Do, 23. November 2017

Mission in Bosnien

19.12.2015 17:00

Friedenseinsatz im Rückzugsgebiet der Islamisten

"Allahu akbar" schreiend stürmte der Islamist Enes Omeragic am 18. November in Sarajevo in ein Lokal. Er tötete mit seinem Schnellfeuergewehr zwei bosnische Unteroffiziere und gab danach Salven auf einen Bus ab. Von Sicherheitskräften umstellt jagte sich der 34-Jährige dann mit einer Handgranate in die Luft. Und starb als IS-Märtyer am Balkan, motiviert vom Pariser Terror, bei dem Tage zuvor 130 Menschen getötet worden waren. Nur eine Flugstunde von Wien entfernt, zeigte sich somit, wie der Islamisten-Terror auch über den Balkan Europa immer näher rückt.

Wenngleich Omeragic als "lone wolf" - also als einsamer Wolf - agierte, so beweist sein Anschlag doch, dass Bosnien-Herzegowina für viele Islamisten als ideales Rückzugsgebiet gilt. Geschätzte 330 Kämpfer zogen von hier aus bereits in den Irak oder nach Syrien, um als Dschihadisten für den Islamischen Staat zu töten. Etwa 50 Kriegserprobte kehrten zurück und arbeiten jetzt im Untergrund - entweder, um neue Kämpfer zu rekrutieren, oder um mörderische Anschläge in Europa auszuhecken. Soweit die bedrohliche Lage.

200 Österreicher im EUFOR-Friedenseinsatz
"Obwohl im Vorjahr bei der 'Operation Palmyra' ein gemeinsames Rekrutierungsnetz in Österreich und Bosnien-Herzegowina ausgehoben und 29 Terrorkrieger verhaftet wurden, ist die Salafisten-Zelle am Balkan noch lange nicht zerschlagen", warnt ein Militärbeobachter, die Lage zu rosig zu sehen. Das wissen auch jene 200 rot-weiß-roten Soldaten (194 Männer und sechs Frauen), die derzeit in der einstigen "k.u.k.-Provinz" im EUFOR-Friedenseinsatz stehen.

Auch wenn die Hauptaufgabe der Österreicher darin besteht, die medizinische Versorgung der 600 Europäer zu garantieren oder als Sprengstoffexperten aufklärend dafür zu sorgen, dass keine der 120.000 vergrabenen Minen in die Luft geht, so leisten unsere EU-Soldaten enormen Anteil als "Friedensstifter" zwischen den Volks- (Bosniaken, Serben, Kroaten u.a.) und Religionsgruppen (Muslime, Serbisch-Orthodoxe, Christen u.a.).

"Sensoren" der angespannten Sicherheitslage
Denn als "Verbindungsoffiziere" sind die Österreicher auch Augen und Ohren der Polizeikräfte im Land. "Wir stehen ständig in Kontakt mit allen Leuten, die hier Macht und Einfluss haben. Von Bürgermeistern über Feuerwehrkommandanten bis zu den Politikern. Gleichzeitig observieren wir bei unseren täglichen Patrouillenfahrten diverse Veranstaltungen. Hundeausstellung ebenso wie Volksfeste. Denn nur so erhalten wir direkten Kontakt und das Vertrauen der Bevölkerung", erklärt Oberst Karl Kemethofer (58), Milizsoldat aus Oberösterreich, die Zusammenarbeit mit einheimischen Sicherheitskräften. Kurzum, Österreichs EUFOR-Soldaten sind zwar nicht als "Geheimdienstler" am Balkan unterwegs, doch sie sind gleichsam die "Sensoren" der angespannten Sicherheitslage im Land.

"Präsenz garantiert die Sicherheit in der Heimat"
Um die Stimmung in der Truppe auszuloten, stattete Verteidigungsminister Gerald Klug dem Kontingent den heurigen Weihnachtsbesuch ab. Neben kulinarischen Heimatgrüßen erhielten die Soldaten eine Sauna für ihren Fitnessraum und vor allem die treffende Ankerkennung: "Mit Ihrem Einsatz hier, wo neue Krisen rasch entstehen können, garantieren Sie die Sicherheit in unserer Heimat!

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