Mo, 21. Mai 2018

Atempause

08.11.2015 14:25

Spielfeld: Sammelstelle war erstmals wieder leer

Erstmals seit Beginn der derzeitigen Flüchtlingslage waren die beiden Erstversorgungsstellen in Spielfeld und in Bad Radkersburg am Sonntagmorgen leer. Sämtliche in der Nacht angekommenen Migranten waren zuvor mit Bussen zu ihren Notquartieren in Österreich verbracht worden, wie die Polizei mitteilte. Allerdings handelte es sich um eine kurze Atempause. Denn bereits zu Mittag zählte man in Spielfeld wieder mehrere Hundert Neuankömmlinge. Die relative Ruhe nutzten einige Aktivisten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, um ein Zeichen gegen Grenzzäune zu setzen.

50 dunkel gekleidete Aktivisten formten mit ihren Körpern auf einer gelben Plane liegend die Botschaft "#KEINZAUN" bzw. auf Englisch "#NOFENCE" (siehe Bild unten). Zäune seien keine Lösung, sie würden vielmehr Entfremdung provozieren, sagte Kampagnenleiterin Daniela Pichler. Aus Sicht der NGO ist ein Zaun mit dem Zweck, Flüchtlinge abzuwehren und ihre Asylansuchen zu verhindern, menschenrechtswidrig. Weiters bringe ein Zaun Leid und Elend, wenn er einen Rückstau an der Grenze verursache. "Ein Zaun führt dazu, dass die Rechte von schutzsuchenden Menschen verletzt werden", hieß es in einer Aussendung.

"25.000 Flüchtlinge unterwegs"
In den nächsten Tagen könnte es wieder zu einem drastischen Anstieg der Flüchtlingszahlen kommen, da der Streik der Fährarbeiter in Griechenland in der Zwischenzeit beendet wurde und wieder eine Anbindung zu den griechischen Inseln besteht. Griechische Medien berichteten von rund 25.000 Flüchtlingen, die unterwegs Richtung Europa seien.

Unterdessen hat die SPÖ einen Drei-Punkte-Plan für eine bessere Grenzsicherung präsentiert. Diese Vorschläge könnten auch von der ÖVP akzeptiert werden, die sich am Sonntagvormittag zur Bundesparteileitung trifft.

Diese drei Vorschläge sollen sofort umgesetzt werden:

  1. Errichtung einer neuen Kommandozentrale für die Einsatzkräfte direkt in der Grenzregion. Von dort managen Österreicher, Slowenen und Deutsche gemeinsam die Flüchtlingsaufnahme, die Verteilung auf Quartiere und auch den Weitertransport nach Bayern. Die Kommunikation lief bisher nicht wirklich optimal.
  2. Ein "sinnvolles Leitsystem an der Grenze in Spielfeld" soll die "Sicherheit aller Beteiligten verbessern". Der Vorschlag des Verteidigungsministers - also eine Variante ohne Zaun - sei "empfehlenswert". Mit dem Leitsystem sollen "Gefahrensituationen durch Unübersichtlichkeit und negative Gruppendynamiken verhindert werden".
  3. Aufteilung des großen Flüchtlingsstroms auch auf die Grenzübergänge in Radkersburg und Mureck. Im Konzept steht dazu: "Damit wird bereits im Vorfeld eine Überfüllung von Spielfeld verhindert."

430.000 Flüchtlinge mit Bussen durch Österreich befördert
In Österreich wurden seit Anfang September etwa 430.000 Flüchtlinge mit Bussen von den Sammelstellen an den Grenzen weiterbefördert. Mehr als 100.000 davon wurden mit Bundesheerbussen transportiert, teilte des Verteidigungsminiserium am Sonntag mit. Zurzeit sind rund 110 Busfahrer des Bundesheeres für den Transport der Flüchtlinge eingesetzt. Sie sind entweder für lange Fahrten wie etwa von Spielfeld nach Innsbruck im Einsatz, oder fahren bis zu zehn kurze Pendelfahrten am Tag, beispielsweise von der Grenze zum Hauptbahnhof nach Graz. Insgesamt verfügt das Bundesheer über 29 Großraumbusse, die knapp ein Viertel der gesamten Buskapazität im Rahmen der Unterstützungsleistung für das Innenministerium stellen. Die zivilen Unternehmen transportieren die Flüchtlinge zurzeit mit etwa 110 Bussen.

Zwei Buslenker haben sich unterdessen der "Krone" anvertraut und erzählt, warum aus ihrer Sicht die Asyl-Fahrten gefährlich seien. Neben Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen in den einzelnen Bussen beklagen die Chauffeure, die ihre Namen nicht nennen wollen, einen Erlass des Innenministeriums, der die Ruhezeiten der Asyl-Chauffeure außer Kraft setze.

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