Mo, 21. Mai 2018

Extreme Spannungen

27.11.2015 19:20

Jet-Abschuss: Streit Moskau - Ankara eskaliert

Nach dem Abschuss des russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe verschärfen sich die Spannungen zwischen den beiden Ländern weiter. So führt Russland wieder die Visumpflicht für türkische Staatsbürger ein. Die Regelung, wonach Türken ohne Visum einreisen dürfen, werde mit Jahresende abgeschafft, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag. Zudem erlässt Moskau umfangreiche wirtschaftliche Sanktionen gegen die Türkei. Seit dem Vorfall an der syrisch-türkischen Grenze liefern sich der Kreml und Ankara einen offenen Schlagabtausch.

Moskau wies am Freitag einmal mehr die Darstellung der Türkei mit Nachdruck zurück, der russische Kampfflieger sei vor dem Abschuss am Dienstag im türkisch-syrischen Grenzgebiet mehrfach gewarnt worden. Die Su-24-Maschine habe weder eine Warnung von dem türkischen F-16-Jäger noch von einer Bodenstation erhalten, sagte Luftwaffenchef Viktor Bondarjow in Moskau.

Russischer Luftwaffenchef spricht von "Hinterhalt"
Laut Ankara war der russische Kampfbomber am Dienstag in den türkischen Luftraum eingedrungen und mehrfach gewarnt worden, bevor er abgeschossen wurde. Die türkischen Streitkräfte veröffentlichten dazu auch einen aufgezeichneten Funkspruch. Bondarjow hingegen bekräftigte am Freitag den Vorwurf, das türkische Militär habe aus einem "Hinterhalt" heraus gehandelt. Die Auswertung syrischer Flugdaten habe ergeben, dass zwei türkische F-16-Flugzeuge in der Absturzregion eine Stunde und 15 Minuten lang in der Luft waren. "Das spricht für eine geplante Aktion", sagte er der Agentur Interfax.

Er beschuldigte zudem erstmals den Piloten des türkischen F-16-Jets, 40 Sekunden lang etwa zwei Kilometer tief in den syrischen Luftraum eingedrungen zu sein. Das russische Kampfflugzeug hingegen habe diesen nicht verlassen, meinte Bondarjow. Daten westlicher Behörden zufolge soll der russische Jet jedoch zumindest einige Sekunden lang im türkischen Hoheitsgebiet gewesen sein.

Wirtschaftliche Sanktionen sollen die Türkei treffen
Russland schloss nach dem Vorfall eine militärische Reaktion zwar aus, doch will es massive wirtschaftliche Sanktionen gegen die Türkei verhängen. Ministerpräsident Dmitri Medwedew nannte unter anderem das Einfrieren gemeinsamer Investitionsprojekte sowie mögliche Einfuhrzölle. Er ordnete an, dass das Kabinett in den nächsten Tagen eine Liste "breit angelegter Maßnahmen" unter anderem im Tourismus, Handel und Flugverkehr erarbeiten soll. Der "aggressive Akt" der Türkei bleibe nicht ohne Antwort, sagte Medwedew. Zuvor hatte bereits Präsident Wladimir Putin erklärt: "Wir werden solche Verbrechen nicht tolerieren."

Russische Reisebüros annullierten alle Türkei-Fahrten
Außerdem gab Moskau für das bei Russen beliebte Urlaubsland Türkei eine Reisewarnung heraus. "Angesichts der aktuellen terroristischen Bedrohung in der Türkei wiederholen wir unseren Aufruf an die russischen Staatsbürger, davon abzusehen, die Türkei zu besuchen, und rufen diejenigen auf, die sich dort aus persönlichen Gründen aufhalten, nach Hause zurückzukehren", teilte das russische Außenministerium mit. Russische Reisebüros hatten zuvor alle Türkei-Fahrten vorerst bis Jahresende annulliert. Der Türkei entstehe dadurch ein Schaden von zehn Milliarden US-Dollar, hieß es. Auch ein geplantes russisch-türkisches Jahr der Kultur wird laut dem Kreml gestrichen.

Erdogan will Putin "von Angesicht zu Angesicht" sprechen
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag, er hoffe seinen russischen Kollegen Wladimir Putin nächste Woche beim UN-Klimagipfel in Paris zu treffen. Er wolle den Kremlchef in Paris "von Angesicht zu Angesicht" sprechen. Ob es tatsächlich zu einem Treffen kommt, ließ Kremlsprecher Dmitri Peskow offen. Moskau kritisiert, dass sich die Türkei nach wie vor nicht für den Abschuss des Jets entschuldigen will. Erdogan betonte jedenfalls, "keine Spannungen mit Russland" zu wollen und rief alle Beteiligten dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Vorwürfe aus Ankara: "Sie kämpfen nicht gegen den IS"
Zugleich warf er Moskau jedoch erneut vor, in Syrien gegen die gemäßigte Opposition und nicht gegen die Terrormiliz IS vorzugehen. "Sie kämpfen nicht gegen den IS", erklärte er. Vielmehr bombardiere Russland die in der Grenzregion lebende Minderheit der Turkmenen. Diese, auch als Turkomanen bekannt und nicht zu verwechseln mit den Einwohnern Turkmenistans, sind Nachfahren türkischer Volksgruppen und damit ethnisch mit der Türkei verbunden. Ankara versteht sich als Schutzmacht der Turkmenen in Syrien und hat das Vorgehen gegen sie wiederholt kritisiert.

Aus dem Video-Archiv: Türkei schießt russischen Kampfjet ab

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