Mi, 13. Dezember 2017

Anschläge in Paris

25.11.2015 16:45

"Wir müssen lernen, mit der Angst zu leben!"

Die Anschläge in Paris und die Terrorwarnungen bereiten vielen Österreichern große Sorgen. Immer mehr gehen etwa mit einem mulmigen Gefühl auf Großveranstaltungen. Die "Krone" sprach mit dem Wiener Sozialpsychiater Johannes Wancata über "kollektive Furcht" und wie man sich davor schützen kann.

"Krone": Die Terrorangst hat unseren Alltag erreicht. Werden sich die Menschen bald nicht mehr auf die Straße trauen?
Johannes Wancata: Im Gegenteil! Die aktuellen Geschehnisse beeinflussen unser Verhalten nur kurzfristig. Danach geht's weiter wie vorher.

"Krone": Wie das?
Wancata: Weil wir dann gelernt haben, mit den neuen Gefahren zu leben.

"Krone": Heißt das, man muss die Angst nur aussitzen?
Wancata: Unser Verhalten nach unerwarteten Ereignissen ist vorhersehbar: Zuerst reagiert der Mensch mit Rückzug bzw. Angriff, dann beschäftigt er sich wieder mit Realitäten, wie dem Essen. Und während dieses Prozesses hat man gelernt, die Herausforderungen anzunehmen, sie zu bekämpfen und letztlich damit zu leben.

"Krone": Wir lernen, damit zu leben, dass jederzeit ein Anschlag passieren könnte?
Wancata: Wir lernen, damit zu leben, dass es hundertprozentige Sicherheit nicht gibt. Wir verdrängen die Möglichkeit, dass etwas passieren könnte.

"Krone": Was wäre ein vergleichbares Beispiel aus der Vergangenheit?
Wancata: Nehmen wir 9/11. Da wollten einige nicht mehr ins Flugzeug steigen. Auch das hat sich gelegt. Gleichzeitig haben wir uns an die verstärkten Kontrollen auf dem Flughafen gewöhnt.

"Krone": Aber ist das wirklich bei jedem so? Bei so manchem könnte die Flugangst auch geblieben sein, oder?
Wancata: Dann hat es diese Person jedoch nicht geschafft, zu verdrängen. Verdrängung ist aber in dieser Hinsicht überlebensnotwendig, ein natürlicher Mechanismus.

Aus dem Archiv: Österreichs Staatsspitze gedachte der Terroropfer

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