Mo, 18. Dezember 2017

Landtag berät

06.10.2015 20:23

Nehmt den Patienten nicht die Ärzte weg!

Sparen, sparen, sparen lautet die Devise des Landes. Kein Wunder, wenn man über 350 Millionen verzockt hat. Doch viele Mediziner im Land laufen Sturm gegen den Kahlschlag in der Gesundheitsversorgung.

Erster Streich: Krankenkasse und Ärztekammer haben ein Modell durchgedrückt, bei dem es landesweit ab 2016 keinen ärztlichen Bereitschaftsdienst nach 23 Uhr mehr gibt: Statt an den Sprengelarzt kann man sich nur noch telefonisch bei einem Arzt Rat einholen, der für das gesamte Bundesland zuständig ist. Die Mehrheit unter den Ärzten (70%) hat dem bereits zugestimmt. Kein Wunder: Die unruhige Nacht für den Arzt wird pauschal nur mit 167 Euro brutto, und ein Patientenbesuch dann nochmals mit 6.20 € (ebenfalls brutto) entlohnt.

Arzt bekommt 6,20 Euro für Patienten-Visite
Mediziner Dr. Karl Schnell übt daran heftige Kritik: "Realistischerweise kann ein Mediziner am Telefon kaum eine verantwortbare Diagnose stellen, sondern nur den Rat erteilen, ein Spital aufzusuchen." Doch pro Telefon-Nachtdienst sollen lieber 1000 Euro bezahlt werden - 365.000 € pro Jahr!

Der Telefon-Nachtdienst kostet 365.000 Euro
Zweiter Streich: Die Krankenkasse wollte alle freiberuflichen Radiologen im Pinzgau eliminieren: Die Stelle des Zeller Radiologen Siegfried Silli (geht in Pension) soll nicht nachbesetzt werden. Gegen den Versuch, als Ersatz eine Fusionierungs-Gruppenpraxis (Niederwieser, Silli, Schurich) zu gründen, legte sich die Gebietskrankenkasse noch im Juli quer. Auch die Nachbesetzung des Saalfeldener Radiologen Johannes Georg Vogler lehnt die Kasse ab: "Wir wollen keine Doppelstrukturen und planen statt dessen die Verlegung der frei werdenden Stellen in drei bestehende Krankenhäuser." Mediziner Karl Schnell hat hier zumindest einen Kompromiss eingefordert: Stelle in Zell neu besetzen und in Saalfelden einen weiteren Radiologen in einer Privat-Klinik installieren. Heute, Mittwoch, will auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer im Konflikt vermitteln. Auch die Ärztekammer wendet sich nun gegen die vollständige Verlagerung der beiden Vertragsarztstellen in die Spitäler.

Versorgungs-Engpass durch zu wenig Notärzte
Dritter Streich: Parallel zum abgeschafften Ärzte-Bereitschaftsdienst während der Nachtstunden wird eine Versorgung durch den Notarzt immer wichtiger. Doch auch hier hapert es enorm: Für den Pinzgau gibt es nur noch einen Notarzt (in Zell), die Versorgung in Mittersill endet ab 19 Uhr. "Ein Horrorszenario vor allem im Winter", so Mediziner Schnell: "Da verzeichnen wir im Glemmtal dann 30.000 Urlauber, so viele wie die Bevölkerung des gesamten Oberpinzgaus. Und weit und breit kein eigener Notarzt, wie ihn etwa auch Lofer bräuchte." Unterstützung bekommt er von der SPÖ. Klubobmann Walter Steidl: "Notärztliche Versorgung ist Landesaufgabe, die muss gesichert sein." Schnells Fraktion will heute im Landtag einen dringlichen Antrag einbringen: Darin geht es neben der radiologischen Versorgung für den Pinzgau auch um die "Barmherzigen Brüder" in Salzburg. Die klare Forderung: Man soll dem Spital endlich den Status eines onkologischen Schwerpunkt-Krankenhauses zuerkennen - hier gibt es massive Querschüsse seitens der SALK.

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