aufnahmezentren halten sich bereits etwa 700 Personen auf, denen die kroatische Grenzpolizei zuvor die Weiterreise verweigert hatte. Serbischen Medien zufolge handelt es sich dabei um Bürger Syriens und des Irak, die nicht direkt aus Kriegsgebieten stammen.

Tageshöchstgrenzen entlang der Balkanroute
Mazedonien, das erste Land auf der Balkanroute, hatte kürzlich ebenso wie Serbien und die EU-Staaten Kroatien, Slowenien und Österreich Tageshöchstgrenzen für die Einreise von Flüchtlingen eingeführt. Zudem lässt das Land fast nur noch Menschen aus Syrien und dem Irak passieren.

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