Do, 24. Mai 2018

Expertenrunde warnt

18.11.2015 20:17

Breite Front gegen fatale Folgen von TTIP!

Die Fakten sprechen für sich: US-Fleisch wird intensiv mit der Chemie-Keule behandelt. "Auf den texanischen Farmen bekommen die Kälber sofort nach der Geburt eine Antibiotika-Ganzkörper-Dusche", sprach Spar-Chef Gerhard Drexel die Gefahren an. Später werden den Tieren noch Hormon-Chips eingesetzt. Sollte TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) jemals kommen, wird das Fleisch aus Intensiv-Antibiotika-Einsatz auch unseren Markt überschwemmen.

Große Konzerne auf beiden Seiten des Atlantiks erwarten sich vom Handels-Pakt Vorteile. Der Preis dafür sei aber hoch, warnen Experten. Drexel - auch als Kreuzritter gegen TTIP charakterisiert - warnt vor unumkehrbaren Folgen auf den gesamten Lebensmittelmarkt, vom Bauern bis zum Konsumenten. Und Erzbischof Franz Lackner, als Fürsprecher der menschlich-theologischen Seite am Podium, rief einen guten Vergleich in Erinnerung: "Österreich hat auch zu Zeiten von Ölkrise und Energieknappheit der Atomkraft nicht zugestimmt." Der Zweck heilige nicht immer die Mittel. Im Zweifelsfall empfiehlt auch er, den sicheren Weg zu gehen. Lackner: "Ich bin etwas skeptisch, wenn es um solche Riesenverträge geht." Und er brachte den großen Salzburger Denker Leopold Kohr mit seinem Grundsatz "Small is beautiful" ins Spiel: "Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist es groß."

Die Dimensionen von TTIP sind kaum fassbar: Mehrere Jahre verhandeln USA und EU. Alle Dokumente sind unter Verschluss. Und es geht bei weitem nicht nur um Lebensmittel. Den Mitgliedsstaaten drohen auch rechtliche Folgen. "Konzerne können zum Beispiel strengere Umweltauflagen bei internationalen Schiedsgerichten einklagen", schlägt Leonie Gewesser von Global 2000 Alarm. Es gibt schon millionenschwere Beispiele: Der schwedische Energiekonzern Vattenfall klagte Deutschland wegen des Atomausstiegs, eine französische Firma Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires im Streit um Wasserrechte. Demokratische Strukturen werden aufgelöst. Christian Möller von der Salzburger Wirtschaftskammer versuchte zu beschwichtigen: 52 Freihandelsabkommen mit verschiedensten Ländern würden Salzburger Firmen schon Wettbewerbsvorteile verschaffen. Der US-Pakt sei aber ein Abkommen neuen Stils, konterten die Gegner. Der Gynäkologe und Hormon-Experte DDr. Johannes Huber sorgt sich um die Auswirkungen auf die Gesundheit: "Wenn ein Bauer mit Pestiziden in Kontakt kommt, kann das zu Veränderungen in den Keimdrüsen führen." Und das kann sogar vererbbar sein.

"US-Fleisch wird zu sehr mit Hormonen bearbeitet"
Der Salzburger Brustexperte Prof. Christian Menzel saß im Publikum. Er teilt die Bedenken: "Das Fleisch in den USA wird zu sehr mit Hormonen und Antibiotika bearbeitet." Viel Skepsis bei den Wortmeldungen: Ein steirischer Bauer sprach die Schöpfungsverantwortung an. Ein weiterer Zuhörer erinnerte an ein von den USA verursachtes Bauern-Sterben in Mexiko. Nur ein Konsument wünschte sich günstige US-Steaks auf unserem Markt und fand dafür keine Unterstützer. "Von einem regelmäßigen Konsum rate ich dringend ab", warnte DDr. Huber. Auch die Erde leide unter der Pestizid-Belastung. Metzger Franz Ablinger aus Oberndorf betonte: "Die Struktur, die wir haben, ist sehr gut." Und Bio-Bauer Werner Matieschek aus Hintersee, mit Hut und Gamsbart Fürsprecher regionaler Werte, meinte über Warnsignale: "Wenn etwas extrem billig ist, zahlt immer jemand drauf."

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