Do, 23. November 2017

Interview & Album

29.10.2015 12:34

Enter Shikari: Tanzbare Wut mit Romantik

Die Briten von Enter Shikari gehören seit nunmehr zwölf Jahren zu den spannendsten Bands im Underground. Mit ihrer Mischung aus Hardcore, Dubstep, Trance und Pop haben sie sich längst eine eigene Nische geschaffen und lassen sich nur ungern greifen. Mit "The Mindsweep: Hospitalised" gibt es nun einen Drum-&-Bass-Remix des letztjährigen Erfolgsalbum. Wir haben uns mit Sänger Rou Reynolds zudem über Inhalt und Außenwirkung der Band unterhalten.

Mangelnde Innovation und fehlender Ideenreichtum werden oft als Begriffe herangezogen, wenn es darum geht, die moderne Pop-/Rockmusikwelt zu erläutern. Doch wem es an neuartigen Sounds und mutigen Klangexperimenten fehlt, der muss sein Näschen meist nur aus den ersten Reihen Richtung Underground strecken, und wird dort für gewöhnlich mit einer Fülle an spannenden Bands, Künstlern und Projekten belohnt. Dazu zählen auch die Briten von Enter Shikari, die seit mittlerweile zwölf Jahren ihr Unwesen treiben und es so gut wie kaum eine andere Band geschafft haben, wuchtigen Hardcore mit träumerischen Trance-Elementen und Dubstep-Referenzen zu vermengen. Damit erfüllen Enter Shikari auch einen Bildungsauftrag, denn sie sind federführend dafür, dass sich konkurrierende Fanschichten bei ihren Konzerten zu einer großen und jubelnden Menschentraube vermischen.

Melodien und Lärm
Nach mittlerweile vier Studioalben sind sie auch im Mainstream angekommen. Das aktuelle Werk "The Mindsweep" landete in England auf Platz sechs der Albumcharts, auch in deutschen Gefilden ging sich eine Top-20-Platzierung aus und mit "The Mindsweep: Hospitalised" erscheint dieser Tage eine Drum-&-Bass-Version des Erfolgswerkes. Das Ziel ist natürlich erneut, zu überraschen und Grenzen zu durchbrechen, wie Sänger Rou Reynolds im "Krone"-Interview betont: "Neben Pop und Hardcore sind auch Motown und Soul wichtige Einflüsse für unsere Band. Viele werden mir das nicht glauben, aber Melodien sind mir unheimlich wichtig. Beim 'Mindsweep'-Remixed-Album haben wir mit Künstlern des Labels Hospital Records zusammengearbeitet und einfach wieder etwas Frisches kreiert. Ich bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen unserer Fans."

Diese müssen ohnehin immer das Unerwartete erwarten, denn nichts liegt dem familiären Quartett aus der Kleinstadt St. Albans ferner, als sich zu wiederholen und bisherige Erfolgsrezepte weiterzuführen. Das Geheimnis des durchaus respektablen Erfolgs liegt auch im inneren Zirkel der Band. Rou's Vater Keith ist seit Anbeginn der Tourmanager von Enter Shikari, der zweite Teil des Bandnamens leitet sich vom gleichnamigen Boot seines Onkels ab und die drei Bandkollegen, als auch Roadcrew und Techniker sind teilweise seit Kindestagen miteinander befreundet. "Geplant war das natürlich nicht, dass wir in dieser Konstellation um die Welt reisen, aber mittlerweile läuft das von selbst. Wie in allen Familien kracht es natürlich hie und da, aber der Boss ist am Ende die Band", lacht Reynolds, "wenn man in diesem Business nicht professionell arbeitet, wird man nicht lange durchhalten."

Wut mit Romantik
Einen erklecklichen Anteil am Erfolg haben schlussendlich vor allem die explosiven Liveshows, wo der ansonsten so besonnene und schüchterne Frontmann zum Tier wird und gerne mal von Verstärkertürmen ins Publikum springt, für Moshpits bei den Zusehern sorgt oder auch mal einen Bandkollegen zur Seite räumt. "Wir sitzen ja oft lange im Tourbus und da muss dann die ganze Energie raus", schmunzelt der Sänger, "ich muss wohl der Terminator sein, denn ich habe mir mein ganzes Leben lang noch keinen Knochen gebrochen. Aber Platzwunden und dergleichen passieren schon immer wieder." Die exaltierte Livepräsenz verknüpfen Reynolds und Co. gerne mit politischen und sozialkritischen Botschaften in den Texten und auf der Bühne. "Klimawandel, Kriege, interne Wahlen - wen beschäftigt das nicht? Aber ich schreibe weniger wütend als viele glauben. Manchmal können wir auch sehr romantisch sein."

Wie weit kann man zukünftig noch mit unterschiedlichsten Stilen experimentieren, wann wird es vielleicht auch den tolerantesten Fans zu viel? "Ich bin tatsächlich selbst immer überrascht, dass der Großteil unserer Fanbase unsere stilistischen Sprünge mitmacht. Wir haben aber auch viel weniger Druck, weil niemand eine Band wie uns im Radio oder in den Medien erwartet. Wir sind anfangs schwieriger zu fassen, können im weiteren Verlauf aber scheinbar eine gewisse Faszination projizieren - aber ich wiederhole mich gern: Dass die Leute uns schon so lange begleiten, ist für mich einfach immer wieder verblüffend." Verblüfft sein werden die Fans mit Sicherheit auch bald wieder in Österreich - die Wiener Arena wurde bei Enter-Shikari-Konzerten schließlich schon öfters in ihren Grundfesten erschüttert…

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