Do, 14. Dezember 2017

Erziehungsserie

18.10.2015 17:00

Folge 2: Gelassen durch die Trotzphase

Kinder zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr lernen ihren eigenen Willen kennen – und schon sind sie mitten in der Trotzphase. Was bei Zornanfällen hilft.

Mit 18 bis 24 Monaten eröffnet sich dem Kleinkind eine neue Welt, nämlich sich selbst als "ich" zu erkennen. Knapp gefolgt vom nächsten Entwicklungsschritt, der Entdeckung des eigenen Willens: "Ich bin ich! Ich kann etwas bewirken! Ich kann alles ausprobieren!" Niemand anderes als es selbst steht im Mittelpunkt dieser neuen Welt, und die will es auch selbst regieren und erforschen. Nichts und niemand darf sich in seinen Weg stellen. Wenn das jemand doch wagt, ist es für den Sprössling ein kleiner Weltuntergang.

Wenn die Kleinen alles selbst machen wollen
Die Socken alleine anziehen. Nicht an der Hand gehen. Selbst die Butter auf das Brot schmieren. Sicher, es geht viel schneller, wenn Mama und Papa das Kind anziehen, das Essen zubereiten und es immer an der Hand nehmen, aber es ist wichtig, den Kleinen zu zeigen, dass sie selbstständig sein dürfen. In einer autofreien und sicheren Zone herumlaufen ist für die Kleinen Entdeckung pur. Da wird jeder Stein zum Schatz.

Im Trotzalter stoßen Kinder an Grenzen. Einige werden ihnen von den Eltern gesetzt, auch wenn es ihnen nicht gefällt, andere müssen sie selbst erfahren. Bei Regeln und Ungeduld kommt schnell Wut und Enttäuschung im Kind auf, und die müssen raus. "Ein Wutanfall ist dann eine völlig normale Reaktion", erklärt die deutsche Erziehungsratgeberin und Autorin Annette Kast-Zahn. Nicht selten werfen sich die Kinder dabei auf den Boden, schreien und strampeln wild um sich. Kein Wunder, wenn Eltern angesichts solch dramatischer Auftritte hilflos reagieren. Auch für Mama und Papa ist es eine Geduldsprobe. Kaum etwas fordert Eltern so sehr wie die Zornanfälle ihrer Kinder. Gleichzeitig soll der Spross lernen, sich durchzusetzen und seine eigenen Gefühle auszudrücken. Eine oft schwierige Gratwanderung.

Je ruhiger die Trotzphase, desto heftiger die Pubertät
Eine Psychologin, die Kinder und Eltern in den zwei wichtigen Übergangsphasen im Leben eines jungen Menschen begleitet hatte, nämlich im Trotzalter und in der Pubertät, stellte fest: Je ruhiger und friedlicher die Trotzphase von Kleinkindern verlief, desto heftiger war die Pubertät. Das beruhigt leidgeprüfte Eltern zumindest für die Zukunft. Doch was tun, damit das Leben mit dem sich so heftig abgrenzenden Kleinkind bereits im Trotzalter angenehmer wird?

Erste Hilfe für Eltern
Erst einmal gilt: tief durchatmen. Der Trotz des Kindes ist keine Ablehnung der Eltern. Es kämpft mit sich selbst und ist überwältigt von den eigenen Wünschen und Gefühlen. Vielen Müttern und Vätern hilft es, den Raum kurz zu verlassen und sich selbst von außen in dieser Situation zu betrachten. Eltern sind Menschen. Sie müssen nicht so tun, als ob sie nicht sauer wären. Oft bringt eine komplett andere Reaktion eine ungewöhnliche Wendung - etwa, sich im Einkaufszentrum neben die zornige Zweijährige zu legen. Je gelassener und überraschender die Bezugsperson ist, desto schneller verfliegt meist die Wut der Trotzköpfe.

"Krone"-Eltern-Kids-Coach Nina Petz steht Ihnen mit Rat zur Seite - per Videoklick auf krone.at/erziehung sowie gemeinsam mit ihrem Team per E-Mail und Post. Ihre Anfragen werden vertraulich behandelt.

Tricks für "Zornbinkerl"

  • Seien Sie konsequent, aber: "Konsequenz darf nicht verbissen sein. Manchmal sind Kompromisse wichtig und erlaubt", betont Eltern-Kids-Coach Nina Petz. Ihre Tochter will im Winter ein Sommerkleid tragen? Mit einer Strumpfhose und einer warmen Weste darüber kein Problem. Ihr Kind will auch bei der Kleiderwahl den Ton angeben? Zu viel Auswahl überfordert den Nachwuchs. Es genügt, den Spross zwischen zwei und drei Outfits auswählen zu lassen - am besten bereits am Vorabend.
  • Ermutigen und unterstützen Sie die Selbstständigkeit Ihres Sprösslings! Ihr Kind kann schon allein die Jacke anziehen oder in den Radanhänger klettern? Planen Sie Zeitpolster ein, damit das Kind das auch wirklich machen kann. Lieber fünf Minuten warten als dreimal so lang Zorn hinnehmen. 
  • Geduld lohnt sich! Kann der Nachwuchs seine Fähigkeiten erproben und verbessern, wird er immer selbstbewusster und selbstständiger.
  • Kindern Termine rechtzeitig ankündigen: "Noch einmal schaukeln, dann spazieren wir wieder nach Hause." So fühlen sie sich nicht von einem "Wir müssen jetzt sofort los" überfordert. 
  • Welche Situationen führen zumeist zum Trotzverhalten? Ihr Kind motzt in der Früh über das geschmierte Brot - vielleicht gewähren Sie ihm auch mehr Eigenständigkeit und lassen es mit einem stumpfen Messer selbst die Butter draufschmieren.
  • Machen Sie Supermarkteinkäufe, wenn möglich, nicht mit einem müden oder hungrigen Kind. Der Stress ist vorprogrammiert.
  • Ablenkung wirkt oft Wunder. Besonders bei beginnenden Wutanfällen in der Öffentlichkeit können sich Eltern oft mit einem raschen Szenenwechsel drüberretten - nach dem Motto: "Schau doch mal da vorne - ein Bagger." Oder "Sieh nur, das Blinken in der Auslage."
  • Und zu guter Letzt: Wie geht es Ihnen, wenn Sie wütend oder verzweifelt sind, weil gar nichts so funktioniert, wie Sie es sich wünschen. Denken Sie daran, was Sie selbst brauchen, wenn die ganze Welt gegen Sie ist. So können Sie sich besser in Ihr Kind einfühlen.

JETZT WEITERLESEN! Interview mit Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge: "Trotz unterscheidet sich von Ungehorsam"

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