Di, 12. Dezember 2017

Titel aberkannt

17.12.2015 21:15

Uni-Beschluss zu Konrad Lorenz umstritten

Alte Fotografien von einem bärtigen Mann, der im Gänsemarsch mit gefiederter Begleitung über eine Wiese spaziert. Es sind Bilder wie diese, die die Menschen vor Augen haben, wenn sie an den Verhaltensforschers Konrad Lorenz denken. Die liebevolle Zuneigung zu seinen geflügelten Forschungsobjekten ist legendär. Konrad Lorenz, der Vater der Graugänse.

Legendär auch seine Forschungsergebnisse: Vielfach ausgezeichnet - auch von höchsten Stellen. Schulen, Straßen, Preise sind nach ihm benannt. Konrad Lorenz, der Nobelpreisträger. In den siebziger Jahren positioniert er sich öffentlich gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf. Unvergessen bis heute. Konrad Lorenz, die Galionsfigur der grünen Bewegung. Aber es gibt auch ein dunkles, sehr dunkles Kapitel in seiner Geschichte. Konrad Lorenz, der Nazi?

Welche Rolle spielte der Mann, der zu den bedeutendsten Wissenschaftlern des Landes zählt, in der NS-Diktatur? Keine unbedeutende, wenn es nach dem Senat der Universität Salzburg geht. Dieser hat ihm nämlich posthum die Ehrendoktorwürde aberkannt. Allerdings nicht einstimmig, wie die "Krone" erfahren hat. Die Causa ist umstritten. Fakt ist, dass es sich bei Lorenz um einen anerkannten Wissenschaftler gehandelt hat. Und das dürfte auch jene anonyme Minderheit des höchsten universitären Gremiums vor Augen gehabt haben, die sich in der geheimen Abstimmung gegen die Aberkennung ausgesprochen hat. Zwei Schriftstücke lagen der Entscheidung zu Grunde: Zum Einen das NSDAP-Beitrittsgesuch von Lorenz. Er schreibt darin: "Ich war selbstverständlich immer Nationalsozialist". Zum Anderen ein Aufsatz von 1940, in dem er Ausdrücke der ideologischen Rassenlehre, wie "nordische Bewegung" verwendet. "Für uns ist klar, dass Lorenz aktiv an der Verbreitung von NS-Gedankengut beteiligt war und die Uni daher ein Zeichen setzen musste", erklärt die grüne Studentensprecherin im Senat, Nicole Vorderobermeier, der "Krone". Jetzt darf aber eine Ehrendoktorwürde per Statut nur "unter strengen Voraussetzungen" widerrufen werden. Im vorliegenden Fall argumentiert der Senat damit, dass der Titel erschlichen worden sei, weil bei der Verleihung 1983 Lorenz’ Verbindung zur NS-Ideologie verschwiegen worden ist.

Lorenz distanzierte sich später ausdrücklich
Dabei habe es sich allerdings um reine Lippenbekenntnisse gehandelt, weiß sein langjähriger Wegbegleiter und Biograph, Professor Franz M. Wuketits. "Er war nur aus opportunistischen Gründen in der NSDAP. Und er war in keine Verbrechen verwickelt." Vielmehr habe er sich später mehrfach distanziert, auch mit den Worten: "Ich war damals so blöd, das ist kaum zu fassen." Davon steht nichts im Beschluss. Lorenz ist nicht der Erste, dem die Uni im Zuge historischer Aufarbeitung die Würde aberkennt. 2014 betraf es Eduard Paul Tratz, früherer Haus der Natur-Leiter. Da aber einstimmig.

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