Do, 24. Mai 2018

Am 9. 12. geht's los

30.11.2015 07:03

Startschuss für die elektronische Gesundheitsakte

Jetzt wird es also ernst: In wenigen Tagen, genau am 9. Dezember, startet bei uns die elektronische Gesundheitsakte ELGA. Damit sollen sich Informationsfluss und Qualität der Patienten-Behandlung verbessern, unnötige Doppelbefundungen reduziert werden. Doch es gibt nach wie vor auch scharfe Kritiker an der Neuerung.

Jahrelang war darum gerungen, teils heftig gestritten worden, doch jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht: Noch vor Weihnachten startet das neue elektronische Krankenblatt, das vor allem Patienten, aber auch Gesundheitseinrichtungen Erleichterungen bringen soll. Während es viele positive Stimmen, vornehmlich aus der Politik, gibt, steht die Ärztekammer dem Projekt nach wie vor kritisch gegenüber.

Daten und Fakten
Wie auch immer, die "Krone" hat bei Bernadette Matiz vom Gesundheitsfonds, dem "Motor" hinter der Innovation, wichtige Daten und Fakten eingeholt.

  • Was ist ELGA?

Eine elektronische Vernetzung von Gesundheitsdaten (zunächst Labor- und Radiologiebefunde sowie Entlassungsbriefe). Zugang haben neben den Patienten Ärzte, Apotheken, Spitäler und Pflegeeinrichtungen.

  • Was ist das Ziel?

Die Idee dahinter ist, den Erkrankten den Zugriff auf ihre eigenen Gesundheitsdaten zu ermöglichen, damit im Fall einer Behandlung die notwendigen Informationen sofort abrufbar sind. Denn besonders ältere Patienten und Menschen mit Demenz hatten bis dato oft keinen Überblick über Diagnosen, Medikamente, Impfungen oder Operationen.

  • Was sind die Vorteile?

Keiner muss in Zukunft seinen Befunden usw. "nachlaufen", sondern bekommt diese auf Knopfdruck - der Erkrankte genauso wie sein Arzt, der Therapeut oder das Spital.

  • Wo liegen die Gefahren?

Die Datenschützer warnen, dass ein Missbrauch mit diesen sensiblen Informationen nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Die Verantwortlichen betonen aber, dass ohnehin alles verschlüsselt sei.

  • Was ist mit der Medikamentengabe?

Erst im zweiten Quartal 2016 wird die e-Medikationsliste in ELGA zu finden sein - sowohl Doktoren als auch Apotheker sind dann verpflichtet, alle "Pulverln" aufzulisten. In Einzelfällen kann diese Eintragung vom Patienten abgelehnt werden.

  • Welche Rolle spielt dann noch die e-Card?

Sie ist der Schlüssel, die Voraussetzung für den Zugriff auf das neue System.

  • Kann ich mich davon auch abmelden?

Natürlich, und zwar über die Widerspruchsstelle per E-Mail unter post@elga-widerspruchstelle.at oder Postfach 180, 1021 Wien.

  • Wann wird ELGA vollständig in Betrieb sein?

Bis 2022 (mit Einbindung der Zahnärzte) soll alles fertig sein.

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler: "ELGA eröffnet neue Möglichkeiten in der Qualität in unserem Gesundheitswesen. Neben der zielgerichteten Unterstützung der Ärzte stärkt ELGA vor allem die Rechte der Patienten, die Diagnose- und Behandlungsverläufe werden transparenter. Ich denke, wir sind gut vorbereitet, und ich freue mich, dass hier die Steiermark eine Vorreiterrolle übernehmen kann. Ich hoffe, dass wir in der Pilotphase alle Befürchtungen zerstreuen können."

Ärztekammer-Präsident Herwig Lindner: "Vorweg: Ein durchdachtes elektronisches Befundsystem begrüßen wir als Ärzte natürlich. Aber: Teilweise wird der Datenschutz in einem sehr persönlichen Bereich durchlöchert. Wenn hier nicht nachgeschärft wird, müssen sich die Patienten wirklich Sorgen machen. Außerdem werden die Ärzte zu ,Aktenwühlern’ und haben weniger Zeit. Und die euphorisch begrüßte e-Medikation ist reines Stückwerk!"

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