Mo, 21. Mai 2018

"Fassungslos"

19.11.2015 18:30

"Krone" am Ort der Terror-Razzia in Saint-Denis

Nach der Terror-Razzia mit zwei Toten in Saint-Denis ist von Alltag keine Rede. Ein "Krone"-Lokalaugenschein in Frankreich.

Donnerstagmittag, Pariser Norden, am Tag nach jener Polizeiaktion, bei der in der Rue du Corbillon eine Wohnung mit Terrorverdächtigen gestürmt wurde und letztlich zwei Menschen ums Leben kamen. Unter den Toten ist auch der mutmaßliche Terror-Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag bestätigte.

Hier sehen Sie ein Video zur Razzia:

"Jetzt, weil's krachte, seid ihr da"
Überall Polizisten, großräumige Absperrungen, Journalisten aus der ganzen Welt - und vor allem Einheimische, die noch immer fassungslos sind. "Meine Nichte wohnt gleich ums Eck von dem Haus, in dem sich die Verdächtigen verschanzten", erzählt Kamal der "Krone". "Als ich sie frühmorgens einige Zeit nicht erreichen konnte, wurde mir schon ganz anders. Aber sie hatte nur ihr Handy ausgeschaltet. Ihr geht's gut."

Nebenbei ziehen einige Herren an ihrer Zigarette. "Ein Horror", murrt Sabir - und wird plötzlich lauter: "Hier in Saint-Denis war immer alles friedlich. Okay, ein Handy-Diebstahl oder eine Rauferei - aber was jetzt passierte, hat uns das Vertrauen untereinander genommen." Einer, der namentlich nicht genannt werden will, schießt verbal plötzlich scharf: "Ihr Journalisten, die Politiker - ihr seid alle gleich. Jetzt, weil's krachte, seid ihr da." Besagter Sabir hüpft mit Krücken, auf die er nach einer Knieverletzung angewiesen ist, dazwischen. Verärgert sei er - und zwar richtig: Denn Frankreich, dem Land der kulturellen Vielfalt und Offenheit, dürfe dies nicht angetan werden: "Wir brauchen Solidarität und Liebe - nicht Geisteskranke."

Bewohner sensibilisiert: "Bitte keine Bombe"
Die Bewohner hier unweit des Stade de France, einer Gegend, in der die Bevölkerung zu 60 Prozent Migrationshintergrund hat, sind merkbar sensibilisiert. Als einem Gemüsehändler eine größere Kiste herunterfällt, zucken infolge des Krachs einige zusammen. "Bitte keine Bombe", ist zu hören. Auch Jasmin kommt gerade mit ihrem Einkaufstrolley vorbei. "Ich wohne da vorne", zeigt die Dame Richtung der imposanten Kathedrale. "Ich mag Kanzlerin Angela Merkel, aber sie hat mit ihrer Flüchtlingspolitik falsch gehandelt."

Was sie damit in Zusammenhang mit dem Terror in Paris meine? "Ich glaube, dadurch hat sie Europa und uns keinen Gefallen getan." Ansichtssache. Ganz im Gegensatz zum Schock, der Saint-Denis am Donnerstag noch prägte.

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