Di, 17. Oktober 2017

"Nur" 3 Jahre Haft

25.01.2016 16:19

Einbrecher freut sich über mildes Urteil in Wien

Ein Berufseinbrecher hat am Montag im Wiener Straflandesgericht von der jüngsten, in Teilen der Justiz umstrittenen Strafrechtsreform profitiert, die selbst bei gewerbsmäßiger Begehung für Vermögensdelikte nur noch maximal fünf statt bisher zehn Jahre Haft vorsieht, sofern der Schaden 300.000 Euro nicht übersteigt und keine Wohnungen betroffen sind. Er kam mit drei Jahren unbedingter Haft davon - nicht rechtskräftig.

Der 44-jährige aus Moldawien stammende Mann wurde 2008 in Frankreich festgenommen, nachdem er dort zahlreiche Einbruchsdiebstähle verübt hatte. Nach einem Jahr U-Haft wurde er auf freien Fuß gesetzt, in Abwesenheit allerdings zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Das führte dazu, dass er im Dezember 2009 seine Tätigkeit nach Wien verlagerte. "Mir blieb nichts anderes übrig, als weitere Straftaten zu begehen. Ich war ja auf der Straße", sagte er einem Schöffensenat.

"Habe alles verspielt"
Er konzentrierte sich bei seinen Einbrüchen auf die Innenstadt und das Botschaftsviertel im dritten Bezirk. Dabei verschaffte er sich gewaltsam Zutritt zu Büros, wo er Tresore und Geldkassetten aufbrach und damit das Weite suchte. In einer Kanzlei soll ihm neben Bargeld eine kostbare Münzsammlung in die Hände gefallen sein. Auf die Frage, was er mit der Beute gemacht habe, erwiderte der Angeklagte: "Was das Geld betrifft, habe ich fast alles verspielt."

Bis Juli 2014 konnten ihm 16 Einbrüche nachgewiesen werden, da er an den Tatorten seine DNA-Spuren hinterlassen hatte. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass es sich nur um die Spitze eines Eisbergs handeln und der 44-Jährige wesentlich mehr am Kerbholz haben dürfte. Der Schaden, der ihm zweifelsfrei nachgewiesen konnte, blieb deutlich unter der Wertgrenze von 300.000 Euro.

Dem Senat erschien im Hinblick darauf eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren schuld- und tatangemessen, wobei das umfassende Geständnis mildernd ins Gewicht fiel. Die vorsitzende Richterin ließ in der Urteilsbegründung durchblicken, dass die Strafe nach der alten, bis Ende des Vorjahres gültigen Rechtslage empfindlicher ausgefallen wäre.

"Brauch da nicht reden. Bin einverstanden"
Der 44-Jährige war gleichermaßen überrascht und erfreut, dass das Urteil wesentlich geringer ausfiel als jenes in Frankreich, obwohl sich die Anzahl seiner Verfehlungen seither deutlich erhöht hatte. Ohne mit seinem Verteidiger Rücksprache zu halten, nahm er die drei Jahre sofort an. "Ich brauch da nicht reden. Ich bin einverstanden", sagte er dem Anwalt, als dieser ihm eine Beratung anbot. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Anklagevertreterin gab vorerst keine Erklärung ab. Ob der Moldawier nach Rechtskraft seine Strafe in Österreich antreten oder nach Frankreich abgeschoben wird, steht noch nicht fest.

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