Di, 17. Oktober 2017

Erziehungsserie

30.10.2015 14:39

Folge 14: Was unsere Kinder stark macht

Am liebsten würden Eltern ihrem Sprössling wahre Zauberkräfte verleihen, die ihm ein schönes Leben bescheren. Tatsächlich können sie eine Menge dafür tun, dass ihr Kind zu einem glücklichen Erwachsenen heranwächst.

Nähe und Distanz, Zuwendung und Konsequenz, Intuition und Überlegung: Es ist ein täglicher Balanceakt, Eltern zu sein. Doch Erziehung ist keine Geheimwissenschaft, sondern vor allem eine Fülle gemeinsamer Erfahrungen, die Kinder mit ihren Eltern und anderen Bezugspersonen teilen. Dieser Weg stellt alle Beteiligten immer wieder auf die Probe. Und doch: Es gibt nichts Schöneres, als Kindern ein guter Begleiter zu sein.

Seinen Sprössling stark machen für die Anforderungen des Lebens. Wer will das nicht? Der bekannte deutsche Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff ist überzeugt: Das gelingt nur, wenn wir unserem Nachwuchs ein Ruhepol und selbst in unserer Mitte sind. Und der bekannte Kinderarzt und Autor des Buches "Die Kindheit ist unantastbar", Herbert Renz-Polster, betont: "Kinder sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass sie sich wohl, zugehörig und wertvoll fühlen. Genau wie wir Großen auch. Kinder schöpfen das aus den gleichen Quellen - vor allem daraus, dass sie gut behandelt werden! Das heißt, dass man achtsam mit ihnen umgeht, dass sie spüren, dass sie uns viel bedeuten. Und dass wir zu ihnen stehen, wenn sie in Not sind. Dieser Rückhalt ist es, der die Kinder stark und mutig macht. Wir müssen ihnen gewiss keine Karotten vor die Nase halten oder sie von hinten schieben, dass sie ihre Entwicklung packen!"

Die ersten Lebensjahre sind entscheidend
Das Fundament für unser Selbstvertrauen und unsere innere Stärke wird in der Kindheit gelegt. Die Erfahrungen, die Kinder in diesen ersten Lebensjahren machen, prägen ihr Selbstwertgefühl entscheidend. Später haben Lehrer und Gleichaltrige einen großen Einfluss. Sprösslinge, die häufig kritisiert werden, haben schnell das Gefühl, nicht in Ordnung und minderwertig zu sein. "Kinder, die sich verbiegen müssen und lernen, dass sie nur geliebt werden, wenn sie sich so verhalten, wie Mama und Papa das wollen, laufen Gefahr, ein sogenanntes falsches Selbst zu entwickeln", unterstreicht die Chefredakteurin des Wissensmagazins "Psychologie heute", Ursula Nuber. "Eltern sollten ihrem Nachwuchs immer die Botschaft mit auf den Weg geben: 'Du bist richtig, so wie du bist.'"

Talente fördern
Und jene, die glauben, ihr Kind lerne nichts beim freien Spiel, Toben und Malen, sind auf einem Holzweg. Denn Kreativität und Fantasie sind wichtige Kriterien zur Entwicklung des Gehirns und zur Entfaltung. Natürlich wollen wir unsere Sprösslinge fördern. Doch wo liegt das sinnvolle Maß an Förderung? Der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther ist überzeugt: "Jedes Kind ist hochbegabt, wir müssen es nur erkennen und entsprechend handeln." Kinder bringen eine Vielzahl von Anlagen mit, Vernetzungsoptionen im Gehirn, die besondere Begabungen bedingen. "Nur ein geringer Bruchteil davon wird realisiert. Die meisten Eltern finden nie heraus, ob ihr Kind ein toller Tüftler, begnadeter Tänzer oder großer Entdecker werden könnte. Sie schauen nur mit besorgtem Blick und fragen, ob das Kind früh genug läuft, spricht und später gut in der Schule ist. Für Kinder ist es eine unendlich traurige Erfahrung, wenn nicht gesehen wird, was wirklich in ihnen steckt."

Und Hüther warnt in diesem Zusammenhang vor zu viel Internet, Computer und Fernsehen: "Es sind nicht die kurzen, schnellen Reize wie Fernseh- und Videobilder von Bedeutung, sondern die verlässlichen, sich wiederholenden Eindrücke." Das heißt: regelmäßig ausreichend Bewegung an der frischen Luft, Gelegenheit zum Spielen, Rätseln, Malen, Nachdenken, Geschichtenerfinden - und das am besten gemeinsam mit den Eltern, "denn Erziehung lebt durch Beziehung und nicht durch ein perfektes Erziehungsprogramm", erklärt "Krone"-Eltern-Kids-Coach Nina Petz.

"Krone"-Eltern-Kids-Coach Nina Petz steht Ihnen mit Rat zur Seite - per Videoklick auf krone.at/erziehung sowie gemeinsam mit ihrem Team per E-Mail und Post. Ihre Anfragen werden vertraulich behandelt.

Erziehung ist Beziehung
Durch Neugier und Lerneifer eines Kindes entwickelt sich das menschliche Gehirn. Ein Kind bringt nicht nur die Fähigkeit mit, ständig Neues hinzuzulernen, sondern ebenso die Lust, immer wieder Unbekanntes zu entdecken. Es ist neugierig, begeisterungsfähig und offen für alles, was es in der Welt zu erleben gibt, wie nie wieder im späteren Leben. "Lernen passiert von selbst und mit viel Spaß. Leider wird Kindern heutzutage dies oft 'aberzogen'", so Nina Petz. Das untermauert auch der Hirnforscher Hüther: "Wir müssen aufhören, schon bei den Jüngsten Druck und Stress aufzubauen."

Die zentrale Frage für Eltern sollte nicht sein: Wie kann ich mein Kind dazu bewegen, noch mehr zu leisten? Sondern: Was für ein Mensch soll aus ihm werden?

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