Mo, 28. Mai 2018

"Ernste Bedrohung"

21.11.2015 13:26

Brüssel: Höchste Terrorwarnstufe, U-Bahn gesperrt

Die belgischen Behörden haben für die Hauptstadtregion Brüssel die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Die Stufe 4 bedeutet eine "ernste und unmittelbare Bedrohung", wie das nationale Krisenzentrum in der Nacht auf Samstag mitteilte. Den Bewohnern der Region wurde geraten, größere Menschenansammlungen wie etwa bei Konzerten oder anderen Veranstaltungen - von denen zahlreiche mittlerweile abgesagt wurden - zu meiden. Selbst der U-Bahn-Verkehr wurde komplett eingestellt.

Die Brüsseler Metro wurde am Samstag komplett geschlossen, nur Busse und ein Teil der Straßenbahnen fahren derzeit. Der Ministerpräsident der Region Brüssel, Rudi Vervoort, verkündete am Nachmittag, die U-Bahn würde noch bis mindestens Sonntag 15 Uhr außer Betrieb sein. Danach soll die Sicherheitslage neu evaluiert werden.

Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen patrouilliert zudem das Militär in den großen Brüsseler Bahnhöfen sowie am Flughafen. Auch vor den Einrichtungen der NATO und der Europäischen Union sind Soldaten aufmarschiert. Der Bahnhof Brüssel-Schuhmann beim EU-Parlament blieb geschlossen. Am Nachmittag schlossen auch alle großen Einkaufszentren der Stadt ihre Tore, dasselbe galt für das flämische Parlament sowie die flämische Universität UVB.

Das nationale Krisenzentrum riet zudem allen Geschäftsleuten der Brüsseler Innenstadt, am Samstagnachmittag die Rollläden herunterzulassen. Der belgische Fernsehsender RTBF berichtete, der Bürgermeister des Viertels Molenbeek, aus dem besonders viele extremistische Islamisten stammen, habe eine militärische Bewachung aller Supermärkte angeordnet.

Premier sieht "ähnliches Risiko wie in Paris"
Der belgische Premier Charles Michel fürchtet für sein Land einen Terroranschlag ähnlich jenem von Paris. Bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats am Samstagvormittag sagte Michel laut "Le Soir", "nach den Informationen gibt es das Risiko eines Attentats, ähnlich wie in Paris".

Die potenziellen Anschlagziele seien Einkaufszentren, der öffentliche Verkehr sowie Großereignisse. "Es würde sich also um die Bedrohung eines Attentats auf verschiedene Plätze durch mehrere Personen handeln", so Michel. Zum Einsatz könnten "Waffen und Sprengstoff" kommen.

"Plätze mit vielen Menschen meiden"
Ein Sprecher des Krisenzentrums sagte im belgischen Radio: "Die Empfehlungen an die Bevölkerung sind sehr einfach: Wir bitten darum, Plätze mit vielen Menschen in der Hauptstadtregion zu meiden, also Konzerte, Großereignisse, Bahnhöfe, Flughäfen und den öffentlichen Personennahverkehr." So blieb das Atomium, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, am Samstag ebenfalls geschlossen, zahlreiche Fußballspiele sowie Großveranstaltungen und Konzerte wurden abgesagt.

In der Hauptstadtregion war zuvor die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen worden. Vorangegangen sei eine "neue Beurteilung" der Lage. In belgischen Medien hielten sich zuletzt hartnäckig Gerüchte, wonach sich einer der Verdächtigen der Terroranschläge in Paris, der weiterhin flüchtige Salah Abdeslam, in Brüssel aufhalten könnte. Im Rest Belgiens gilt den Angaben zufolge weiterhin die Stufe 3, was einer "möglichen und wahrscheinlichen Bedrohung" entspricht.

Verbindungen der Paris-Attentäter nach Brüssel
Die Ermittlungen nach der islamistischen Terrorserie in Paris vor einer Woche hatten Verbindungen der Täter nach Brüssel ergeben. In den vergangenen Tagen gab es mehrere Anti-Terror-Razzien in Belgien, mehrere Verdächtige wurden verhört.

Für zwei Männer wurde der Haftbefehl um einen Monat verlängert, wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Freitag erklärte. Die Behörde teilte am Abend mit, dass im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen ein dritter Verdächtiger in Haft genommen worden sei. Ihm werde Beteiligung an einem Anschlag und einer terroristischen Organisation vorgeworfen. Eine weitere Person sei dagegen auf freien Fuß gekommen.

Drahtzieher bei Razzia getötet
Der mutmaßliche Drahtzieher der Attentate, Abdelhamid Abaaoud, war Belgier mit marokkanischen Wurzeln. Er lebte früher in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Abaaoud kam am Mittwoch bei einem Eingriff französischer Spezialkräfte in Saint-Denis nördlich von Paris ums Leben.

Ein Video der Razzia:

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