Di, 17. Oktober 2017

Schnell zieht Bilanz

30.12.2015 20:14

Das Vertuschen ist das Ärgste

In 30 Jahren Politik hat er immer Klartext gesprochen - hier zieht er eine Bilanz des vielfach heiklen 2015er-Jahres: Dr. Karl Schnell, der es mit seinen "Freien" ja noch einmal wissen will, zu Asylproblematik, EU-Versagen und eigenen Zielen.

"Krone": Die erste Frage gilt dem Mediziner - wie schaut es in ihrer Praxis derzeit aus?
Schnell: Ich hatte zuletzt an einem Tag 140 Versorgungsfälle - aber lauter Menschen mit grippalen Infekten und Durchfällen, viel weniger Pistenopfer. Da werden die Viren durch den Tourismus importiert - und dann will halt jeder alles, nur nicht im Urlaub krank sein.

"Krone": Sie haben sich nie gescheut, auch heiße Themen anzupacken - was hat Sie heuer am meisten bewegt oder geärgert, wenn man diese Auseinandersetzung mit Strache ausklammert?
Schnell: Ich finde es grotesk, dass ich seit drei Jahren auf Ebene der Landespolitik vor einer Flüchtlings- und Asylwerberwelle gewarnt habe. Und passiert ist - so nach dem Motto, ,naja, der Schnell’, - so gut wie nix. Allein die Salzburger Integrations-Charta, mit der sich Haslauer selber widerspricht, ist ein Pfusch. Das Gerede von qualifizierten Zuwanderern ist purer Nonsens, ganz schlimm, fast ein Verbrechen an unserer Bevölkerung und das für mich Ärgste ist diese von oben angeordnete Vertuschung. Es gibt einige beweisbare Verbrechen von Asylwerbern, die offiziell einfach nicht stattfinden dürfen.

"Krone": Mit welchen Folgen?
Schnell: Dass man jetzt in einer Art Panikreaktion den Rechtsstaat aushebelt. Wir haben ja ein Asylrecht, das muss man nur endlich auch anwenden. Diese Willkommens-Kultur mit dem ,Wir schaffen das’-Slogan ist ein fataler Irrweg. Da rudern ja auch die Verkünder wie Merkel mittlerweile zurück. Man kann zu Orban stehen wie man will, aber er wendet nur konsequent an, was die EU jetzt selber will.

"Krone": Säßen Sie ein einem EU-Gremium, was wäre Ihre zentrale Botschaft?
Schnell: Zum einen, dass man mit 20 Prozent von dem Geld, das man im Banne des Finanzdiktats sinnloserweise nach Griechenland geschaufelt hat, in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und in Zwischenlagern ordentliche humane Bedingungen herstellen könnte. Das ist viel wichtiger als Grexit oder Drachmen-Comeback. Und meine Hauptforderung ginge an die USA, die das alles mit mehr als fragwürdigen Kriegen ausgelöst hat, weil sie sich als völlig unsinnige Weltpolizei verstehen. Die sollen selber Flüchtlinge aus der Region aufnehmen, wer zigtausende Soldaten und Kriegsmaterial in den Nahen Osten verschifft, der hat auf seinen Flugzeugträgern ja massenhaft Platz.

"Krone": Ist für Sie ist nach Gründung Ihrer freien Salzburger 2016 nicht auch ein Schlüsseljahr?
Schnell: Keine Frage, wir müssen uns konsolidieren, personell sehe ich genug Nachwuchs, es gibt genug Junge, die für Mandate reif wären. Meine zentrale Botschaft ist: Wer weder Rot/Schwarz noch die Strache-Vasallen will, muss in Salzburg unsere Gruppierung wählen.

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