Sa, 18. November 2017

Einsamer Abschied

05.01.2016 19:38

Rekordläufer Robert Nemeth ist tot

Österreichs Leichtathletik trauert um einen ihrer größten Läufer. Nach langer, schwerer Krankheit ist Robert Nemeth im Alter von nur 57 Jahren bereits Mitte Dezember gestorben. In recht großer Einsamkeit. Er ist, wie es sein Wunsch gewesen sei, ganz leise abgetreten, heißt es aus dem engsten Familienkreis, der der "Kronen Zeitung" auch den Tod des Ausnahmeathleten bestätigte.

Robert Nemeth, am 5. Juni 1958 im schwedischen Hofors geboren (weil seine Eltern damals gerade in Skandinavien arbeiteten), bildete mit Dietmar Millonig und Wolfgang Konrad jenes glorreiche Läufer-Trio, das Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre unter Leitung von Trainer Hubert Millonig in die Weltklasse vorstieß. Regelmäßig erreichten diese drei Athleten Finalläufe bei den großen internationalen Meisterschaften.

Nemeth schrammte 1982 jeweils als Vierter über 3000 m bei der Hallen-EM und über 1500 m bei der Freiluft-EM nur knapp an einer ersehnten Medaille vorbei. Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau und bei der WM 1983 in Helsinki erreichte Nemeth jeweils über 1500 m das Semifinale.

Meilen-Rekord 34 Jahre alt
Atemberaubend waren vor allem seine unzähligen Rekordläufe. Wie etwa in Rieti 1981, wo er in einem Rennen gleich zwei österreichische Rekorde fixierte. Über die Meile lief er als Dritter hinter Syd Maree (USA) und Steve Ovett (GBR) ausgezeichnete 3:52,42 Minuten und zudem als Durchgangszeit die 1500 m in 3:35,8. Noch heute, also nach 34 (!) Jahren, hat sein österreichischer Meilenrekord Bestand, worauf er stolz war. Unerreicht sind bis heute in Österreich auch seine 4:59,6 Minuten über 2000 m von Klagenfurt 1984.

Sternstunde in Zürich
Eine Sternstunde, von der er immer gerne erzählte, schlug für ihn 1981 beim Weltklasse-Meeting in Zürich. Dort gewann er im legendären Letzigrund den 1500-m-Lauf. Auch wenn an jenem Abend die Meile im internationalen Mittelpunkt stand, Nemeth trug sich damit als bislang letzter Österreicher ins "goldene Buch" von Zürich ein.

Während Dietmar Millonig, 1986 erster Hallen-Europameister Österreichs, und Wolfgang Konrad, einst Weltklasseläufer über 3000 m Hindernis, als "Nike"-Repräsentant beziehungsweise als Chef des Vienna City Marathons der Leichtathletik treu geblieben sind, zog sich Nemeth von der Laufbahn zurück.

Stolz auf seinen Sohn
Mit Stolz verfolgte er aber die sportliche Entwicklung seines Sohnes Nicolas, der inzwischen ein guter Dressurreiter geworden ist. In unseren letzten Gesprächen schwärmte er stets von seinem Filius und schwelgte gern in den Erinnerungen an die goldenen Läuferzeiten vor drei Jahrzehnten.

Österreichs Sport wird Robert Nemeth als großen Sportler und Menschen stets gedenken.

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