Sa, 26. Mai 2018

"New York Times":

04.11.2015 10:47

"Flüchtlingskrise? Das ist erst der Anfang!"

Vom Flüchtlingsstrom aus dem Nahen Osten nach Europa haben wohl die meisten US-Amerikaner bis dato nicht viel mitbekommen. Jetzt allerdings machte die renommierte "New York Times" die "größte Flüchtlingsbewegung seit Aufzeichnung der Geschichte" zum Thema. Rund 60 Millionen Menschen seien aus ihrer Heimat vertrieben worden. Sie alle seien auf der Suche nach einem neuen Leben und "die Vorboten einer neuen Ära", so das Blatt.

Die Flüchtlinge würden in Massen marschieren, wie sie die Welt zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt habe - und ein Ende sei noch nicht abzusehen, so die Analyse der "New York Times". "Das ist erst der Anfang!", heißt es in der Zeitung. Und eines hätten die zahllosen Migranten gemeinsam: Sie seien "Botschafter von gescheiterten Staaten, nicht endenden Kriegen und unüberbrückbaren Konflikten".

Doch das Problem könne noch größer werden, wenn das brutale Treiben der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien, wo bereits acht Millionen Menschen obdachlos wurden, und im Irak weitergehe wie bisher. Vier Millionen Syrer sind wegen der Gräueltaten der Dschihadisten bereits in den Libanon, nach Jordanien oder in die Türkei geflüchtet, um sich von dort aus auf den Weg nach Europa zu machen.

Afghanistan, Eritrea etc.: Dramatische Flüchtlingszahlen
Uralte ethnische Minderheiten wie die Jesiden sind bereits aus dem Irak vertrieben worden, ebenso andere kleine christliche Gruppen. Und auch die fünf Millionen ägyptischen Kopten - die letzte große christliche Gemeinschaft in der Region - fühlten sich laut der Zeitung nicht mehr sicher vor dem IS und blickten daher Richtung Europa. Und wegen der Taliban habe bereits ein Viertel der rund 32 Millionen Afghanen angekündigt, das Land verlassen zu wollen.

Geht es nach einer Gallup-Umfrage, für die Menschen in 151 Nationen befragt wurden, dann würden alleine 40 Prozent der 160 Millionen Nigerianer ihr Land verlassen, falls sie die Möglichkeit dazu hätten. Schon jetzt sei das etwa 25 Millionen Einwohner zählende Eritrea die größte Quelle afrikanischer Flüchtlinge, so das Blatt. Zudem könne es durch den Klimawandel zu Dürren oder anderen Naturkatastrophen kommen, die weite Teile des afrikanischen Kontinents oder im Nahen Osten unbewohnbar machen könnten. Eine "Völkerwanderung" Richtung Norden wäre dann die Folge.

"Nicht nur Problem für Europa, sondern für die ganze Welt"
Weil derzeit nichts darauf hindeute, dass sich die Situation in den beschriebenen Krisenherden in naher Zukunft verbessert, sei das erst der Anfang der Krise, so die Analyse in der "New York Times". Der globale Norden müsse sich darauf vorbereiten, dass sich der globale Süden auf den Weg gemacht habe. "Das ist nicht nur ein Problem für Europa, sondern für die ganze Welt", so die Conclusio der Zeitung.

Frontex-Chef: "Irreguläre Zuwanderer notfalls inhaftieren"
Indes erwartet auch der Chef der EU-Grenzschutzagentur Frontex einen weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen in der Europäischen Union. Seine Agentur habe in diesem Jahr schon "mehr als 800.000 irreguläre Grenzübertritte" an den EU-Grenzen registriert, sagte Fabrice Leggeri der "Bild-Zeitung". Aber noch immer machten sich viele Menschen aus Krisenregionen Richtung EU auf den Weg. Der Höhepunkt des Flüchtlingszustroms sei "noch nicht überschritten".

Leggeri forderte die EU-Staaten auf, Zuwanderer ohne Anspruch auf Asyl schnell in die Heimatländer abzuschieben: "Wer irregulär eingereist ist und kein Recht auf Asyl hat, muss schnell in seine Heimat zurückgeführt werden." Dazu seien Einrichtungen nötig, "in denen sie notfalls inhaftiert werden müssten". Nach EU-Recht sei es demnach möglich, irreguläre Zuwanderer für bis zu 18 Monate in Haft zu nehmen, um die Rückführung zu organisieren.

Kurz: Scharfe Kritik an EU-"Schlepperförderungsprogramm"
Außenminister Sebastian Kurz wiederum bezeichnete das derzeitige Asylsystem in der EU als "Schlepperförderungsprogramm", das auch nicht dazu geeignet sei, den "Ärmsten der Armen zu helfen". Denn Verwundete, Alte, Kranke und Kinder würden es derzeit häufig nicht bis in die Union schaffen. Angesichts der anhaltend hohen Zahl von Flüchtlingen, die täglich unregistriert in die EU strömen würden, sprach Kurz am Mittwoch gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von einem "totalen Kontrollverlust", der mittlerweile in der EU eingetreten sei. Erneut forderte er, das Asylsystem in Europa vollständig umzustellen und Umsiedlungsprogramme einzuführen.

Zudem verlangte er auch mehr Aufrichtigkeit bei der angestrebten engeren Zusammenarbeit mit der Türkei: "Wenn wir eine Kooperation mit der Türkei eingehen, dann sollten wir offen aussprechen, dass wir das tun, weil wir am Ende unserer Kapazitäten angelangt sind." Man könne nicht Ankara veranlassen die Flüchtlinge aufzuhalten und gleichzeitig so tun, als wären alle Migranten willkommen. Kurz warnte außerdem davor, Ankara Aufgaben zu übertragen, die die EU selbst erfüllen müsse. "Bei der Sicherung unseren Außengrenzen sollten wir uns nicht der Türkei ausliefern", sonst begebe sich Europa in die totale Abhängigkeit.

Video: Innenministerin Johanna Mikl-Leitner plant "technische Sperren" vor der Grenze in Spielfeld.

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