Do, 24. Mai 2018

1500 Jahre alt

13.01.2016 15:20

Älteste Prothese Europas in Kärnten entdeckt

Bei Ausgrabungen am Hemmaberg in Kärnten haben Forscher des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) haben das Grab eines Mannes entdeckt, der schon vor 1500 Jahren eine Fußprothese getragen hat. Der Mann hat den Verlust seines Fußes mehrere Jahre überlebt und die Prothese tatsächlich benutzt. Ältere derartige Ersatzglieder kenne man nur aus China, Ägypten und römischen Berichten. "In Europa ist es die bisher älteste Prothese", sagte ÖAI-Direktorin Sabine Ladstätter.

Seit Jahren legen Archäologen des ÖAI am Hemmaberg einen Kirchenkomplex aus dem 5. und 6. Jahrhundert frei. Der Ort war im frühen Christentum ein großes Pilgerheiligtum. Bisher wurden dort sechs Kirchen sowie Sonderbestattungen in und um die Gotteshäuser ausgegraben. Personen von hohem sozialen Rang erhielten damals das Privileg einer kirchennahen Bestattung.

Prominenter Bestattungsplatz
Auch der 2013 vom Archäologen Franz Glaser ausgegrabene Mann mit der Fußprothese hatte einen derart prominenten Bestattungsplatz gleich außerhalb der Kirchenmauer. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass er in der Gegend gelebt hat, anthropologische Analysen über seine Herkunft stehen aber noch aus, wie sie im "International Journal of Paleopathology" berichten.

Die Region gehörte zunächst noch zum byzantinischen Reich, das aber zunehmend an Einfluss in diesen Randgebieten verlor. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhundert sei es dann zu einem verstärkten fränkischen Einfluss im Ostalpenraum gekommen, sagte Ladstätter.

Abgesehen vom hohen sozialen Rang des Mannes mittleren Alters, der mit einem Kurzschwert und einer Fibel bestattet wurde, offenbarte die Ausgrabung Besonderes: Sein linker Fuß war oberhalb des Knöchels abgetrennt. An dieser Stelle fand sich ein etwa sieben Zentimeter großer Eisenring und Holzreste. Die Anthropologin Michaela Binder vom ÖAI, die Erstautorin der nun veröffentlichten Arbeit, die derzeit im Sudan gräbt, interpretierte diese Funde als Prothese.

Mann überlebte Verletzung mehrere Jahre
Röntgen- und CT-Untersuchungen des Skeletts zeigten, dass die Wunde gut verheilte, auch wenn es Anzeichen für eine ursprüngliche Knochenmarksentzündung gibt. Knochenschwund am linken Unterschenkel deutet einerseits darauf hin, dass der Mann das Bein nur mehr gering belasten konnte, andererseits auch darauf, dass er die schwere Verletzung mehrere Jahre überlebt hat.

"Das zeigt aber auch, dass die medizinische Versorgung gut war und man sich auch die Mühe einer Behandlung gemacht hat. Das wiederum belegt den sozialen Status der Person, die die Möglichkeit hatte, sich verarzten und so gut pflegen zu lassen, dass sie weiterleben könnte", sagte Ladstätter.

Auch wenn er das Bein nicht mehr voll belasten konnte, sieht Binder in der im Knie und Schulter festgestellten Arthrose Hinweise darauf, dass die Prothese tatsächlich benutzt wurde, möglicherweise unterstützt durch eine Krücke.

Fuß möglicherweise bei Kampf verloren
Nur spekulieren können die Forscher darüber, wie der Mann seinen Fuß verloren hat, ob bei einem Kampf oder durch einen Unfall. Eindeutige Abnützungsspuren an den Knochen verrieten allerdings, das es sich um eine Person gehandelt hatte, die sehr viel geritten ist. Das und die Art, wie der Fuß abgetrennt wurde, könnte darauf hindeuten, dass er auf dem Pferd sitzend bei einer Kampfhandlung die folgenschwere Verletzung erlitten hat.

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