Di, 21. November 2017

„Wallander“-Schöpfer

05.10.2015 11:49

Bestsellerautor Henning Mankell (67) ist tot

Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell ist tot. Er starb Montagfrüh in Göteborg im Alter von 67 Jahren "friedlich im Schlaf", teilte sein Verlag mit. In seinem letzten Buch "Treibsand: Was es heißt, ein Mensch zu sein", das kürzlich auf Deutsch erschien, hatte sich der Bestsellerautor ausführlich mit der Krebsdiagnose, die er kurz nach Neujahr 2014 erhalten hatte, auseinandergesetzt.

Mit einer vom Arzt verkündeten "Atempause" und der freudigen Erwartung "neuer begnadeter Augenblicke" endet Mankells letztes und persönlichstes Buch, in dem er seine Krebserkrankung verarbeitet, sich mit seinen Ängsten konfrontiert und über die großen Fragen des Lebens sinniert. Damit, den Krebs zu besiegen, rechnete der rastlose Schreiber, Afrika-Liebhaber und streitbare Friedenskämpfer zuletzt in einem Interview mit dem Magazin "Stern" nicht. Aber geschrieben hat er nach eigenen Angaben bis zuletzt. Von einem Mann, der im Dunkeln arbeitet, sollte sein neuer Roman "Die Nacht" handeln. "Das Buch wird nicht nur dunkel werden, keine Sorge", sagte er. "Ich werde Kerzen anzünden."

Das werden nun vermutlich auch die Millionen Mankell-Fans rund um den Globus tun. 1948 in Stockholm geboren, veröffentlichte der Skandinavier seit seinem Romandebüt 1973, "Bergsprängaren", beinahe jährlich einen neuen Roman. Mehr als 40 Millionen Mal wurden seine Bücher verkauft, sie wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Am erfolgreichsten wurde seine Krimireihe rund um Kurt Wallander: Der eigenwillige, mürrische Kommissar aus der schwedischen Provinzstadt Ystad katapultierte seinen literarischen Vater regelmäßig an die Spitze von Bestsellerlisten und machte ihn zu einem der meistgelesenen Krimiautoren weltweit. Viele seiner Romane wurden - mitunter mehrfach - verfilmt, unter anderem mit dem Briten Kenneth Branagh.

Mehr als nur "Wallander"-Schöpfer
Doch die Kurt-Wallander-Krimis als Mankells Lebenswerk zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Stets war der Schwede mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt - schrieb einen neuen Thriller, drehte eine Serie für das schwedische Fernsehen, produzierte ein neues Theaterstück. In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, wo er auch lebte, leitete er das Teatro Avenida.

Afrika, dem Kontinent, den er als Mittzwanziger erstmals bereiste, widmete er mehrere Bücher. Auch sein politisches Engagement gegen Armut und Analphabetismus vor Ort nahm einen großen Teil seiner Energie in Anspruch. "Meine Zeit zwischen Afrika und Europa aufzuteilen, hat mir Perspektiven und Distanz geschenkt, und ich glaube, es hat mich zu einem besseren Europäer gemacht", schrieb Mankell, der mit Eva Bergman, einer Tochter von Filmregisseur Ingmar Bergman, verheiratet war, auf seiner Webseite. "Beide Orte sind mein Zuhause." Neben seiner Ehefrau hinterlässt Mankell auch einen Sohn, Jon.

Mit "Gaza-Hilfsflotte" nach Palästina gereist
Solidarität mit Menschen in Not und Gesellschaftskritik ziehen sich durch das Schaffen Mankells, der schon in der 68er-Bewegung in Schweden politisch aktiv war. Solidarisch zeigte sich der überzeugte Sozialist auch mit der Sache der Palästinenser. 2010 machte der Richtersohn die Reise der "Gaza-Hilfsflotte" Richtung Palästina mit, die von israelischen Soldaten mit einem blutigen Einsatz gestoppt wurde. Neun türkische Mitreisende starben. Nach einer mehrtägigen Internierung warf der Autor Israel "Seeräuberei und Kidnapping in internationalen Gewässern" vor.

Mit dem bösartigen Tumor, der kurz nach Neujahr 2014 in seiner Lunge entdeckt wurde, ging Mankell stets offen um. Als er seine Erkrankung in der Zeitung "Göteborgs Posten" öffentlich machte, ereilten ihn Genesungswünsche aus aller Welt, es folgte eine eigene Kolumne über den Kampf gegen den Krebs und schließlich "Treibsand". An den wiederkehrenden Albtraum, im Treibsand zu versinken, habe ihn die Krebsdiagnose erinnert, schreibt er darin. Nur das Nachdenken über die großen Fragen habe ihn herausgeholt - und die Überzeugung, dass das Leben trotz privater und globaler Katastrophen lebenswert ist: "Leben ist im Grunde nichts anderes als Überlebenskunst."

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