Fr, 24. November 2017

Raumordnung

11.02.2016 13:12

Wie Rössler Zersiedelung stoppen will

Wo geht die Reise hin in Salzburg? Wird mit Grund und Boden gespart? Landesvize Astrid Rössler legte jetzt einen 460 Seiten schweren Raumordnungs-Bericht für die Jahre 2011 bis 2014 vor.

Es geht um Trends und Prognosen: "Nicht nur Baulandpreise, sondern auch Arbeitsplätze, Wirtschaftsstruktur oder die Mobilität bestimmen die Wohnqualität", macht Rössler auf ein Bündel an Kriterien aufmerksam. Sie erwartet sich von dem Bericht wichtige Daten, "um die Diskussion über die Zukunft zu versachlichen."

-) Zu hoher Flächenverbrauch: Rössler will Bauland überlegt mobilisieren und denkt an Gebühren wie Leerstands-Steuer auf Wohnungen oder Infrastruktur-Abgaben auf nicht genutztes Bauland. Auch die Zeit großzügiger Einkaufsmärkte mit riesigem Parkplatz vor der Türe sei vorbei.
-) Platz wird generell knapp: Rund 20 Prozent der Fläche ist in unserem Land der Berge überhaupt für Siedlungen geeignet. Nur Tirol liegt mit 12 Prozent noch dahinter. Rössler will beim Bauen nur "kompakte Siedlungen" erlauben. Die Stadt, Tennengau, Flachgau und Pongau gehe in eine gute Richtung. Der Lungau bleibt diesbezüglich Sorgenkind. In vielen Ortsrandlagen gilt ein Baustopp. Das trifft vor allem die ländliche Jugend. Wer daheim keine Baugenehmigung bekommt, zieht in die Stadt oder in Flachgauer Grenzgemeinden wie Mattsee ins deutlich billigere Oberösterreich. Rössler denkt bei Widmungen auch an Bodenqualität: Im Flachgau sei sie am besten und schützenswert.
-) Viele kleine Betriebe: Auffällig ist die Wirtschaftsstruktur: 85 Prozent aller Beschäftigten - das sind rund 200.000 Salzburger - arbeiten in Kleinunternehmen. Jeder dritte davon hat maximal 9 Mitarbeiter.
-) Zu viele Zweitwohnsitze: An 60.000 Adressen ist kein Hauptwohnsitz gemeldet. Rössler will in Zukunft verschärft durchgreifen und auch einen Zweitwohnsitz-Kataster erstellen lassen. Viele Gemeinden fühlen sich allein gelassen: Denn der gesetzliche Rahmen für Zweitwohnsitze seit kaum exekutierbar. Eine Forderung ist auch, dass Auspendler, die nur an den Wochenenden am ländlichen Wohnsitz sind, nicht so behandelt werden wie EU-Ausländer.
-) Einwohnerzahlen: 35 Salzburger Gemeinden kämpfen mit rückläufigen oder gleich bleibenden Bevölkerungszahlen. "Die Gemeinden müssen sich stärker auch den Frauen widmen", beobachtete Rössler, dass die weibliche Hälfte noch flexibler ist und öfter den Heimatort verlässt. Arbeitsplatz und Kinderbetreuungs-Angebot beeinflussen die Entscheidungen.
-) Immer mehr Single-Wohnungen: Durchschnittlich wohnen nur 2,3 Personen pro Haushalt. Und in der Stadt lebt bereits jeder zweite lieber allein, Salzburgweit sind es 35 Prozent.
-) Nahversorgung: "Da sind wir noch sehr gut aufgestellt", freut sich Rössler. Nur neun Gemeinden - darunter Scheffau und Thomatal - haben keinen Greißler im Ort zur Verfügung.

Raumordnungs-Novelle lässt auf sich warten
Das neue Raumordnungsgesetz lässt aber immer noch auf sich warten. VP und Grüne verhandeln schon seit Regierungsantritt. Die VP überarbeitet derzeit den Entwurf aus Rösslers Abteilung. Noch im Februar wird ein Ergebnis erwartet. Auch die vorwiegend schwarzen Bürgermeister machen vermehrt Druck. Der Teufel liege in dieser Hinsicht wie so oft im Detail, so die Raumordnungs-Referentin.

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