Fr, 20. Oktober 2017

Als falscher Postler

19.10.2015 17:36

Betagte Frauen brutal überfallen: 20 Jahre Haft

Zu 20 Jahren Haft ist am Montag im Straflandesgericht ein 37-jähriger Mann verurteilt worden, der sich als falscher Postzusteller ausgegeben und zwei betagte Wienerinnen in ihren Wohnungen überfallen hatte. Bei der Strafbemessung fiel die "massiv überschießende, völlig sinnlose Gewaltanwendung" erschwerend ins Gewicht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Drei Komplizen des Hauptangeklagten - wie dieser ebenfalls bulgarische Staatsbürger - fassten als Beitragstäter mehrjährige unbedingte Freiheitsstrafen aus. Ein 35-jähriger Mann, der bei beiden Überfällen mitgemacht hatte, bekam acht, eine 32-Jährige fünf Jahre. Sie war ebenso an einem Raub beteiligt wie eine 41-Jährige, die Aufpasserdienste geleistet hatte und dafür zweieinhalb Jahre kassierte.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Der wegen schweren Raubes und versuchten Mordes verurteilte 37-Jährige legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Brennendes Papier auf 85-Jährige geworfen
Zum ersten Mal hatte die Bande im April 2010 zugeschlagen. Die beiden Männer und die 41-Jährige, die eigentlich in Deutschland leben, reisten nach Wien, wo der 37-Jährige Haupttäter mit seiner Komplizin an der Wohnung einer 85-jährigen gehbehinderten Pensionistin anläutete. Er wachelte mit einem Brief in der Hand und rief "Post für Sie". Als die 85-Jährige öffnete, hielt ihr der 37-Jährige laut Anklage den Mund zu und drängte sie in die Wohnung.

Dann nahm er der betagten Frau den Rollator, auf den sie angewiesen war, weg, drückte sie zu Boden und verlangte 300 Euro. Da sich in der Tasche der Pensionistin nur 200 Euro befanden, nahm er die Bankomatkarte der Frau an sich und forderte den PIN-Code der Frau.

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, zündete der 37-Jährige eine Fernsehzeitung an und warf das brennende Papier auf das Bett der Pensionistin. Da die 85-Jährige immer noch keinen Code nannte, fesselte er die Frau und verließ mit seinen Komplizen, die inzwischen Kerzenständer, Unterwäsche und Handtücher an sich gerafft hatten, die Wohnung. Die überfallene Frau wurde erst tags darauf von ihrem Sohn aus ihrer misslichen Lage befreit.

Pensionistin schwerste Verletzungen zugefügt
Beim zweiten Überfall wurde das Opfer schwer verletzt. Im Dezember 2014 drang der 37-Jährige - wieder mit einem gelben T-Shirt bekleidet - mit einem Paket in der Hand in die Wohnung einer 77 Jahre alten Pensionistin ein. Sein männlicher Komplize folgte ihm, die 32-jährige Mittäterin leistete zumindest Aufpasserdienste. Die Männer erbeuteten 14.000 Euro Bargeld sowie Schmuck im Wert von 10.000 Euro, hatten damit aber nicht genug. Laut Anklage wollten sie das Opfer mehrere Tage festhalten und mit der Bankomatkarte täglich den Höchstbetrag beheben. Der 37-Jährige schlug beim Versuch, den Widerstand der 77-Jährigen zu brechen, derart massiv auf sie ein, dass er ihr mehrere Rippenfrakturen und so schwere innere Verletzungen zufügte, dass die Frau seither mit einem künstlichen Darmausgang leben muss.

Komplize sprang aus Fenster
Während der 37-Jährige zum Bankomat ging, um mit der Karte der Verletzten Geld abzuheben, bewachte der 35-jährige Komplize das Opfer, legte sich neben der Frau aufs Bett und zündete sich eine Zigarette an. Als plötzlich jemand an der Tür läutete, verlor er die Nerven. Er sprang in Panik aus dem Fenster und brach sich dabei das Bein. Eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife wollte eigentlich dem Verletzten helfen, die Beamten bemerkten jedoch rasch, dass etwas nicht stimmte. Sie durchsuchten daraufhin das Haus, aus dem der Mann offensichtlich gesprungen war, und stießen dabei auf die lebensgefährlich verletzte 77-Jährige. Der 35-Jährige wurde festgenommen. Er legte im Verhör ein Geständnis ab und verhalf der Polizei dazu, dass diese auch den Haupttäter und die zwei Frauen, die jeweils ein mit dem 37-Jährigen gezeugtes Kind großziehen, dingfest machen konnte.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).