Fr, 17. November 2017

Monster-Strommasten

16.12.2015 08:31

„Für die Freileitung gibt es keine Argumente“

"Ich will meine Stimme zurück, denn ich habe Astrid Rössler gewählt." So wie Unternehmer Anton S. aus Kuchl fühlen sich viele Wähler von Astrid Rössler getäuscht und verraten, weil sie mit ihrem zentralen Anliegen, der Verhinderung einer 380-kV-Freileitung, in der Regierung sang- und klanglos untergegangen ist.

Eugendorfs streitbarer Bürgermeister Johann Strasser, 37 Jahre in der Politik: "Die ganze Landesregierung hat mein Vertrauen verloren. In Wahrheit diktiert Wien und Salzburg gehorcht. Sie sind zu feige, um aufzustehen. Die Ehrlichkeit bleibt auf der Strecke. Selbst ich wüsste nicht mehr, wen ich in diesem Land noch wählen sollte."

Kein Vertrauen mehr in diese Landesregierung
Franz Köck von der IG Erdkabel: "In Wahrheit gibt es kein einziges Argument für eine Freileitung, darum ist es mir besonders schleierhaft, warum die Grünen zugestimmt haben." Zur Sicherheit: Klimawandel, Stürme, Muren werden Masten auch künftig knicken wie Streichhölzer. Sicherheits-Aspekte wie leicht durchführbare Terror-Attacken (siehe die Masten-Sprengungen auf der Krim) sind gar nicht eingerechnet. Zur Machbarkeit des Erdkabels: In Tokio gibt es seit 2000 ein 40-Kilometer Erdkabel mit 550 kV, in Wien liegen 380er-Kabeln seit 30 Jahren im Boden, Dänemark erlaubt nur noch unterirdische Stromversorgung und selbst in Bayern rückt man von der Freileitung ab. Die technische Machbarkeit des Erdkabels wird nur in Österreich verleugnet: "Wenn Rössler hier auf Verbund-Argumente für die Uralt-Technik einer Freileitung hereinfällt", so IG-Erdkabel-Präsident Theodor Seebacher, "dann ist das vergleichbar damit, als würden Autofahrer heute noch alle mit den stinkenden VW Käfer der Sechziger Jahre fahren müssen."

Eine Uralt-Technik so überholt wie VW Käfer
Hohe Leitungsverluste: Mindestens 6% der Energie gehen bei einer Freileitung verloren, beim Erdkabel weit weniger. Salzburg braucht die 380-kV-Leitung zur sicheren Energieversorgung: "Völliger Unsinn", sagt IG-Erdkabel Vize Franz Köck: "Sie dient nur dem Transit und sie wird in Zukunft noch entbehrlicher, wenn es verstärkt eine dezentrale Energieversorgung etwa durch Photovoltaik gibt. Mit der Leitung wird nur Atomstrom nach Österreich gebracht. So liefert Isar 2 nicht nach München, sondern ausschließlich nach Österreich, 11 Milliarden kWh im Jahr. Hierzulande weiß man ja schon nicht mehr, wohin mit dem Strom." Ein Erdkabel kostet mehr: Die EU finanziert die 380er-Leitung mit, etwaige Mehrkosten wären eine gute Investition auch in die Wirtschaft, sie trägt ohnehin stets der Verbraucher. Selbst der riesige Platzbedarf und die 113 Kilometer lange Schneise durch Wälder und Felder konnten die Grünen nicht von einer Zustimmung zur Freileitung abhalten: "Eine Katastrophe für den Tourismus und eine Gemeinheit unseren Kindern und Enkeln gegenüber", so Freileitungs-Gegnerin Gerti Höllbacher aus Krispl-Gaißau: "Es ist traurig, dass unsere Politiker nicht voraus denken." Bio-Bauer Toni Sommerauer aus Adnet spricht vielen im Ort aus der Seele: "Die Konzerne mögen die Politiker wie die Hasen vor sich hertreiben, wir tun da nicht mit. Wir Bauern haben gelernt, zusammen zu stehen. Wir werden uns wehren. Unseren Grund kriegt der Verbund niemals." Die streitbaren Adneter Landwirte haben schon die APG-Vermesser mit Heugabeln von ihrem Grund gejagt. Dazu kommen nachweislich falsche Fakten im UVP-Verfahren, der dem positiven Freileitungs-Bescheid zu Grunde liegt, so Franz Köck: "Der humanmedizinische Gutachter beruft sich auf Falsch-Aussagen eines deutschen Experten, der dafür bereits verurteilt wurde."

Falsche Fakten als Grundlage für Experten
"Es tut mir das Herz weh, wenn ich sehe, dass unsere Leute in Salzburg kritiklos dem folgen, was in Wien ausgeschnapst wird", so Bürgermeister Strasser. Für ihn ist der 380-kV-Bescheid ein Paradebeispiel dafür, warum die Bürger von dieser Art der Politik die Nase voll haben: "Astrid Rössler hat uns vor den Kopf gestoßen. Der Bürger wird sie zurück treten, das muss sie nicht einmal selbst tun. Diese Regierung, wie es sie jetzt gibt, ist jetzt schon Geschichte." Auch Adnets Ortschef Wolfgang Auer sieht das ähnlich: "Wir haben Rössler vertraut. Das Vertrauen ist weg. Ich und viele Bürger fühlen uns getäuscht. Wir Bürgermeister und nicht die Herren im Chiemseehof bekommen den Zorn der Bürger ab."

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