Sa, 21. Oktober 2017

Bundespräsident

10.01.2016 12:44

Van der Bellen: „Habe eine ernste Chance“

Alexander Van der Bellen hat sich am Sonntag erstmals seit der Bekanntgabe der Präsidentschaftskandidatur der Öffentlichkeit gestellt. In einer Pressekonferenz versprühte der grüne Ex-Parteichef Zuversicht. "Ich bin überzeugt, dass ich eine Chance habe; eine Chance, hinreichend viele Bürger zu überzeugen, ihr Vertrauen zu gewinnen und schlussendlich gewählt zu werden."

Er sei aber nicht naiv: "Ich weiß, ich bin ein Außenseiter." In den roten und schwarzen Parteiapparaten gebe es genügend Personen, die es für undenkbar hielten, dass nicht einer aus ihrem Bereich den Bundespräsidenten stellt. "Aber die Zeiten ändern sich, und ich bin überzeugt, ich habe eine Chance - eine ernste Chance." Und: "Meine Zeit wäre mir zu schade als Zählkandidat."

Er sei überzeugt, dass er die Position des Bundespräsidenten gut wahrnehmen könne, sagte Van der Bellen. "Ich bin ein verbindlicher Charakter." Er würde nach innen parteiübergreifend verbinden und nach außen Österreich gut repräsentieren, versicherte er.

"Mir geht es in Österreich wirklich gut"
Auch eine persönliche Motivation nannte er: Österreich habe ihm als Flüchtlingskind große Chancen eröffnet und viel geschenkt. "Mir geht es in Österreich wirklich gut", sagte er. "Das ist meine Heimat, dort gehöre ich hin." Er glaube, dass es möglich sei, "als Bundespräsident etwas von dem zurückzugeben, weiterzugeben, was mir in meinem mittlerweile ziemlich langen Leben geschenkt wurde".

Die Herausforderungen bezeichnete er als enorm. Er verwies auf die Schere zwischen Arm und Reich, das kein Ende nehmende "Flüchtlingsdrama", den Klimawandel und den Umstand, dass sich Europa und die EU in der "wahrscheinlich tief greifendsten Krise seit ihrer Geburt" befänden. Die Sprengung der Union hielte er für den "größtmöglichen Fehler", sagte er.

Keine Verpflichtung zu Angelobung von FPÖ-Kanzler
Zur Frage, ob er eine FPÖ-geführte Regierung angeloben würde, sagte er, dass die stärkste Fraktion nicht automatisch einen Anspruch auf den Bundeskanzler habe - "nicht juristisch, nicht moralisch, gar nicht". Außerdem sei der Bundespräsident direkt gewählt, habe also mehr als die Hälfte der Stimmbürger auf seiner Seite. In seinem Fall gehe es da auch um eine bestimmte europapolitische Position. "Der Bundespräsident wird schon ein Mindestmaß an Vertrauen in die Regierung, die er anzugeloben hat, haben müssen. Sonst wird er alles tun, um eine andere Bundesregierung anzugeloben."

Er hoffe aber ohnehin, dass die Österreicher klug genug seien, sich nicht für eine "Verzwergung" der einzelnen Staaten Europas einzusetzen. "Ich würde vorschlagen, für den Moment der FPÖ nicht größere Bedeutung zuzumessen, als ihr zukommt. Wer weiß, ob der Hype nicht in zwei Jahren vorbei ist, sie ihren Plafond schon überschritten haben. Ich kann mir ja was wünschen", so Van der Bellen.

Hätte Pröll-Kandidatur "spannend" gefunden
Dem amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer zollte der Grüne höchstes Lob, er selbst habe aber einen stärkeren Hang zu ironischen, sarkastischen Bemerkungen. "Da muss man sich ein bisschen zusammennehmen als Bundespräsident", mutmaßte er. Über das Nicht-Antreten des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll sei er "gar nicht erleichtert, ich hätte das spannend gefunden".

Fragen zu seinem fortgeschrittenen Alter ließ er nicht gelten, denn der vermutliche ÖVP-Kandidat Andreas Khol sei sogar einige Jahrgänge über ihm ins selbe Gymnasium wie er gegangen. "Ich hoffe, dass ich nicht so ganz gebrechlich auf Sie wirke." Dass er nicht auf den Griff zur Zigarette verzichtet, verteidigte er mit einer persönlichen Hypothese: "Die Summe der persönlichen Laster ist konstant", so Van der Bellen.

Optimistisch auch die Schlussworte seines Statements: "Wer weiß, in drei, vier Monaten, wenn es soweit ist, treffen wir uns wieder und ich stehe vor Ihnen und sage: Ich bin's, euer Bundespräsident, gemma's an."

Video: Alexander Van der Bellen gibt Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl 2016 bekannt.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).