Mi, 13. Dezember 2017

Snowden-Dokumente

09.10.2015 11:07

Geheimpapiere gezeigt: Uni wollte Beamer schrotten

Als geheim eingestufte Dokumente an einer US-Universität zu präsentieren, kann für die beteiligte Hardware schlimm enden. Zu dieser Erkenntnis ist der US-Journalist Barton Gellman gekommen, nachdem er an einer Uni im US-Bundesstaat Indiana einen Vortrag über die Enthüllungen Edward Snowdens abgehalten hatte.

Die Uni hatte Gellman einem Bericht auf "Medium" zufolge eigentlich versprochen, seinen Vortrag aufzuzeichnen und ihm das Video zu schicken. Wegen der Geheimdokumente, die er zeigte, löschte die Universität aber alle Daten zu dem Vortrag und wollte sogar den für die Präsentation genutzten Beamer zerstören, weil sich darauf Spuren der Geheimdokumente befinden könnten. Letztlich habe man dann aber doch davon abgesehen.

Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass geheime Snowden-Dokumente zur Zerstörung von Hardware führen. Der Laptop, mit dem Snowdens Vertrauter Glenn Greenwald für den britischen "Guardian" über die Aktivitäten der Geheimdienste NSA und GCHQ berichtete, wurde wegen der darauf befindlichen Dokumente auf Anordnung des britischen Geheimdienstes ebenfalls zerstört. An der US-Universität erfolgte die Löschung, nachdem sich die Uni-Verantwortlichen mit dem dem Verteidigungsministerium unterstehenden Verteidigungssicherheitsdienst DSS beraten hatten.

Uni bereut "Überreaktion" mittlerweile
Er hatte der Uni dazu geraten, alle Aufzeichnungen des Vortrags zu löschen und sicherzustellen, dass auch keine Spuren der Geheimdokumente mehr auf der verwendeten Hardware - etwa dem Beamer - zu finden sind. Mittlerweile bereut die Uni ihre Reaktion. Es sei eine "Überreaktion" gewesen, um mit Regulierungen übereinzustimmen. Man versuche nun, das Video wieder herzustellen.

Dass die Uni das Material so schnell gelöscht hat und sogar den Beamer zerstören wollte, dürfte aber noch einen anderen Grund als nur den Ratschlag des DSS gehabt haben. US-Universitäten, die an geheimen Projekten des Militärs arbeiten wollen, brauchen nämlich ein spezielles Zertifikat, die sogenannte "facility security clearance". Möglicherweise befürchtete die Uni, dass diese ihr wegen der Snowden-Geheimdokumente in Gellmans Vortrag entzogen werden könnte und sie künftig nicht mehr an lukrativen Forschungsaufträgen von Regierung und Armee arbeiten könnte.

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