Mi, 22. November 2017

Lineal wie Skalpell

12.12.2015 10:20

Bei Rangelei Fingerglied abgetrennt - gerettet

Es begann als nicht unübliche Rangelei zweier Zwölfjähriger in der Schule - und endete äußerst blutig. Als sich die beiden Buben vor zehn Tagen im bayrischen Berchtesgaden um ein Lineal stritten, wurde Aaron dabei das letzte Glied seines linken Zeigefingers regelrecht abgehackt. In einer vierstündigen Operation konnte dem Schüler der Finger wieder angenäht werden. Sogar Blutegel halfen bei der Wiederherstellung.

Balgereien in Schulpausen oder Freizeit sind quasi normal. Auch in diesem Fall war es keineswegs bösartig, als sich die beiden Schüler der 7. Schulstufe einen Kampf um ein Lineal lieferten. Das überaus schmerzhafte und schockierende Ergebnis der Rangelei kam dadurch zustande, dass es keine normale schulische Zeichenhilfe, sondern ein Speziallineal mit scharf gezacktem Ende war. "Damit kann man", so die Sprecherin der Salzburger Landeskliniken, Mick Weinberger, "zum Beispiel Paketschnüre durchtrennen."

Glück im Unglück: Die Rettungskette klappte bestmöglich, schon in der Schule wurde geistesgegenwärtig reagiert. Das abgetrennte Fingerglied kam in einem gekühlten Nylonsack gleich mit dem Patienten mit. Dann begannen Wiederherstellungschirurg Heinrich Schubert und Kinderchirurg Armin-Johannes Michel ihr vierstündiges Werk, die Operation glückte, der Finger ist wieder komplettiert.

Zur Gesundung trug auch das engagierte Pflegeteam der Kinderchirurgie bei - sowie Blutegel, die auf der Fingerkuppe platziert die Durchblutung anregen und somit den Effekt entsprechender Medikamente für den Blutfluss verstärken.

Metallstift fixiert Fingerglied
"Unser Problem war, dass es nur eine Arterie gab, normalerweise sind es zwei. Bei einem Erwachsenen würden wir so einen Eingriff wahrscheinlich gar nicht durchführen, das wäre zu kompliziert", erklärten die Ärzte. Vorerst ist das replantierte Fingerteil mit einem Metallstift zusätzlich fixiert, der in den nächsten Wochen aber wieder entfernt wird.

Der junge Patient, der am Freitag - genau zehn Tage nach dem Unglück in der Mittelschule - wieder nach Hause durfte, ist seinem Kontrahenten überhaupt nicht böse. "Andreas ist mein bester Kumpel, das war einfach ein blöder Zufall. Mich hat das Ding eher an einen Brieföffner erinnert", so Aaron, der nach dem Verlust eines Fingerglieds "gar keine so argen Schmerzen" verspürt hat.

Auch die Mutter des Buben, die am Unfalltag von der Schule sofort verständigt wurde und entsprechend schnell zu ihrem Sohn ins Spital nach Salzburg eilte, war erleichtert: "Das ist wie ein Weihnachtsgeschenk, dass das mit Aaron doch so gut ausgegangen ist."

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