Sa, 18. November 2017

Zelte abgebaut

16.10.2015 17:40

Traiskirchen: Erste Schritte Richtung Normalität

Strömender Regen Freitagmittag in Traiskirchen in Niederösterreich: Im größten Flüchtlingslager herrscht nach wie vor Aufnahmestopp, auf dem Areal stehen 171 Zelte. Doch das Innenministerium gibt Entwarnung: Je nach Witterung wird mit dem Abbau begonnen. Ein "Krone"-Lokalaugenschein.

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, sieht in Traiskirchen die Lage "Schritt für Schritt auf dem Weg in Richtung Normalität und Routine" - auch, wenn nach wie vor eine "Ausnahmesituation" herrsche. So sind seit Freitag wieder der Kindergarten und der "Eltern-Kind-Treff" in Betrieb. Die Räumlichkeiten waren zu Zeiten der Überfüllung anderweitig genutzt worden.

Unbegleitete Minderjährige als größte Gruppe
"Wir haben derzeit 1796 Menschen in Betreuung", sagt Grundböck - wobei Eltern mit ganz kleinen Kindern die Minderheit stellen. Die mit Abstand größte Gruppe sind 1292 unbegleitete Minderjährige im Alter von 14 bis 18 Jahren. 55 sind jünger als 14 Jahre und ohne Begleitung angekommen.

Ungefähr die Hälfte aller im Lager Untergebrachten sind sogenannte Dublin-Fälle, weiß Franz Schabhüttl von der Betreuungsstelle Ost. Das erkläre auch zum Teil, dass zum Schulbetrieb für Schulpflichtige - also bis 14 Jahren - in sogenannten Brückenklassen außerhalb des Regelschulsystems zwar rund 200 Kinder angemeldet sind, aber nur rund 60 ihre ersten Wörter in Deutsch lernen.

"Macht keinen Sinn, wenn wir wieder weg müssen"
"Viele Eltern meinen, es macht keinen Sinn, wenn wir sowieso wieder weg müssen", sagt Schabhüttl. Bunter geht es schon im Kindergarten zu. Hier sitzt Azra mit ihren drei Kindern. Vor fünf Tagen ist sie aus dem Irak gekommen. Ihr Mann, ein ehemaliger Polizist, ist in Kärnten untergebracht. Sie würde gerne in Österreich bleiben.

Wegen des Aufnahmestopps werden die Asylsuchenden auf Initiative von Flüchtlingskoordinator Christian Konrad mit einem Bus der Wiener Linien zu anderen Schlafstätten gebracht, die eigentlich als Notquartiere für Durchreisende gedacht sind. Ein weiterer wurde unweit des Lagers in Traiskirchen platziert - als "erste Anlaufstelle" für Menschen ohne Obdach.

Gemischte Gefühle bei der Caritas
Die Caritas beurteilt die Entwicklung in Traiskirchen mit gemischten Gefühlen. Man sei einerseits froh, dass man seit dieser Woche im Lager Sachspenden verteilen könne und es mit der alten Semperithalle nun ein ausreichend großes Spendenlager gebe, sagt Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner. Andererseits brauche es rasch zusätzliche winterfeste Quartiere, um das Problem der Obdachlosigkeit in den Griff zu bekommen. Denn Asylwerber, die Anspruch auf Grundversorgung haben, werden abgewiesen. Allein in der vergangenen Nacht hätten in Traiskirchen Dutzende Personen Unterschlupf in Pfarren und beim türkischen Kulturverein gefunden.

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