Fr, 20. Oktober 2017

Experten warnen:

22.11.2015 09:24

Terrorgefahr in Österreich bleibt bestehen

Die Terrorgefahr in Österreich ist nach Ansicht des Geheimdienstexperten Siegfried Beer und des Islamwissenschafters Rüdiger Lohlker so groß wie vor der Anschlagsserie in Paris vergangene Woche auch schon. "Man hat jederzeit damit rechnen müssen, und man muss jederzeit damit rechnen. Allerdings ist das noch lange kein Grund, in Panik zu verfallen", sagte Lohlker am Samstag.

Auch Beer hält Anschläge in Österreich für möglich. Die Antwort sollte jedoch nicht "Angst und Zuhausebleiben" sein, "sondern Achtsamkeit": "Anzuerkennen, dass man selbst auch für die Sicherheit in einem Land, in einer Stadt, in einem Ort und in einer Nachbarschaft zuständig ist." Oft schon hätten in der Vergangenheit Beobachtungen aufmerksamer Bürger entscheidende Hinweise gegeben - bei der Aufklärung von Verbrechen ebenso wie etwa beim Anschlag auf den Boston-Marathon vor zwei Jahren.

"Ein Risiko, mit dem wir leben müssen"
"Wenn ich die Straße quere, schaue ich hoffentlich auch nach links und nach rechts. Also das ist eigentlich das Normale. Es ist ein Risiko, mit dem wir leben müssen", so Lohlker in dem gemeinsamen Gespräch am Rande einer Tagung des Austrian Center for Intelligence, Propaganda und Security Studies (ACIPSS) in Wien. "Wir haben in Österreich natürlich einen ganz großen Vorteil: Es gibt eine muslimische Community, die auch ein Auge drauf hat - das würde ich auch nicht unterschätzen - und die nicht unbedingt eine Berührungsangst hat mit staatlichen Stellen", sagte der Dschihadismusexperte von der Universität Wien. In anderen europäischen Ländern sehe das durchaus anders aus.

Aus "Abenteuerlust" zum IS
Auf die Frage, welche Möglichkeiten es gebe, dschihadistische Propaganda und Kommunikation im Internet wirksam zu bekämpfen, sagte Lohlker: "Was sicherlich nicht nachhaltig ist, ist das Schließen von Internetpräsenzen auf den verschiedenen Plattformen." Dessen müsse man sich bewusst sein. "Es ist praktisch ein andauernder Wettlauf." Die "Attraktivität" des IS machen aus Sicht des Experten unterschiedliche Faktoren aus: "Das ist erst einmal das klare Identitätsangebot, das aus diesen Ideen gespeist wird." Und: "Leute, die sonst keine Rolle spielen, können dort eine Rolle spielen." Andere würden sich dem IS aus Abenteuerlust anschließen.

"In Paris hat jemand Informationen übersehen"
Auf die Frage, was aus nachrichtendienstlicher Sicht in Paris schiefgegangen sein könnte, soweit sich das schon beurteilen lasse, sagte Beer, die Tatsache, dass es sich bei den Tätern offenbar zum Großteil um "Leute am Radar" gehandelt habe, würde "zunächst einmal den Schluss nahelegen, da ist etwas total schiefgegangen. Dann muss man es aber auch von der anderen Seite anpacken und sich fragen, wie sind die Zahlen in Frankreich oder auch in Belgien von Leuten, die diese Dienste observieren müssen?"

Beer verwies in diesem Zusammenhang auf den hohen Personalaufwand, der für eine "permanente oder sehr intensive Beobachtung" nötig sei. Die Dienste stießen hier an ihre Grenzen. Man müsse "realistische Erwartungen haben", so der Historiker von der Universität Graz. Natürlich passierten aber auch Fehler, worüber man zu einem späteren Zeitpunkt vermutlich mehr wissen werde: "Es wird wahrscheinlich Informationen gegeben haben, die irgendjemand übersehen hat, wo irgendjemand nichts weitergeleitet hat."

Sehen Sie im Video: Auch die Hacker von Anonymous bekämpfen jetzt den IS

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