Fr, 25. Mai 2018

Erstaunliche Fakten

30.11.2015 10:53

Rächer, Verbrecher, Aktivisten: Wer ist Anonymous?

Seit es der Terrororganisation IS nach den Anschlägen von Paris den Krieg erklärt und erste Erfolge vermeldet hat, ist das Hacker-Kollektiv Anonymous in aller Munde. Manche sehen in ihm den Stachel im Fleisch der Dschihadisten, der ihre Propaganda im Netz wirksamer unterbindet als Geheimdienste oder Staaten. Andere halten Anonymous für einen Haufen Verbrecher. Doch wer sind die Hacker wirklich? Hier einige Infos zu Anonymous, die Sie möglicherweise noch nicht kannten.

Anonymous spaltet die Gemüter. Dieser Tage sehen viele in den Hackern Helden, die den Terroristen des IS im Netz empfindliche Niederlagen zufügen und ihre menschenverachtende Propaganda in die Schranken weisen. Für andere ist Anonymous ein Haufen Chaoten, die mit Angriffen auf Politiker und staatliche Institutionen Unruhe stiften. Das IT-Portal "Chip" hat nun einige interessante Fakten zu Anonymous zusammengetragen, die dabei helfen, sich ein Bild von der Organisation zu machen.

Ihr Maskottchen war ein britischer Terrorist
Das Hacker-Kollektiv Anonymous hat ein zentrales Symbol: Die Guy-Fawkes-Maske, die spätestens seit dem Actionstreifen "V wie Vendetta" Teil der Populärkultur ist. Was die wenigsten wissen: Guy Fawkes gab es wirklich. Er war Terrorist und wurde 1605 in London wegen der Planung eines Bombenattentats auf das britische Parlament zum Tode verurteilt.

Die Genugtuung, das Urteil auch vollstrecken zu können, gönnte er seinen Verfolgern nicht. Fawkes beging - bereits den Strang um den Hals - Selbstmord, indem er vom Podest des Galgen sprang und sich das Genick brach, bevor man ihn hängen konnte. Interessantes Detail: Die Rechte an der Guy-Fawkes-Maske hält der Filmriese Warner Bros. Er verdient an jeder verkauften Maske mit.

Ihr erster Feind war die Sekte Scientology
Erstmals trat Anonymous im Jahr 2008 öffentlich in Erscheinung, damals mit Aktionen gegen die Sekte Scientology. Anonymous hatte ein peinliches Video eines ranghohen Scientology-Mitglieds mit dem bekannten Namen Tom Cruise erbeutet und veröffentlicht, woraufhin die Sekte versuchte, die Hacker dazu zu zwingen, das Video nicht mehr zu zeigen.

Mit dieser Forderung goss Scientology erst recht Öl ins Feuer, Anonymous startete zahlreiche Cyberangriffe auf die Sekte und veröffentlichte interne Informationen. Interessant: Auch in Österreich ist Scientology bereits ins Visier von Anonymous geraten, zuletzt Mitte 2012, als die Anonymous-Zweigstelle AnonAustria Scientology-Interna veröffentlichte.

Niemand ist für Anonymous zuständig
Juristisch gegen Anonymous vorzugehen, ist schwierig. Der Grund: Die Organisation ist eigentlich gar keine, sondern ein loser Zusammenschluss von Internetnutzern, die eine bestimmte Ideologie teilen. Es gibt keinen Anonymous-Chef, es gibt keinen Anonymous-Hauptsitz und es gibt keine offiziellen Vertreter. Die Koordination erfolgt über einschlägige Websites und Foren.

Tatsächlich kann im Grunde jeder unter dem Namen Anonymous agieren, weshalb in der Vergangenheit auch immer wieder Einzeltäter unter dem Deckmantel des Anonymous-Kollektivs Cyberangriffe verübt haben, die eigentlich in keinem echten Zusammenhang mit Anonymous stehen sollen.

Anonymous mag keine Kinderpornos
Teil der Ideologie, für die Anonymous steht, ist das Eintreten gegen menschenverachtende Taten und Ideologien. Das zeigte sich bereits lang vor der Reaktion der Hacker auf die IS-Anschläge in Frankreich. Immer wieder sorgt Anonymous mit sogenannten Operationen für Aufsehen, die bestimmte Gruppen ins Visier nehmen.

So startete Anonymous etwa 2011 die "Operation Darknet", bei der die Hacker Pädophile jagten und insgesamt mehr als 40 Internetseiten mit pädophilen Inhalten lahmlegten. Bei der "Operation Zeta" gingen Anonymous-Hacker gegen ein mexikanisches Drogenkartell vor, bei der "Operation Payback" legten sie 2010 die Websites großer Banken lahm, nachdem diese Konten der Enthüllungsplattform WikiLeaks gesperrt hatten.

Anonymous-Hacker im Visier des FBI
Anonymous nahm in den vergangenen Jahren nicht nur Kriminelle ins Visier, sondern immer wieder auch große Konzerne, Politiker und Regierungen. Kein Wunder, dass die Aktionen mit der Zeit auch die Behörden auf Anonymous aufmerksam machten.

2012 startete die US-Bundespolizei FBI eine Ermittlungsoffensive gegen Anonymous, angeblich gelang es ihr sogar, einen Spitzel ins Herz der Hackergruppe zu schleusen. In der Folge kam es zu zahlreichen Verhaftungen - nicht nur von angeblich zu Anonymous gehörenden Hackern, sondern auch von Angehörigen der Splittergruppe LulzSec.

Millionen Nutzerdaten bei Sony geklaut
Dass Anonymous ins Visier der Ermittler geriet, verdankt das Hacker-Kollektiv vor allem einer Aktion im Jahr 2011. Damals ging Anonymous gegen Sony vor, nachdem sich der Konzern seinerseits zwei Hacker vorgeknöpft hatte, die das Kopierschutzsystem der PlayStation 3 geknackt haben sollen. Anonymous hackte Sonys PlayStation Network und erbeutete die Nutzerdaten von 77 Millionen Nutzern.

Auch andere Organisationen, die die Hackergruppe auf verschiedene Arten verärgerten, gerieten im Laufe der Jahre ins Visier von Anonymous. Etwa die deutsche Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen, die 2011 nach einer Aktion gegen das Streaming-Portal kino.to gehackt wurde.

Politische Aktionen bei AnonAustria
Eine ganz eigene Geschichte hat der österreichische Anonymous-Ableger AnonAustria. Die Organisation trat erstmals vor rund vier Jahren öffentlich in Erscheinung und machte sich seither vor allem mit Angriffen auf Politiker, staatliche Organisationen und rechtes Gedankengut einen Namen. Bei Demonstrationen gegen staatliche Überwachung im Netz - etwa die Vorratsdatenspeicherung - bildete AnonAustria die Speerspitze.

Die österreichischen Anonymous-Aktivisten erbeuteten bei ihren Aktionen massenhaft persönliche Daten und Nutzerinformationen der ORF-Gebührenorganisation GIS, der Grünen Partei, der Tiroler Gebietskrankenkasse und der Polizei. Sie veröffentlichten Scientology-Infos und sollen sogar persönliche Daten von österreichischen Ministern - etwa Kreditkartennummern - erbeutet haben. Die letzte große Aktion der AnonAustria-Hacker war ein Angriff auf die Website der deutschen Partei AfD im Herbst des Vorjahres.

Aus dem Archiv: Das Video, mit dem Anonymous dem IS den Krieg erklärt

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