Sa, 18. November 2017

Haslauer beinhart

14.12.2015 10:25

„Keine Zeit, Lust und Kopf für diese Spielchen“

Es ist eine hochkarätige Runde, die sich heute, Montag, um 15 Uhr 30, im Sitzungszimmer der Landesregierung trifft. An der Wand hängen die Bilder der früheren Landeshauptleute. Franz Rehrl ist auf einem Gemälde zu sehen, Josef Klaus, dann Wilfried Haslauer I., Hans Katschthaler, Franz Schausberger und Gabi Burgstaller, die letzten beiden wirken wie ein Gegensatz zu den eher konservativen Porträts: So brach Hans Weyringer in die Moderne auf.

Angesichts dieses Ambientes sind die Sätze von Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer im "Krone"-Gespräch am Sonntagnachmittag nur zu verständlich: "Ich habe keine Lust, keine Zeit und keinen Kopf für diese Spielchen!" Haslauer zielt damit direkt auf Helmut Naderer, der als Klubobmann des zerbröselnden Team Stronach Landesrat Hans Mayr zum Rücktritt auffordert, nachdem es wochenlange Sticheleien und Beleidigungen gegeben hatte. Auch Rot und Blau (darunter ist die Strache-Getreue und einzige Abgeordnete der FPÖ, Steiner-Wieser gemeint) werden mit spitzer Klinge attackiert: "Macht braucht Kontrolle, aber die Regierung braucht auch Partner." SPÖ und FPÖ hatten den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen verlangt. Haslauer kategorisch: "In dieser Zeit, in dieser ernsten Lage ist dies undenkbar und verantwortungslos."

Dem ÖVP-Boss reicht es: "Es kann keine verwaschenen Lösungen geben!" So sind nur zwei Möglichkeiten denkbar:
-) Hans Mayr, höchst erfolgreicher und ziemlich präsenter Wohnbau-und Verkehrslandesrat, bleibt im Amt und rückt näher zur ÖVP, macht seine Mitgliedschaft im Wirtschaftsbund wieder ganz offiziell.
-) Otto Konrad, studierter Gesundheitsexperte, unterstützt vorbehaltslos die Regierung und bleibt im ÖVP-Klub beheimatet.
-) ÖVP und Grüne kündigen das offizielle Koalitionsabkommen mit dem Team Stronach, womit Helmut Naderer nicht mehr bei Sitzungen zugegen ist und vom Informationsfluss abgeschnitten wird. Er ist dann nur noch Klubobmann über sich selbst und seine Getreue Gabriele Fürhapter. Hinter einer harten Lösung stehen im Hintergrund drei Persönlichkeiten, die eine neue Art der Politik bevorzugen: Auch unpopuläre Entscheidungen, ungeschminkte Wahrheiten und schonungsloses Vorgehen gegen alle, die sich von Ehrlichkeit und Sauberkeit entfernt haben oder die in Verfahren verwickelt sind.
-) Cyriak Schwaighofer, grüner Architekt der so genannten Goldegger Koalition (Schwaighofer ist Kulturmanager von Schloss Goldegg, Hans Mayr war ÖVP-Bürgermeister von Goldegg und Christian Stöckl stammt aus Goldegg).
-) Landesrat Josef Schwaiger, dem noch immer manches zu langsam geht und der ohne Rücksicht auf Partei-Zugehörigkeit bei Turbulenzen in der Beamtenschaft durchgreift.
-) ÖVP-Chef-Stratege Wolfgang Mayer, der im Stillen vor allem Zukunftsstrategien erarbeitet.

"Stronachs" haben sich aus Zentrum der Match katapultiert
"Ein Koalitionspartner, der andauernd seinen Landesrat absetzen will und der bei den gelegentlichen Aufenthalten von Frank Stronach in eine niederösterreichische Millionärssiedlung reist und sich verworrene Befehle holt, ist für Salzburg nicht mehr tragbar!" Dieses Urteil fällte ein ÖVP-Insider vor der heutigen Sitzung. Dazu kommt, dass der Chef der "Freien Partei", Karl Schnell, am Sonntag im "Krone"-Interview eine Unterstützung der Regierung angekündigt hat. Fazit: Die "Stronachs" haben sich aus dem Zentrum der Macht katapultiert. Haslauer übernimmt am 3. Jänner 2016 den Vorsitz in der Landeshauptleute-Konferenz, das Jubiläumsjahr "Salzburg 200 Jahre bei Österreich" beginnt. Bis dahin soll alles geklärt sein.

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