Di, 21. November 2017

Dopingverdacht

19.11.2015 11:18

ÖSV suspendiert Langläufer Harald Wurm

Österreichs Langlauf-Lager kommt nicht zur Ruhe. Der Dopingfall von Johannes Dürr bei den olympischen Spielen in Sotschi 2014 stürzte die nordischen Wintersportler in eine tiefe Krise. Im September wurden Ermittlungen gegen Harald Wurm öffentlich. Der ÖSV hat ihn nun nach Akteneinsicht suspendiert. Trainer Gerald Heigl stellte sein Amt ruhend.

"Nach erfolgter Akteneinsicht durch den Verband und dem daraus resultierenden Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass Wurm mit einem Dopingverfahren zu rechnen hat", hieß es in der ÖSV-Aussendung. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werde Wurm "vom Verband ausgeschlossen".

Negative Schlagzeilen rund um Österreichs Langläufer sind keine Seltenheit. Vor 13 Jahren schockierte die Blutbeutelaffäre von Salt Lake City. Die Razzien bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin bildeten den negativen Höhepunkt, ehe 2014 mit dem positiven Dopingtest von Johannes Dürr ein neuer Skandal folgte.

Belastendes Material gefunden
Nun wurde gegen Harald Wurm ein Dopingverfahren eingeleitet. Bei der Hausdurchsuchung wurde angeblich belastendes Material gefunden. Gleich nach Bekanntwerden der Vorwürfe vor zwei Monaten habe ihm der ÖSV vom Training freigestellt.

Auch Cheftrainer Gerald Heigl hat sein Amt freiwillig ruhend gestellt. Er habe die Vorwürfe gegenüber dem Verband vehement dementiert und durch seinen Anwalt die Einstellung des Verfahrens beantragt. "Um die Mannschaft und den Verband nicht zu belasten, stellt Heigl aus Eigenem seine Trainiertätigkeit bis zur endgültigen Klärung ruhend", gab der ÖSV bekannt.

Dürr bis Februar 2016 gesperrt
Vor Dürr hatten auch schon Olympiasieger Christian Hoffmann und der Skandal um die Langläufer und Biathleten bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin für einen erheblichen Reputationsschaden gesorgt. Gegen Dürr, der wegen EPO-Dopings bis Februar 2016 gesperrt ist, waren bis zum heurigen Sommer strafrechtliche Ermittlungen wegen Dopingbetrugs gelaufen. Das Verfahren gegen den ehemaligen Teamkollegen von Wurm wurde schließlich im Juli diversionell erledigt, weil der vorher unbescholtene Dürr sich geständig gezeigt und Schadensgutmachung geleistet hatte.

Trotz ruiniertem Ruf bleibt der Nordische Direktor Markus Gandler optimistisch: "Das wirft uns imagemäßig natürlich wieder zurück, aber wir werden das gemeinsam mit unserem Präsidenten lückenlos aufklären."

Wurm bestreitet die Vorwürfe
Harald Wurm bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und sprach von einer "Vorverurteilung" durch den Österreichischen Skiverband (ÖSV). "Auch für mich hat die Unschuldsvermutung zu gelten. Ich weiß noch nichts von einem rechtskräftigen Verfahren gegen mich", betonte Wurm.

"Habe keinen einzigen positiven Test gehabt"
"Mein Name ist prinzipiell verbrannt", erklärte der 31-jährige Tiroler, der seinen Anwalt bereits mit rechtlichen Schritten gegen den ÖSV wegen Rufschädigung beauftragt hat. Die Hausdurchsuchung am 25. August sei auf einen anonymen Hinweis erfolgt und von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) beantragt worden, erklärte Wurm. "Ich verstehe das überhaupt nicht. Ich habe keinen einzigen positiven Test gehabt", sagte der WM- und Olympia-Teilnehmer.

Ob gegen Wurm ein sportrechtliches Verfahren eingeleitet wird, prüft die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) derzeit. Man werde nach der Beurteilung der polizeilichen Ermittlungsakten "zeitnah" entscheiden, ob ein Prüfantrag an die zuständige Anti-Doping Rechtskommission (ÖADR) gestellt wird, teilte die NADA mit. Die Verfahrenseröffnung hänge davon ob, ob durch die Akteneinsicht doping-relevante Tatbestände festgestellt werden, so NADA-Sprecher David Müller.

Über etwaige Sanktionen entscheidet nach der Verfahrensabwicklung die ÖADR. Da von Wurm keine positive Probe vorliegt, ist ein vorläufige Suspendierung nicht unbedingt zu erwarten, aber möglich. Parallel zur NADA ermittelt die Kriminalpolizei gegen Wurm wegen des möglichen Verstoßes gegen das Anti-Doping Bundesgesetz weiter

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