Mo, 20. November 2017

Wettbüro-Petition

23.02.2016 11:14

Lehen leidet unter zweifelhaftem Glück

Zweifelhaftes Spielglück alle paar hundert Meter: In Stadtteilen wie Lehen sind Wettbüros nur so aus dem Boden gewachsen. Ein Boom, der viele Gefahren birgt: Schuldenberge, zerrüttete Familien, ein kaputter Mix in der Handelsstruktur. Die Stadt-SPÖ fordert beim Land einen besseren Schutz ein: Debatte morgen im Landtag.

Die Wettbüros sind alle verdunkelt: Von außen wird das "Glück" unsichtbar. Wer so ein Lokal betritt, trifft auf viele Bildschirme und Wettprogramme. Vor allem Fußball, Basketball, Eishockey, Tennis. Man kennt sich hier. Wer einmal gesetzt hat, kommt wieder. "Ab zwei Euro bist du bei uns dabei", macht ein freundlicher Bursch das Spielglück schmackhaft. Doch nach oben sind die Grenzen offen: "4000, 5000 Euro - beim Wett-Terminal gibt es kein Limit." Und wer bequem zu Hause am Computer wetten will, kann ein eigenes Konto anlegen. SP-Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer ist verantwortlich für das Sozial-Ressort und sie kennt die Schicksale: "In letzter Zeit landen auffällig viele Familien in der Mindestsicherung, wo der Vater wetten geht."

105 angemeldete Wettautomaten stehen alleine im Stadtgebiet. Es sollen in Wahrheit drei Mal so viele sein. "Glücksspielautomaten sind oft im Hinterzimmer", weiß SP-Gemeinderat Osman Günes, wie Gesetze umgangen werden. Falsche Hoffnungen treiben gerade Menschen mit niedrigen Einkommen meist schnell in die Spielsucht. Laut WHO sind drei bis vier Prozent der Bevölkerung gefährdet. "Im Schnitt sind bei einem Wettbüro-Besuch 150 Euro weg, bei einem Verdienst von 1500 Euro sind das zehn Prozent", warnt Günes. Und Gemeinderätin Johanna Schnellinger - sie wohnt selbst in Lehen - kritisiert: "Die hohe Konzentration an Wettbüros vertreibt den Einzelhandel." Sie kennt die Ignaz-Harrer-Straße noch von früher als nette Einkaufsgegend. Der Großteil der Sportwetten spielt sich immer noch in den Wettlokalen ab: "Online gab es einen Zuwachs von 4 Prozent, real 20 Prozent", kennt Schnellinger die Zahlen. Das Geschäft mit dem Glück zahlt sich aus: Den Wettbüro-Betreibern bleiben pro Jahr und Automat netto 60.000 € an Gewinn. Sie können auch höhere Mieten zahlen. Neben der Stadt leiden Orte wie Hallein, Oberndorf oder St. Johann unter der Entwicklung.

Stadt-SPÖ fordert strengere Regeln ein
Die Stadt-SPÖ fordert jetzt beim Land einen strengeren gesetzlichen Rahmen ein. Nach schwedischem Vorbild soll zu Schulen und Kindergärten bzw. zwischen den Wettlokalen ein Abstand von 800 Metern gelten. Und der Jugendschutz - unter 18 Jahren ist Wetten verboten - soll streng kontrolliert werden. Eine Petition mit 1500 Unterschriften wird morgen, Mittwoch, im Landtag behandelt.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden