Sa, 18. November 2017

Sperre droht

21.10.2015 16:39

Jetzt ermittelt die FIFA auch gegen Beckenbauer

Nach dem jüngsten Wirbel um die vermeintlich gekaufte WM 2006 droht der deutschen Fußballikone Franz Beckenbauer nun auch noch eine internationale Sperre. Die Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommission hat nach Abschluss ihrer Ermittlungen Anklage gegen den 70-Jährigen erhoben. Das Verfahren sei zur rechtsprechenden Kammer weitergeleitet worden, teilte der Fußball-Weltverband am Mittwoch mit.

Wann der Richter-Spruch fällt, ist offen. Die Untersuchungen beziehen sich bei Beckenbauer allem Anschein aber nach nicht auf die jüngsten Berichte über vermeintlich schwarze Kassen bei der WM-Vergabe 2006 an Deutschland.

Beckenbauer hatte wie alle Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, die bei der skandalträchtigen WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt gewesen waren, vor der Ethikkommission aussagen müssen. Als er dies zunächst verweigert hatte, wurde er im Sommer 2014 provisorisch für 90 Tage für alle Fußball-Aktivitäten gesperrt. Nach seiner danach erfolgten Aussage wurde diese Sperre aufgehoben, die Ermittlungen liefen jedoch weiter.

Auch Anklage gegen Platini-Stellvertreter
Ungemach droht auch dem Spanier Angel Maria Villar, Vize-Präsident der FIFA und der Europäischen Fußball-Union, den ebenso ein Urteil der rechtssprechenden Kammer erwartet. Damit verschärft sich auch die Krise für die UEFA.

Denn nicht nur die Untersuchungen gegen FIFA-Präsident Sepp Blatter und seinen Generalsekretär Jerome Valcke laufen weiter, sondern auch jene gegen den derzeit für 90 Tage gesperrten UEFA-Präsidenten Michel Platini. Ihnen allen drohen jahrelange Sperren, es wird auch angesichts der Ambitionen von Platini auf das FIFA-Präsidentenamt mit zeitnahen Urteilen gerechnet. Villar ist außerdem durch die Sperre Platinis aktuell ranghöchster Funktionär des Kontinentalverbands. Villar war zudem erst am Dienstag bei der FIFA zum Vorsitzenden des WM-Organisationskomitee ernannt worden.

Insgesamt ermittelt das Ethikgremium noch gegen mehr als neun aktuelle oder frühere hochrangige Funktionäre. Nach den neuesten Enthüllungen ist insgesamt bereits die Hälfte der 22 stimmberechtigten Mitglieder der FIFA-Regierung, die über die WM-Vergaben 2018 und 2022 entschieden hatte, direkt von Korruptionsverfahren betroffen.

Erst am Dienstag hatte das FIFA-Exekutivkomitee die Verschwiegenheitsklausel für die Ethikkommission aufgehoben. Damit durfte diese erstmals die Öffentlichkeit über ihre Untersuchungen informieren. Sowohl Chef-Untersucher Cornel Borbely als auch der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer hatten sich vehement für das Recht zur Information eingesetzt.

Um Interessenskonflikte zu vermeiden, wird nicht Eckert, sondern voraussichtlich sein Stellvertreter Alan Sullivan aus Australien das Urteil über Beckenbauer fällen. Dieser hat die Möglichkeit, gegen den Richterspruch vor der FIFA-Berufungskommission Einspruch einzulegen, danach kann er den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne anrufen.

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