Di, 22. Mai 2018

Klicks oder Strafe

27.11.2015 10:18

Firmen stellen Software-Pirat an YouTube-Pranger

Weil er eine Geldstrafe nicht zahlen konnte, hat sich ein Software-Pirat aus Tschechien auf einen ungewöhnlichen außergerichtlichen Vergleich eingelassen: Er willigte ein, als abschreckendes Beispiel in einem Antipiraterie-Video mitzuwirken, das mindestens 200.000 Mal angesehen werden muss - andernfalls drohe ihm eine Zivilklage, die eine noch höhere Geldstrafe zur Folge haben könnte, berichtete die britische BBC am Donnerstag.

Jakub F. hatte dem Bericht nach wiederholt unter anderem Kopien von Microsofts Windows-Betriebssystem über Filesharing-Plattformen verbreitet und war daraufhin vom Amtsgericht im tschechischen Litomerice zu drei Jahren Haft auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 5,7 Millionen tschechischen Kronen, umgerechnet rund 211.000 Euro, verurteilt worden.

Weil er diese Summe jedoch nicht aufbringen konnte, einigte er sich mit der klagenden Anti-Piraterie-Lobby Business Software Alliance, der neben Microsoft unter anderem auch Apple, Intel, Dell und Adobe angehören, auf einen außergerichtlichen Vergleich: Er müsse in einem Antipiraterie-Video mitwirken, das binnen zwei Monaten nach seiner Veröffentlichung mindestens 200.000 Mal angesehen werde müsse, andernfalls drohe ihm ein Zivilprozess, so die Auflage - und damit möglicherweise eine noch viel höhere Geldstrafe.

Internet solidarisiert sich mit Software-Pirat
Immerhin: Dies dürfte dem 30-Jährige erspart bleiben. Binnen einer Woche wurde der Clip auf YouTube bis zum Freitagvormittag bereits über 400.000 Mal angesehen. Ob der Software-Pirat damit jedoch tatsächlich ein abschreckendes Beispiel gibt, darf bezweifelt werden. Den Kommentaren nach sahen sich das Video viele Internetnutzer aus reiner Solidarität an. So schrieb eine Nutzerin nach Erreichen der 200.000er-Marke etwa: "Wir haben es geschafft! Sei frei wie ein Pirat, mein Held!". Und eine andere: "Mission abgeschlossen. Du musst nicht mehr über die Planke gehen."

In dem Video selbst warnt Jakub F. andere Software-Piraten vor den rechtlichen Konsequenzen. Er selbst, heißt in einer Botschaft zum Video, habe nie geglaubt, dass er etwas Falsches tue und dass er den großen Firmen damit schade. "Ich war überzeugt, dass ich ein zu kleiner Fisch war", so Jakub F. Bis er Besuch von der Polizei bekam.

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