Mo, 23. Oktober 2017

Weniger Lohnsteuer

04.12.2015 15:55

Steuerreform entschädigt nur für kalte Progression

Die Einnahmen des Staates aus der Lohnsteuer - aktuell mehr als 27 Milliarden Euro im Jahr - steigen viel stärker als unsere Bruttobezüge. Mit der Entlastung von fünf Milliarden Euro durch die Steuerreform 2016 wird nur die kalte Progression für vier Jahre kompensiert, die ungefähr 5,5 Milliarden Euro gekostet hat.

Mit jeder Lohnerhöhung steigt der Anteil am Einkommen, der an den Fiskus abgeliefert wird. Dadurch verliert man real an Kaufkraft, der Effekt nennt sich kalte Progression. Um das auszugleichen, müsste man entweder alle paar Jahre eine Steuerreform machen oder die Steuerstufen mit der Inflation anpassen.

Letzteres würde den Finanzminister jährlich "ein bis zwei Milliarden Euro" an Einnahmenentfall kosten, rechnet der Chef der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, vor. Über vier Jahre gerechnet (am Beispiel 2010 bis 2013) kumulierte sich der Effekt aus der kalten Progression auf 5,5 Milliarden Euro. Die Lohnsteuereinnahmen stiegen in diesem Zeitraum um vier bis sieben Prozent im Jahr, die Bruttobezüge aber nur um zwei bis vier Prozent.

Noch ein paar Fakten: 2,5 Millionen Österreicher zahlen keine Steuern, da ihr Einkommen zu niedrig ist. 51 Prozent der Frauen, aber nur 31 Prozent der Männer haben ein Jahresbrutto von weniger als 20.000 Euro. Bis zu einem Jahreslohn von rund 33.000 Euro brutto ist die Belastung durch Sozialversicherungsbeiträge höher als durch die Lohnsteuer.

Nur 358 Einkommensmillionäre zahlen mehr
Durch die Steuerreform werden die Nettoeinkommen querbeet steigen - und zwar sowohl im niedrigen als auch im oberen Bereich. Im untersten Bereich profitieren bis zu 2,5 Millionen Menschen von der höheren Negativsteuer (mit durchschnittlich 67 Euro pro Kopf und Jahr), darüber steigt die Entlastung auf bis zu 2449 Euro jährlich an (siehe Grafiken). Mehr zahlen müssen nur 358 Einkommensmillionäre - und zwar 38.369 Euro jährlich.

Die Steuerreform 2016 wird einen deutlichen Lohnsteuer-Rückgang um 2,2 Milliarden Euro auslösen: von für heuer erwarteten 27 auf 24,8 Milliarden Euro. In den kommenden Jahren werden die Einnahmen aber rasch wieder ansteigen. Für 2018 erwartet das Finanzministerium bereits wieder 27,4 Milliarden, für 2019 sogar 29,2 Milliarden Euro.

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