Mi, 23. Mai 2018

"Krone"-Ombudsfrau

21.11.2015 17:00

Die Lebenskoppel - eine tierisch gute Therapie

Früher hat sie als klassische Sängerin, Musikmanagerin und Altenpflegerin gearbeitet. Jetzt lebt Patricia Ermes den Traum vom einfachen, aber fröhlichen Leben in der Wiener Lobau. Mit drei Pferden, drei Eseln, 25 Hühnern und einem Hund. Auf der Lebenskoppel können traumatisierte Menschen und Tiere wieder zu sich selbst finden.

Einem Pferd, dem der Abdecker drohte, hat Patricia Ermes vor drei Jahren das Leben gerettet. Ohne zu ahnen, dass sich dadurch auch ihr eigenes Leben verändern würde. Die Mittvierzigerin stand vor der Frage, wohin mit dem Tier. So ist sie in die Lobau gekommen. Dort arbeitet sie jetzt auf 5000 Quadratmetern im Grünen. Engagiert sich für den Tierschutz betreibt nebenbei biologische Landwirtschaft in einer Gemeinschaft. "Ich hatte damals keine Ahnung von Pferden und habe eine tiererfahrene Freundin mit ins Boot geholt", erinnert sie sich. Mittlerweile sind zwei weitere Pferde, drei Esel, 25 Hühner und ein Hund dazugekommen. "Meine beiden Großmütter haben mich schon als Kind zu meinem jetzigen Wirken inspiriert. Die eine war eine naturverbundene Bäuerin, die andere eine einfühlsame Lebenskünstlerin", erzählt die Wienerin weiter.

Mit der Lebenskoppel hat sie ihre Bestimmung gefunden: "Ich habe als Altenpflegerin und in der Psychiatrie gearbeitet. Dabei habe ich mich schon immer für alternative Heilmethoden interessiert und nebenbei mehrere Ausbildungen absolviert." Das kommt nun ihren menschlichen und tierischen Klienten zugute. Menschen aller Altersgruppen und mit verschiedensten Problemen kommen zur Lebenskoppel, um eine Form der Heilung zu finden. In erster Linie sollen die Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Sogar Wachkoma-Patienten und Babys betreut Patricia Ermes. Dabei setzt sie vor allem auf die Wirkung ihrer tierischen Partner. Finanzieren muss sich der gemeinnützige Verein dabei in erster Linie durch Spenden. Sämtliche Einnahmen kommen dem Tierschutz zugute.

800 Kilogramm schwerer Schutzschild
Die Begegnung mit den Tieren und der Natur öffnet die Seele, erzeugt ein Lächeln, man kommt zur Ruhe. Achtsamkeit und Herzensbildung sind der Natur-Therapeutin besonders wichtig: "Die Tiere werden zu nichts gezwungen und dürfen sich frei bewegen. Sie spiegeln feinfühlig Blockaden wider. An ihrer Reaktion lernt man, sich anderen Lebewesen anzunähern. Auf einer Ebene, die viele Menschen verloren haben." Einzelgänger werden auf einmal Teil einer Herde. So manches Erlebnis ist dabei fast magisch. Etwa wenn eines der Pferde aus freien Stücken seinen Kopf auf die Schulter eines Klienten legt. So ein 800 Kilogramm schwerer Schutzschild gibt eine überwältigende Sicherheit. "Ein Mann hat bei uns Hilfe gesucht, weil er mit über 50 schon länger arbeitslos war. Sehr depressiv und mit wenig Hoffnung ist er auf die Lebenskoppel gekommen", schildert Patricia Ermes. Alleine die Anwesenheit der Tiere und das Beobachten ihres Verhaltens hätten dem Mann schließlich die Kraft gegeben, einen neuen Anlauf zu nehmen. Er hat einen neuen Berufsweg eingeschlagen und wieder ins Leben zurück gefunden.

Bauernhoftiere als Balsam für Herz und Seele
Nicht nur Hunde und Pferde, sondern eben auch Esel und Hühner haben wunderbare Talente - sie können Kinderseelen trösten, Mut machen, Lebensfreude wecken, Aggressionen abbauen und Vertrauen schenken. In der "Tiergestützten Intervention mit landwirtschaftlichen Nutztieren" bekommen die Tiere die wichtige Aufgabe, den Menschen zu helfen. Das Österreichische Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung, ÖKL, hat eine Ausbildung mit einem umfassenden Zertifizierungssystem entwickelt. Auch Patricia Ermes ist gerade dabei, diese abzuschließen. Die Betriebe verpflichten sich zu einer fundierten Ausbildung, einer tiergerechten Haltung, sicherheitstechnischen Überprüfungen und einem fachgerechten Tiertraining. 40 ÖKL-zertifizierte Betriebe gibt es derzeit. "Für unsere pädagogisch-therapeutisch ausgebildeten Bäuerinnen und Bauern ist die tiergestützte Arbeit am Hof eine sehr erfüllende Aufgabe. Sie erleben tagtäglich unmittelbar, wie Menschen ihre Ängste verlieren, wie sprachlose Kinder wieder Worte finden und wie jene, die bereits resigniert haben, wieder positive Zukunftsperspektiven entwickeln", freut sich Projektleiterin Silke Scholl.

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