Fr, 24. November 2017

Rettungssanitäterin

20.12.2015 13:06

Salzburgerin des Jahres

Die Szene ist auf der Seite 121 im "Krone"-Schlagzeilenbuch 2015 verewigt: Eine junge Rot-Kreuz-Helferin trägt behutsam ein erschöpftes, schlafendes Kind durch das Chaos der Bahnhofsgarage in Salzburg, die mit einem Mal zum Flüchtlingslager geworden ist. Ein Bild, das bewegt.

In der Rot Kreuz-Zentrale in Schallmoos überreichen wir ihr die Urkunde: Marianne Datl, 22 Jahre jung, Studentin der Soziologie und der Pädagogik, ausgebildete Rettungssanitäterin ist die Salzburgerin des Jahres 2015. Stellvertretend für die vielen Helfer der Freiwilligen-Organisation, wie wir es ausdrücklich betonen. Denn es geht nur im Team, das weiß Marianne, wenn sie zu schweren Verkehrsunfällen ausrückt. Bei der Hinfahrt sitzt sie neben dem Fahrer, der sich mit Blaulicht und Sirene einen Weg bahnt, am Rückweg ist sie beim Patienten. Die Szene mit dem Kind in der Bahnhofsgarage bleibt ihr unvergessen, dass sie fotografiert wurde, hat sie nicht bemerkt. Kameraden machten sie auf das Bild in der "Krone" aufmerksam.

Drei Kinder aus Syrien waren es, die mit den Eltern von der Garage ins Betreuungszelt gebracht werden sollten: Marianne Datl trug den schlafenden Buben, ein Rot-Kreuz-Kollege das zweite Kind, die Mutter das dritte. Der Vater schleppte all das, was vom Besitz der Familie übrig geblieben war – in einigen Plastiksackerln. Die Salzburgerin des Jahres erfüllt drei Aufgaben: Nachtdienst bei der Rettung in der Stadt, Flüchtlingsbetreuung, Ausbildung von Kids: Die sechs-bis elfjährigen absolvieren einen "Helfi-Kurs", die 12-bis 16-Jährigen machen schon beim Erste Hilfe-Training mit. Sie selbst, gebürtige Oberösterreicherin, kam durch den Vater zum Roten Kreuz: Er war dort tätig. Mariannes Bruder ist 19 und Zivildiener bei der Hilfsorganisation. Der Zusammenhalt und die Verarbeitung der oft schrecklichen Erlebnisse bei den Rettungseinsätzen sei gewaltig, erzählt sie uns. Verarbeiten müsse man das Ganze. Auch die Bilder von den Kindern, die damals im September mitten am Bahnsteig des Hauptbahnhofs eingeschlafen waren. Kalt war es in den windigen Nächten.

Bescheidene Helferin
Wir kommen auf die Asylkrise zu sprechen. Die Furcht vor der Flüchtlingswelle. Ja, viele in der Bevölkerung hätten Angst. Wohin denn die Reise unseres Lebens gehe, fragen sie sich. Doch wenn sie das "Gesicht" sehen, den Menschen in der Masse erkennen, dann ändere sich die Meinung. Sie haben alles zurück gelassen, die Reise über das Meer riskiert – und da sollte ihnen niemand helfen? 150.000 Flüchtlinge sind mit Unterstützung des Roten Kreuzes durch Salzburg nach Deutschland geleitet worden. Doch: "Es gab keine Minute, in der unser lebenswichtiger Rettungsdienst nicht funktioniert hätte", betont die Geschäftsführerin Mag. Sabine Kornberg-Scheuch. Marianne Datl ist eine bescheidene Helferin: Reanimieren, den Patienten bei der Rettung ins Leben wieder zurück zu holen, das sei ihr eigentlich lieber, als Interviews zu geben, meint sie und lächelt.

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