So, 27. Mai 2018

In Wüste zerschellt

01.11.2015 13:24

Rätsel um schwerstes russisches Flugzeugunglück

Nach dem schwersten Flugzeugunglück in der russischen Geschichte mit 224 Toten rätseln die Ermittler weiter über die Ursache. Der Ferienflieger war am Samstagmorgen kurz nach dem Start über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Ein Terrorakt durch den IS scheint unwahrscheinlich, auch bei den Besatzungsmitgliedern seien keine Auffälligkeiten festzustellen gewesen, berichten Behörden. Die Wetterverhältnisse sollen zudem gut gewesen sein, ein kolportierter Notlandeversuch wurde bereits am Samstag dementiert - die Hoffnungen liegen nun unter anderem bei den Daten des Flugschreibers. Die Untersuchungen könnten noch Monate dauern.

Nach Angaben der russischen Justiz gab es bei den Besatzungsmitgliedern des Airbus A-321 keine Auffälligkeiten. "Die Piloten und Stewards sind vor dem Start in Sharm el-Sheikh medizinisch geprüft und für flugtauglich erklärt worden", sagte Behördensprecherin Maja Iwanowa am Sonntag der Agentur Interfax. Auch die Qualität des Treibstoffs habe den Anforderungen entsprochen. Die örtlichen Behörden gehen nach Angaben aus Sicherheitskreisen von einem technischen Defekt aus.

Kurz nach Start vom Radar verschwunden
Der Flieger mit 217 Passagieren - die meisten Personen an Bord des Fluges KGL 9268 nach St. Petersburg waren Urlauber aus Russland - und sieben Besatzungsmitgliedern war 23 Minuten nach dem Start in dem beliebten Badeort am Roten Meer vom Radar verschwunden und in der Wüstenlandschaft der Sinai-Halbinsel zerschellt. Auch zahlreiche Kinder kamen ums Leben.

Der Flugschreiber und der Stimmenrekorder seien nach allem Anschein nach nur gering beschädigt, sagte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow nach seiner Ankunft in Kairo. Die noch versiegelten Blackboxen würden nun entweder in Russland oder in Ägypten ausgewertet.

Maschine vermutlich zu hoch für Abschuss
Weite Teile im Norden der Sinai-Halbinsel sind militärisches Sperrgebiet. Extremistengruppen sind dort aktiv - darunter auch ein Ableger des Islamischen Staates. Dieser hatte in einem nicht verifizierbaren Bekennerschreiben behauptet, die Maschine zum Absturz gebracht zu haben. Experten und Regierungsangehörige Russlands und Ägyptens bezeichneten dies allerdings als unwahrscheinlich oder schlossen einen Anschlag aus. Die im Sinai vom IS genutzten Waffen seien ungeeignet, um die Maschine in etwa 9,5 Kilometer Höhe abzuschießen.

Militärexperten konnten dennoch eine Bombe an Bord oder einen Abschuss durch eine Rakete nicht gänzlich ausschließen, sollte das Flugzeug etwa wegen technischer Probleme in einen Sinkflug gegangen sein. Die US-Luftfahrtbehörde hatte schon im März alle Zivilflugzeuge angewiesen, bei Flügen über dem Sinai nicht zu tief zu gehen.

In der Luft auseinandergebrochen
Das Flugzeug dürfte nach Angaben russischer Ermittler noch in der Luft auseinandergebrochen sein. Die Trümmer des Airbus seien anschließend über ein weites Gebiet zerstreut worden.

Allein die Behauptung der Extremisten reichte aus, um die Sicherheitsvorkehrungen bei einigen Fluggesellschaften zu erhöhen: Die Lufthansa, Air France und Emirates gaben bekannt, den Sinai bis auf Weiteres zu umfliegen.

Opfer werden geborgen und ausgeflogen
Derweil begann die Bergung der 224 Leichen. Die Überreste von 163 Passagieren seien von der Absturzstelle in die Hauptstadt Kairo transportiert worden, teilte die Regierung Ägyptens am Sonntag mit. Eine erste Maschine mit Opfern könne in der Nacht zum Montag nach St. Petersburg losfliegen, sagte Wladimir Stepanow vom Katastrophenschutzministerium in Moskau.

Zur Identifizierung der Opfer hätten die russischen Behörden von Verwandten DNA-Proben genommen. An der Absturzstelle nahe der Stadt al-Arish seien etwa 100 russische Helfer mit schwerem Gerät im Einsatz.

Staatstrauer in Russland
Die russischen Behörden riefen am Sonntag eine Staatstrauer aus. Fernsehstationen und Radiosender wollten weitgehend auf Unterhaltungssendungen verzichten. Die orthodoxe Kirche sowie Moscheen und Synagogen haben Gottesdienste organisiert. Behörden sagten Festveranstaltungen ab.

Auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo richtete das Katastrophenschutzministerium einen Krisenstab ein. Etwa 100 Angehörige der Opfer seien in einem Hotel am Airport untergebracht, sagte ein Behördensprecher. Dutzende Psychologen und Ärzte würden die Hinterbliebenen betreuen.

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