Sa, 18. November 2017

Erziehungsserie

28.10.2015 13:27

Folge 12: Kleine Einsteins und Genies

Wie viel Anregung zur sinnvollen Förderung sollten Mütter und Väter ihrem Kind bieten? Und wie bauen sie es am besten in den Alltag ein?

Hochzufrieden beschäftigt sich der vierjährige Moritz schon seit einer Stunde mit seinen Lieblingsstofftieren. Seine Eltern sind in solchen Situationen hin- und hergerissen. Sollen sie ihn in Ruhe weiterspielen lassen oder ihm Anreize bieten zwecks Frühförderung? Ratgeber zu dem Thema hätten sie ja genug daheim. An den Anregungen würde es nicht scheitern. Mit ihrer Unsicherheit sind sie nicht allein. Immer mehr Mütter und Väter fragen sich: Sind solche simplen Spiele vielleicht nur verschenkte Zeit, weil ihr Filius in dieser einen Stunde Effektiveres tun könnte? Oder ist diese Spielzeit genau das Richtige für ihn?

Zu viel Inputs bremsen kindliche Kreativität aus
Auch die Wissenschaft kommt zu keinem übereinstimmenden Ergebnis. Die einen weisen darauf hin, dass sich das Gehirn wesentlich in den ersten Jahren entwickle und deshalb frühzeitig vielfältige Anreize brauche, um sich zu vernetzen. Andere Experten betonen ausdrücklich, nicht nur die ersten Lebensjahre seien von Belang für eine gute Entwicklung, sondern Menschen würden ein Leben lang lernen. Sie setzen sich für mehr Gelassenheit ein und sind der Meinung: Kinder brauchen Zeit zu träumen und dürfen sich auch einmal langweilen. Bietet man ihnen zu viele Anregungen, sind sie in ihrer eigenen Ideenfindung unterfordert, was auch die Kreativität ausbremst.

Vorlieben und Talente der Sprösslinge erkennen
Das Allerwichtigste ist - und da sind sich Hirnforscher, Psychologen und Pädagogen ausnahmsweise einmal einig: Kleine Kinder brauchen Eltern, die sich an ihnen erfreuen und ihre Begeisterung auch zeigen. Die am Werdegang ihrer Sprösslinge wirklich interessiert sind und deren Entwicklung kontinuierlich unterstützen. Mütter und Väter können einen vernünftigen Kompromiss finden, wie der Neurowissenschafter Dr. Gerald Hüther im Interview erklärt: einerseits freies Spiel zu ermöglichen, das Kind andererseits auch gezielt und individuell fördern. Und dabei den Nachwuchs beobachten. Wie reagiert er auf Ihre Angebote? Wo zieht er begeistert mit? Wann steigt er aus? So lernen Sie die Vorlieben und Talente Ihrer Kinder bald kennen - und auch deren Schwächen.

"Wir müssen aufhören, Druck und Stress aufzubauen"
"Jedes Kind ist hochbegabt", meint Hüther in seinem gleichnamigen Buch, "wir müssen es nur erkennen und entsprechend handeln." Und er warnt: "Weil unser Schul- und Bildungssystem immer noch fast ausschließlich auf Wissensvermittlung und Leistung setzt, bringen wir zwar Einserschüler und -studenten hervor, diese versagen dann aber oft im Berufsleben. Auf der Strecke bleiben viele ungenutzte und frustrierte Talente, und diesen Irrweg beschreiten wir schon viel zu lange. Wir müssen aufhören, schon bei den Jüngsten Druck und Stress aufzubauen."

"Krone"-Eltern-Kids-Coach Nina Petz steht Ihnen mit Rat zur Seite - per Videoklick auf krone.at/erziehung sowie gemeinsam mit ihrem Team per E-Mail und Post. Ihre Anfragen werden vertraulich behandelt.

Die auch Hochbegabten-Autismus genannte Modediagnose des Aspergersyndroms ist in aller Munde. Ein Phänomen unserer Zeit?
In den letzten Jahren wurde bei vielen Kindern ADHS diagnostiziert, derzeit wird die Autismus-Spektrumsstörungs-Schublade oft strapaziert - meist jedoch vorschnell. Denn das kindliche Gehirn passt sich nur perfekt an die von der Umwelt vorgegebenen Umstände an. Wenn die Nannys von heute Fernseher, Tablets und Smartphones sind, dann ist die Auseinandersetzung mit sozialen Gefühlen stark eingeschränkt. Dafür werden jene Gehirnzentren, die sich mit der Logik von sozialen Medien und Computerspielen beschäftigen, stärker ausgeprägt. Viele Dreijährige sind von den bunten Touchscreens fasziniert, sie rechnen, schreiben und spielen oft nur noch in der virtuellen Welt. Sobald es aber darum geht, z. B. mit einem Bleistift ein Bild zu kritzeln, wird’s schwierig. Ebenso bei zwischenmenschlichen Konflikten. Schränken Sie das praktische Faszinationsmedium Touchscreen als Ablenkung ein! Lieber den sozialen Umgang und die Beschäftigung mit Konkretem, wie Sand, Erde, Holz und Wasser, erhöhen!

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