Mi, 22. November 2017

Entwicklungsökonom:

23.02.2016 06:04

„Merkels Einladungspolitik moralisch verwerflich“

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel steht mit ihrer Flüchtlingspolitik zunehmend alleine da. Nicht nur in großen Teilen der Bevölkerung, bei der politischen Konkurrenz sowie bei mehr und mehr Kollegen in der eigenen Partei - auch in der wissenschaftlichen Szene regt sich Unmut über die fortgesetzte Einladungspolitik. Der renommierte britische Entwicklungsökonom Paul Collier sagt etwa, Merkels Linie sei "moralisch verwerflich". Deutschland rette die Falschen.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Collier am Montag etwa auf die Frage, ob Merkels berühmtes "Wir schaffen das"-Mantra erreichbar ist: "Leicht wird es nicht." Seine Zweifel rühren nicht in erster Linie von den viel gescholtenen Wirtschaftsflüchtlingen her, sondern hauptsächlich von jenen Menschen, die vor Kriegswirren fliehen. "Diese Menschen wollen in dem Chaos ihr normales Leben bewahren, so weit es irgendwie geht. Sie möchten also möglichst nahe bei den Menschen aus ihrer Heimat bleiben, um einen letzten Rest Stabilität zu wahren." Die gefürchteten Parallelgesellschaften sind eine mögliche Folge davon, die Integration in die Gesellschaft werde sich dadurch verzögern.

"Deutschland war noch nie besonders gut in Integration"
Der britische Wirtschaftswissenschaftler mit deutschen Wurzeln verweist auch auf den Sinneswandel, den die Kanzlerin in den vergangenen Jahren vollzogen habe: "Bevor Angela Merkel eine Heilige sein wollte, hat sie die Multikulti-Gesellschaft in Deutschland als gescheitert bezeichnet", so Collier. Türkische Einwanderer etwa hätten sehr lange gebraucht, um in der deutschen Gesellschaft anzukommen, was Merkel bis vor Kurzem ebenso betrachtet habe. "Ich sehe nicht, warum sich das auf einmal geändert haben sollte", sagt der Oxford-Professor. "Deutschland war noch nie besonders gut darin, Einwanderer zu integrieren."

Merkels Schwenk im vergangenen Sommer, alle syrischen Flüchtlinge ungeachtet des Dublin-Abkommens nach Deutschland zu lassen, was letztlich die seit September anhaltende große Migrationswelle aus Nahost ausgelöst hat, bezeichnet Collier als "kolossalen Fehler". Sie habe vorab "offensichtlich überhaupt keine Vorbereitungen getroffen, um den daraus resultierenden Ansturm zu bewältigen".

Einladungspolitik "russisches Roulette" für Bootsflüchtlinge
Das Resümee des führenden Experten für Ökonomien der Entwicklungsländer fällt vernichtend aus: Die Einladungspolitik der deutschen Kanzlerin sei "moralisch verwerflich. Sie hat die Menschen quasi aufgefordert, nach Europa zu schwimmen. Das ist russisches Roulette: Such dir einen Schlepper und hoffe, dass dein Boot nicht untergeht", zitiert die "FAZ" den Briten.

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