Do, 23. November 2017

Bei ÖWF-Projekt

10.10.2015 09:00

Forscher erprobten Mars-WLAN auf Tiroler Gletscher

Wenn die Menschheit in einer vielleicht gar nicht allzu fernen Zukunft aufbricht, um den Roten Planeten zu erforschen, wird sich eine wichtige Frage stellen: Wie sichert man die Kommunikation in den lebensfeindlichen Fels- und Eislandschaften des Mars? Forscher des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) haben in den letzten Monaten nach einer Antwort auf diese Frage gesucht und den aktuellen Stand der Technik gemeinsam mit dem Netzwerkspezialisten Lancom am Kaunertaler Gletscher in Tirol erprobt.

"Grundlagenforschung verlangt nicht nur dem Menschen alles ab, auch die eingesetzte Technik muss sich behaupten und jederzeit funktionsbereit sein", sagt ÖWF-Expeditionsleiter Gernot Grömer. Er und seine Kollegen testen seit Jahren potenzielle Marstechnik - unter anderem in den eisigen Höhen der Alpen. Heuer haben die Forscher am Kaunertaler Gletscher in Tirol Grundlagenforschung für bemannte Marsmissionen betrieben - und sich dabei unter anderem der Kommunikation am Roten Planeten gewidmet.

Hohe Anforderungen an "Mars-WLAN"
Die Anforderungen, die in solchen Umgebungen an Netzwerktechnik gestellt werden, sind hoch. Die Geräte müssen nicht nur extreme Temperaturunterschiede überstehen, sondern auch vor Umwelteinflüssen wie Eis, Staub oder Spritzwasser geschützt sein. Anforderungen, die man mit speziellen Outdoor-Access-Points des deutschen Netzwerkspezialisten Lancom erfüllt hat. Die robusten Hotspots wurden von den Weltraumforschern am Gletscher zu einem großen zusammenhängenden Fünf-Gigahertz-WLAN mit hohen Übertragungsraten verbunden und erprobt.

Übertragen wurden bei den Tests unter anderem die Sensordaten der Simulations-Raumanzüge namens "Aoda", die von den österreichischen Forschern heuer am Gletscher auf fast 3000 Metern Seehöhe getestet wurden. Die mit Sensoren gespickten Raumanzüge verfügen über Kameras, die Live-Videos an das Basislager der Weltraumforscher und an ein Kontrollzentrum in Innsbruck schickten. Zur Übertragung der gewonnenen Daten sind die einzelnen Anzüge mit WLAN-Antennen ausgestattet, die sich mit dem zuvor gesponnenen Outdoor-Netzwerk verbinden.

Raumanzüge funkten am Gletscher zuverlässig
Im Test klappte die Übertragung der Daten der fiktiven Marsmission reibungslos: Von den Anzügen der Forscher wurden die zu übertragenden Daten in das großflächig am Gletscher verteilte Spezial-WLAN eingespeist, die einzelnen mit Richtantennen und Rundstrahlern verbundenen Accesspoints leiteten die Daten zuverlässig ans Ziel weiter. Bemerkenswert dabei ist, dass das Kommunikationsnetz schnell aufgebaut und flexibel eingesetzt werden kann: Die Accesspoints wurden auf Fotostativen montiert und mit aufladbaren Akkus betrieben.

So ähnlich könnten Kommunikationsnetze in Zukunft auch am Roten Planeten aufgebaut werden: Astronauten könnten Gebiete, die sie erforschen möchten, zunächst mit mobilen Kommunikations-Modulen versorgen und so ein Funknetz aufbauen, und anschließend der eigentlichen Forschung nachgehen. Ändert sich das Operationsgebiet, könnten die mobilen Module ohne größeren Aufwand versetzt werden.

Die Marsmission am Kaunertaler Gletscher war nicht die erste Mission der Weltraumforscher. In den letzten Jahren verschlug es sie im Zuge ähnlicher Projekte auch in die Dachsteinregion und die nördliche Sahara. Den Kaunertaler Gletscher hat man für die neueste Mission "AMADEE-15" ausgewählt, weil das Gelände und die Mineralogie den Bedingungen am Mars recht ähnlich sein sollen. Die dort gewonnenen Erkenntnisse sollen dadurch besonders wertvoll für zukünftige Marsmissionen sein - und nebenbei helfen, mehr über das Ökosystem Gletscher auf der Erde zu lernen.

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