Sa, 18. November 2017

Wirbel in Linz

19.11.2015 17:43

Markt-“Skandal“ blieb über 10 Jahre unbemerkt

Wenn der Verdacht stimmt und vier Linzer Marktaufsichtsorgane tatsächlich bei der Standplatzvergabe getrickst haben, stellt sich die Frage: Wie konnte das über 10 Jahre lang unbemerkt bleiben? Die Korruptionsstaatsanwaltschaft soll beurteilen, ob ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird – es gilt die Unschuldsvermutung.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Marktamts will etwa gesehen haben, wie ein Kollege öfter "von Beschickern Waren erhalten hat, ohne diese zu bezahlen". Zudem habe der Beschuldigte manchen Marktfahrern zu wenig, anderen zu viel Gebühr für den Standplatz abgerungen. "Darüber kam es öfter zu Auseinandersetzungen mit den Beschickern", so der Ex-Mitarbeiter in seiner Aussage.  "Ich stehe zu meinen Mitarbeitern. Es geht um einzelne Vorfälle, nicht generelle Missstände", betont Marktreferentin Susanne Wegscheider (VP). "Ich hoffe, die Vorwürfe stimmen nicht - ich habe absolut nichts mitbekommen." Kein Wunder: Das Marktamt sei nie kontrolliert worden! Wegscheider: "Beschickern Plätze zuzuteilen, obliegt allein unseren Mitarbeitern. Das ist ihre Aufgabe."

Wie gestern, Donnerstag, berichtet, sollen zwei pensionierte sowie zwei noch aktive Marktaufsichtsorgane  Standplätze günstiger verrechnet, dafür aber Sachleistungen verlangt haben. Auch sollen sie sich für beliebte Plätze bestechen haben lassen. Die aktiven Mitarbeiter wurden  in andere Abteilungen versetzt. Während die Staatsanwaltschaft auf die Sachverhaltsdarstellung wartet, die am Dienstag in Linz abgeschickt wurde.

"Handlungsbedarf in der Verwaltung"
Ernst nimmt die Vorwürfe SP-Stadtchef Klaus Luger: "Allein die Äußerung eines solchen Verdachts zeigt mir, dass Handlungsbedarf in der Verwaltung besteht und wir zeitgemäße Organisationsformen brauchen." Michael Schilchegger, Rechtsanwalt im städtischen Kontrollausschuss, fordert, dass das Kontrollamt unverzüglich die wirtschaftliche Dimension des Skandals erfassen soll. Er kann sich auch eine anonyme Meldestelle vorstellen: "Schließlich müssten Marktfahrer um den Standplatz fürchten, wenn sie sich beschweren."

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