So, 20. Mai 2018

Bei Paris-Razzia

20.11.2015 21:36

Sprengstoffweste doch nicht von Frau gezündet

Wie am Freitag bekannt geworden ist, wurden in der am Mittwoch von der Polizei erstürmten Wohnung der Pariser Terroristen im Vorort Saint-Denis die Leichen von zwei Männern und einer Frau gefunden. Neben den Körpern des mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud (28), und seiner 26 Jahre alten Cousine Hasna Aitboulahcen wurde die Leiche eines noch nicht identifizierten Mannes entdeckt. Dieser Mann hatte sich selbst in die Luft gesprengt. Die Cousine Abaaouds dürfte sich nach neuen Erkenntnissen der Polizei doch nicht in die Luft gesprengt haben.

Nach dem Anti-Terror-Einsatz war zunächst von zwei Toten die Rede gewesen. Am Donnerstag wurde ein schwer verstümmelter Leichnam anhand von Fingerabdrücken als der des 28-jährigen Belgiers Abaaoud identifiziert, der als einer der Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt. Die zweite Leiche war ebenfalls stark verstümmelt.

Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass es sich um eine junge Frau handelte, die sich vermutlich mit einer Sprengstoffweste in die Luft gesprengt hatte. Vermutet wurde, dass es sich um Aitboulahcen handeln könnte. In der Nacht auf Freitag wurde dann jedoch noch eine dritte Leiche in der Wohnung gefunden. Die Leiche einer Frau wurde später als Aitboulahcen identifiziert, die stark verstümmelte Leiche des mutmaßlichen Selbstmordattentäters wurde dagegen einem Mann zugeordnet. Er wurde bisher nicht identifiziert.

Die Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis war bei dem Einsatz durch Explosionen und Schüsse zerstört worden, die Sucharbeiten kommen deshalb nur langsam voran. Acht Menschen wurden bei dem Anti-Terror-Einsatz festgenommen.

Hier ein Video von der Razzia:

Abaaoud war direkt an Anschlägen beteiligt
Weiters wurde am Freitag bekannt, dass Abaaoud am Abend der Attacken in einer U-Bahnstation östlich der französischen Hauptstadt gefilmt worden war. Der Sender BFMTV veröffentlichte am Freitag ein Bild einer Überwachungskamera, das ihn am 13. November um 22.14 Uhr in der Metrostation Croix de Chavaux in Montreuil zeigen soll. Demnach betrat er diese um exakt 22.14 Uhr, also kurz nach den Anschlägen. Unweit der Station der Linie M9 hatten Ermittler einen schwarzen Seat sichergestellt, aus dem heraus die Attentäter die Cafés und Restaurants beschossen hatten. Der Seat war von Brahim Abdeslam gemietet worden, der sich bei den Angriffen selbst in die Luft gesprengt hatte.

Im Auto selbst wurden auf einer Kalaschnikow Abaaouds Fingerabdrücke gefunden, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend berichtete. Damit verdichten sich die Hinweise, dass der 28-jährige Belgier bei der Anschlagsserie einer der Angreifer war. Der französische Premierminister Manuel Valls hatte ihn am Donnerstag nach Bekanntwerden seines Todes als "einen der Drahtzieher" der blutigsten Anschläge der französischen Geschichte bezeichnet.

800 Hausdurchsuchungen in Frankreich
Unterdessen werden in Frankreich die Ermittlungen weiter mit Hochdruck vorangetrieben. Wie Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitag mitteilte, gab es seit den Attentaten insgesamt rund 800 Hausdurchsuchungen. 107 Personen wurden demnach vorläufig festgenommen, 90 von ihnen kamen in Polizeigewahrsam. 164 Menschen seien unter Hausarrest gestellt und 174 Waffen beschlagnahmt worden, hieß es weiter.

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