Sa, 25. November 2017

Im schlimmsten Fall

27.11.2015 13:00

WM-Affäre: DFB droht 25-Millionen-Nachzahlung

Dem Deutschen Fußball-Bund drohen in der WM-Affäre Steuer- und Zinsnachzahlungen von bis zu 25 Millionen Euro. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag unter Berufung auf interne Berechnungen der entsprechenden Behörden. Zu dieser Summe kann es aber nur kommen, wenn dem DFB für das Jahr 2006 nachträglich die Gemeinnützigkeit und die damit verbundenen Steuervorteile entzogen werden.

Der Verband wollte sich am Freitag nicht dazu äußern. Wie die "SZ" weiter berichtet, rechnet man beim DFB nur mit einer Nachzahlung von rund 3,5 Millionen Euro, weil die Steuererklärung für das Jahr 2006 nicht korrekt war.

Die steuerrechtliche Aufarbeitung des WM-Skandals dreht sich um die Rücküberweisung der ominösen Dreyfus-Millionen im Jahr 2005. Der frühere Adidas-Chef hatte zunächst im Auftrag der deutschen WM-Macher einen Betrag von zehn Millionen Schweizer Franken (9,2 Millionen Euro) an den Weltverband FIFA gezahlt. Ein Jahr vor der WM im eigenen Land überwies das Organisationskomitee die inklusive Zinsen umgerechnet 6,7 Millionen Euro dann über ein FIFA-Konto an den Franzosen zurück.

6,7 Millionen falsch deklariert
Diese 6,7 Millionen wurden offiziell in der Abschlussbilanz der WM 2006 verbucht - allerdings falsch deklariert als deutscher Beitrag zu einer WM-Gala, die später nie stattfand. Aus diesem Grund ermittelt die Staatsanwaltschaft seit Wochen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Anfang November wurden bei einer Steuerrazzia nicht nur die DFB-Zentrale, sondern auch die privaten Wohnsitze der früheren OK-Mitglieder Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt durchsucht.

Die Behörden sind sich sicher, dass der Steuerbescheid für das Jahr 2006 anders ausgefallen wäre, wenn der DFB seinerzeit den tatsächlichen Grund für die Überweisung der 6,7 Millionen angegeben hätte. Der DFB sowie die OK-Mitglieder Niersbach, Zwanziger und Schmidt gehen dem Bericht zufolge jedoch davon aus, dass die 6,7 Millionen Euro so oder so steuerlich absetzbare Betriebsausgaben gewesen seien und dass deshalb trotz der falschen Deklarierung auch keine Steuerhinterziehung vorlag.

Nachzahlung in Höhe von 25 Millionen?
Mitentscheidend für die Höhe der Nachzahlung wird am Ende sein, ob die Gemeinnützigkeit des DFB für das Jahr 2006 unangetastet bleibt oder nicht. Interimspräsident Rainer Koch hatte am vergangenen Wochenende auch aus diesem Grund noch einmal eine schonungslose Aufklärung der WM-Affäre gefordert. "Es ist wichtig und gehört zur Ehrlichkeit vor uns selber, darzustellen, wie damals die Vorgänge waren", sagte er in der Sport1-Sendung "Doppelpass". "Über all dem steht die Frage: Was ist mit der Gemeinnützigkeit? Wenn die einmal wegfällt, macht das pro Jahr mal eben 15 Millionen Euro aus."

Auch Bundestrainer Jogi Löw forderte zuletzt, dass die Affäre schnell aufgeklärt werden müsse. Sehen Sie dazu dieses Video:

Sollte es tatsächlich zu einer Nachzahlung von rund 25 Millionen Euro kommen, könnte der DFB laut "Süddeutscher Zeitung" Schadenersatz von seinen früheren Spitzenfunktionären fordern. Zwanziger und Schmidt hatten 2005 die verschleierte Rückzahlung der 6,7 Millionen angeordnet, Niersbach später die falsche Steuererklärung unterschrieben. Dem Bericht zufolge haben alle WM-OK-Mitglieder damals jedoch Vermögensschadens-Haftpflichtversicherungen abgeschlossen, die in diesem Fall greifen könnten.

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