Mo, 11. Dezember 2017

Vor großen Aufgaben

09.12.2015 08:11

ORF-Boss Wrabetz bewirbt sich um dritte Amtszeit

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wird sich bei der Wahl der neuen ORF-Geschäftsführung im Sommer 2016 für eine dritte Amtszeit als Chef des öffentlich-rechtlichen Senders bewerben. Dies erklärte der 55-Jährige in Interviews mit der APA und dem deutschen "Handelsblatt". "Ich habe den Stiftungsrat informiert, dass ich eine weitere Geschäftsführungsperiode von 2017 bis 2022 anstrebe", so Wrabetz.

"Ich glaube, dass es sinnvoll ist, meine Bereitschaft und mein Interesse ein Jahr vor Ablauf der aktuellen Periode zu zeigen. Der ORF ist gut aufgestellt, aber der Sender steht auch in den nächsten Jahren vor großen Aufgaben. Die europäischen Gesellschaften und auch die österreichische stehen vor großen Herausforderungen punkto Flüchtlingsbewegungen, Integration und sozialer Zusammenhalt. In all diesen Fragen spielt der öffentliche-rechtliche Rundfunk in ganz Europa eine große Rolle", sagte Wrabetz.

"Für den ORF heißt das, dass wir im Bereich der Information jene umfassend informieren, die sich für Information interessieren, aber auch jene erreichen müssen, die sich nicht so sehr für Information interessieren, damit diese sich nicht in Informations-Paralleluniversen verlieren." Dazu sei es laut Wrabetz notwendig, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch im digitalen, nonlinearen Bereich entwickeln kann. Der ORF-Chef zitierte in diesem Zusammenhang BBC-Boss Tony Hall: "Aufgabe ist es, beide Pferde zu reiten - die Stärke im linearen Bereich in Fernsehen und Radio zu halten und zugleich im nonlinearen Bereich entsprechende massenwirksame Qualitätsangebote zu machen. Dafür brauchen wir entsprechende Rahmenbedingungen."

Als zentrale Punkte nannte der ORF-Chef im APA-Gespräch dabei die Weiterentwicklung des Gebührensystems, Aktivitäten im mobilen Bereich sowie Möglichkeiten, um auf neue digitale Entwicklungen besser und schneller reagieren zu können. Die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens müsse auf mittlere Sicht aufrechterhalten bleiben. Und um auf neuen Plattformen präsent sein zu können, brauche es in der nächsten Geschäftsführungsperiode die Umsetzung des Standortprojekts und der neuen Arbeitsweise, insbesondere in einem trimedialen Newsroom.

Wrabetz hofft bei Wahl auf eine "breite Mehrheit"
Auf die Frage, ob er weiter den Rückhalt der SPÖ habe und mit einer Mehrheit für seine Wiederwahl rechnet, meinte Wrabetz: "Dazu sage ich jetzt nichts, aber ich habe den Rückhalt. Ich hoffe natürlich auf eine breite Mehrheit, und eine breite Mehrheit fängt bei 20-plus an." Dass Wrabetz seine Bewerbung schon zu diesem frühen Zeitpunkt bekannt gibt, habe nichts mit möglichen Gegenkandidaten zu tun, sondern vielmehr mit dem Umstand, dass zuletzt von Medien immer öfter die Frage nach seiner möglichen Wiederbewerbung geäußert wurde. Auf Aussagen über etwaige Gegenkandidaten wollte sich der ORF-Chef nicht einlassen.

Wegen der knappen Mehrheiten im ORF-Stiftungsrat wurde zuletzt etwa über ein mögliches Antreten des von der ÖVP forcierten ORF-Finanzdirektors Richard Grasl spekuliert. Ob er mit einem Antreten Grasls rechne, oder ob es stimme, dass ihm der Finanzchef versichert habe, nicht gegen ihn anzutreten? Wrabetz: "Dazu sage ich nichts, aber ich hoffe, dass wir auch die nächsten Monate vertrauensvoll im Team der Geschäftsführung weiterarbeiten können."

Hätte Zechner, Grasl, Götzhaber gerne weiter im Team
Vorstellungen zum Direktorenteam hat der ORF-General bereits: "Kathrin Zechner, Richard Grasl und Michael Götzhaber haben eine gute Arbeit gemacht, und wenn sie zur Verfügung stehen, würde ich sie weiter gerne im Team haben", sagte Wrabetz. Zechner als Programmdirektorin, Grasl als Finanzdirektor und Götzhaber als Technischer Direktor.

Sollte Wrabetz im August neuerlich bestellt werden, wäre er der erste ORF-Generaldirektor, der drei Geschäftsführungsperioden unmittelbar hintereinander schafft. Dem legendären Gerd Bacher, der es insgesamt auf fünf Amtsperioden brachte, gelangen zwei hintereinander. Wrabetz ist der siebente Generaldirektor seit der Rundfunkreform Mitte der 1960er-Jahre.

Wahl des ORF-Generals findet im August 2016 statt
Die Wahl des ORF-Generaldirektors findet am 9. August 2016 statt, die Wahl der Direktoren und Landesdirektoren am 15. September. Vorgenommen werden die Bestellungen durch das oberste ORF-Gremium, den 35-köpfigen Stiftungsrat. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Die Mitglieder des ORF-Stiftungsrats werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind - abgesehen von wenigen Ausnahmen - in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert.

Die SPÖ kann derzeit auf 13 Vertreter zählen, dazu kommt der ursprünglich von BZÖ/FPK bestellte und von der SPÖ-geführten Landesregierung verlängerte Kärntner Stiftungsrat. Der ÖVP-"Freundeskreis" umfasst 14 Mitglieder. FPÖ, Grüne, NEOS und Team Stronach haben je einen Stiftungsrat. Drei Unabhängige komplettieren das Gremium.

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