So, 19. November 2017

Nach Pleitenserie

05.12.2015 09:09

Onlinegeschäft sorgt für Strukturwandel im Handel

Durch die jüngsten Firmenpleiten wie Zielpunkt oder Schirnhofer müssen zahlreiche Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz zittern. Vor allem der boomende Onlinehandel gefährdet immer stärker die Jobs in stationären Geschäften. "Es gibt einen großen Strukturwandel im Handel", sagt Wolfgang Katzian, der Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten. Um Jobs längerfristig zu sichern, werden Rufe nach veränderten Arbeitszeiten laut.

Arbeitsplätze im Handel können künftig eine wackelige Sache sein, das wissen viele betroffene Mitarbeiter der Pleitfirmen der vergangenen Jahre in dieser Branche. Insolvenzen österreichischer Handelsketten, wie Dayli, DiTech und jetzt Zielpunkt und Schirnhofer kosten viele Jobs, ebenso Notverkäufe à la Baumax.

Arbeitslosenzahlen im Handel stark gestiegen
Insgesamt werken rund 550.000 Mitarbeiter im heimischen Einzel- und Großhandel, davon sind 230.000 Kassierer. Bei 80 Prozent der Beschäftigten handelt es sich um Frauen, davon wiederum 80 Prozent in Teilzeit. Die Zahl der Handelsangestellten hat zwar seit 2008 leicht zugenommen, weil es auch viele expansive Ketten gibt, die Zahl der Arbeitslosen in der Branche ist aber bis 2014 um gut 43 Prozent gestiegen. Der aktuelle Wert per November liegt bei fast 60.000.

Die Pleite des langjährigen Problemfalls Zielpunkt (früher Löwa, Plus) kostet nun wieder mehr als 2700 Mitarbeiter den Job. Dazu kommt die Insolvenz der Wurstfirma Schirnhofer, die rund 70 von insgesamt 269 Beschäftigten zur Kündigung anmeldete. Dass nun auch die kleine Modekette Texhages pleiteging, fällt kaum mehr ins Gewicht.

Online-Geschäft boomt
"Es gibt einen großen Strukturwandel im Handel", sagt Gewerkschaftler Wolfgang Katzian. Bekannterweise erobert das Internet immer stärker die Einkäufer und frisst somit Arbeitsplätze in den Geschäften weg. Marktleader Otto-Versand/Unito z.B. freut sich wie viele andere Anbieter über Mega-Zuwächse bei den Online-Verkäufen.

Grafik: Zunahme arbeitsloser Personen im Handel

"Wir steuern auf ein gemischtes System zu, wo sowohl die Geschäfte als auch das Internet als Bestellmöglichkeit ihren Platz haben. Aber es gibt noch weitere Änderungen im Handel, z.B. neue Kassensysteme, wo man per Handy bezahlen kann. All das kostet natürlich auch Arbeitsplätze."

Vier-Tage-Arbeitswoche als Lösung?
Was kann man da tun? "Meine Idee wäre, die Arbeitszeit anders zu verteilen bzw. zu verkürzen, etwa auf eine Vier-Tage-Woche. Aber das ist noch ein sehr langfristiges Projekt," so Katzian. Denn Gehaltseinbußen werden für die Angestellten in der Lebensmittelbranche wohl nur schwer verkraftbar sein, vor allem für die vielen Frauen in Teilzeit. Nicht immer ist deren Arbeitszeit frei wählbar, ständige flexible Verfügbarkeit gehört bei manchen Handelsunternehmen zum Anforderungsprofil.

Neue Jobs sind schwer zu finden, wenn man nicht frei zu jeder Zeit arbeiten kann. Viele Damen wählen Teilzeit, weil sie Alleinerzieherinnen sind, müssen sich aber mit einem sehr niedrigen Gehalt zufriedengeben. Die aktuell geforderten 1700 Euro Mindestgehalt scheinen derzeit Zukunftsmusik.

Lange Wartezeiten bei Jobsuche
Hoffnungsschimmer am Horizont: Die meisten Beschäftigten im Handel finden, allerdings oft erst nach längerer Wartezeit, wieder einen Job. So sind laut AMS 90 Prozent der ehemaligen Dayli-Mitarbeiterinnen wieder im Handel untergekommen. Auch Damen und Herren von Zielpunkt haben Chancen auf einen neuen Job, müssen sich aber wahrscheinlich oft mit neuen Produktgruppen, wie Schuhen oder anderem, befassen. Denn im Lebensmittelhandel waren mit Ende Oktober gerade einmal 129 Stellen frei. Bis Mitte Jänner sind sie jedenfalls noch im Beschäftigungsverhältnis. Die Lehrlinge werden von Mitbewerbern übernommen.

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